Kreis Ahrweiler

Sprecher des DRK-Kreisverbandes Ahrweiler appelliert dringend: „Bitte keine Sachspenden mehr!“

Wer Thorsten Trütgen kennt, weiß, wie aufbrausend der gebürtige Münsterländer werden kann. „Wenn ich sehe, dass wohl meinende Helfer allein im Auto in das Katastrophengebiet fahren und so die Straßen verstopfen, dann werde ich sehr nachdenklich“, sagt der Sprecher des DRK-Kreisverbands am Montag bei einer spontanen Pressekonferenz in Remagen, „Wenn ich aber sehe, dass wohl meinende Spender zig blaue Müllsäcke vor unserer ebenfalls in Mitleidenschaft gezogene Kreisgeschäftsstelle in Ahrweiler abladen, dann werde ich richtig wütend.“ Denn nach der echten Katastrophenflut im Ahrtal haben die Helfer nun mit einer Flut an Sach- und Kleiderspenden zu kämpfen, gegen die sie kaum noch ankommen.

Von Christian Koniecki
Thorsten Trütgen ist Sprecher des DRK-Kreisverbandes Ahrweiler. Er schildert die aktuelle Situation aus der Sicht der Ersthelfer.
Thorsten Trütgen ist Sprecher des DRK-Kreisverbandes Ahrweiler. Er schildert die aktuelle Situation aus der Sicht der Ersthelfer.
Foto: Christian Koniecki

„Die Sachen müssen gut gelagert, gesichtet, sortiert, erfasst und schließlich an Bedürftige ausgegeben werden, das ist bei den Massen, die uns inzwischen erreicht haben, nicht mehr zu schaffen. Wir können keine Sachspenden mehr annehmen“, betont Trütgen immer wieder.

Mit dem Katastropheneinsatz selbst haben die Rotkreuzhelfer aus dem Kreis Ahrweiler direkt nur noch am Rande zu tun. „Seit Samstag sind wir in den Regelbetrieb zurückgestuft“, heißt das in Trütgens offizieller Sprache. Das bedeutet, dass die hiesigen Rotkreuzler eine Art Einsatzreserve sind. Denn Erste Hilfe und Krankentransport sind ja trotz der Katastrophe im Ahrtal auch für die nicht betroffenen Bereiche des Kreises weiterhin notwendig. Und die „Zurückstufung in den Regelbetrieb“ ist für die heimischen Helfer keine Abwertung. „Ganz und gar nicht. Gerade in der jetzigen Situation mit den vielen unterbrochenen Verbindungen im Ahrtal sind unsere Leute als Einheimische die Spezialisten, um doch schnellstmöglich einen Einsatzort zu erreichen.

Aber natürlich sind Trütgen und das DRK-Team des Kreises immer wieder unterstützend im Katastropheneinsatz tätig. „Etwa als die Bundeswehr mit großen Stromaggregaten in der Kreisstadt ankam, um wenigstens in Teilbereichen wieder Elektrizität zu ermöglichen. Da fehlten dann Baustromkästen als Verteiler. Als ich das in einem Gespräch mit dem Kölner TV-Sender RTL erwähnte, erinnerte sich dort ein Redakteur an eine Elektrofirma in Sinzig.Über diesen Kontakt konnte dann die Stromversorgung umgesetzt werden“, nennt Trütgen ein Beispiel.

Noch ist die Arbeit des DRK-Kreisverbandes erschwert, denn die Helfer sind selbst Opfer geworden. „Das Gebäude des Kreisverbandes in der Ahrweilerstraße ist noch immer ohne Strom, der Keller war überflutet, und viele Einsatzmittel sind nicht zugänglich. Immerhin hat ein regionaler Internetanbieter spontan und völlig kostenfrei für die DRK-Helfer eine Richtfunkstrecke von der Grafschaft aus über unsere Kreisgeschäftsstelle in der Ahrweilerstraße und weiter bis zum Marienhaus-Klinikum eingerichtet“, berichtet der DRK-Sprecher des Kreises.

Und Trütgen hat noch eine große Sorge: Die Ersthelfer in den Einsatzgebieten des Ahrtals haben in der Flutnacht viele unvorstellbar schreckliche Bilder mit ansehen und Schwerstverletzte versorgen müssen, das alles in der apokalyptischen Szenerie der gewaltigen Wassermassen, die durch das Tal schossen, das alles in totaler Dunkelheit und im infernalischen Lärm der Flut. Solche Extremsituationen gehen auch an der Psyche professioneller Helfer nicht spurlos vorbei.