Archivierter Artikel vom 27.09.2015, 23:47 Uhr
Kreis Ahrweiler

Statistik: In Rheinstädten gibt's die meisten Drogenstraftaten

Für die Nürburgring-Region ist der Umzug von Rock am Ring nach Mendig ein wirtschaftliches Drama. Für die Polizei im Kreis Ahrweiler bedeutet es, dass ihre Statistik in diesem Jahr deutlich weniger Drogenstraftaten aufweisen wird. Abgesehen von Rock am Ring erwischt die Polizei im Ahrkreis traditionell die meisten Drogentäter in den Rheinstädten. In Sinzig gab es vergangenes Jahr zudem drei Drogentote.

Von unserem Redakteur Jan Lindner

972 Drogenstraftaten registrierte die Polizei 2014 im Kreis Ahrweiler (2013: 669); meist ging es um den Besitz und Erwerb von Cannabis. 223 fielen auf den Bereich der Polizeiinspektion (PI) Bad Neuenahr-Ahrweiler (Jahr 2013: 177), 404 auf das Gebiet der PI Adenau (107) und 345 (385) auf den Bereich der Remagener Beamten. Die Zahl in Adenau ist allerdings deshalb so hoch, weil 100 Straftaten von Rock am Ring 2013 erst im Frühjahr 2014 statistisch erfasst worden sind.

Joachim Pinger, Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter des Rauschgiftdezernats bei der Kripo Mayen, sagt: „Die hohe Zahl der Drogenstraftaten am Rhein liegt vor allem an der Nähe zu Bonn.“ Dort ist der Vorplatz des Hauptbahnhofs, das sogenannte und berühmt-berüchtigte Bonner Loch, ein absoluter Treffpunkt für Dealer und Drogenabhängige.

Von einer Heroin- oder Kokainszene im Kreis Ahrweiler will er nicht sprechen. Er sagt: „Das spielt insgesamt eine ganz geringe Rolle. In den Rheinstädten sieht das ein klein wenig anders aus.“ Dort gebe es ein paar Heroiner, die seit Jahren polizeibekannt seien – etwa in Sinzig. Dort würden die Abhängigen ihre Droge in ihren Wohnungen spritzen und nicht in der Öffentlichkeit. Pinger: „Aber auch hier kann man nicht von einem Problemfeld sprechen.“

Einschlägig bekannt sind bei den Beamten der Sinziger Schlosspark und im Sommer das Rheinufer. Ein Problembereich war laut Pinger vor einigen Jahren die Berufsbildende Schule in Bad Neuenahr: „Aber da haben wir dann verstärkt größere Kontrollen durchgeführt und nichts mehr gehört.“ Generell seien Schulen aber gefährdete Orte, wo auch Drogenstraftaten verübt würden.

Deshalb führt die Kripo jährlich in ein, zwei Schulen im Kreis Ahrweiler Kontrollen durch – und das auch in den Klassen. Pinger: „Bei Schulleitern und Eltern kommt das gut an.“ Ab und an beschlagnahmen die Beamten schon mal Drogen oder Waffen. Pinger: „Meist ist es Cannabis. Aber vermehrt stoßen wir auch auf Kräutermischungen.“

Die sind bekanntlich besonders gefährlich, weil ihre Wirkungsweise oft stark unterschätzt wird. Nicht selten müssen Erstkonsumenten durch einen Notarzt versorgt werden. Vertrieben werden diese Kräutermixturen meist über das Internet, vor allem aus den Niederlanden. Crystal Meth, die brandgefährliche, weil rasend schnell zerstörende synthetische Droge, hat laut Pinger im Ahrkreis in den vergangenen Jahren keine Rolle gespielt.

Die Drogentäter, die die Polizei erwischt, stammen aus allen sozialen Schichten. Häufig gibt es den sogenannten Teufelskreis, wonach Drogenkonsum einhergeht mit anderen Straftaten wie Einbrüchen und Diebstählen. In den Kreis Ahrweiler gelangen die Drogen sehr oft über die A 61, die die Kripo als „wichtige, stark frequentierte Schmuggelroute von den Niederlanden in den Süden Deutschlands“ beschreibt. Schutz gegen Drogenkonsum und -abhängigkeit bietet laut Pinger vor allem ein intaktes soziales Umfeld: „Es hilft sehr, wenn Jugendliche in (Sport-)Vereinen oder der Kirche aktiv sind. Wenn sie in eine Gruppe geraten, die bereits Drogen nimmt, steigt die Versuchung.“ Für das erste Halbjahr 2015 hat die Polizei einen Rückgang der Drogenstraftaten im Kreis Ahrweiler registriert: Im Bereich der PI Adenau gab es 22 Fälle, 97 Delikte in der Kreisstadt und 178 Straftaten an der Rheinschiene.