Archivierter Artikel vom 24.07.2021, 06:00 Uhr
Ringen

Privater Freiwilligentransport im Innovationspark: Pendelverkehr ins Katastrophengebiet

„Hier noch fünf Helfer nach Dernau bitte“, ruft ein Ordner mit orangefarbener Warnweste. „Ist hier noch ein Single? Ein Platz im Bus nach Altenahr ist noch frei“, ruft ein anderer. Das Gewusel im Innovationspark Ringen ist groß, aber nicht chaotisch. Der komplett freiwillig organisierte Helferservice von Menschen aus ganz Deutschland und den Nachbarländern, die an der Ahr aufräumen möchten, funktioniert. Die beiden Neuenahrer Unternehmer Marc Ulrich und Thomas Pütz sind die Köpfe hinter dem privat organisierten Helfershuttleverkehr ins Ahrtal.

Von Christian Koniecki

Freiwillige Helfer, die anpacken wollen, gibt es genügend. Wie aber bekommt man sie an die Einsatzorte im engen Ahrtal mit seinen zerstörten Straßen? Die Unternehmer Marc Ullrich und Thomas Pütz (mit Megafon) haben den Helfershuttle im Innovationspark Ringen organisiert.

CKK

Freiwillige Helfer, die anpacken wollen, gibt es genügend. Wie aber bekommt man sie an die Einsatzorte im engen Ahrtal mit seinen zerstörten Straßen? Die Unternehmer Marc Ullrich und Thomas Pütz (mit Megafon) haben den Helfershuttle im Innovationspark Ringen organisiert.

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Freiwillige Helfer, die anpacken wollen, gibt es genügend. Wie aber bekommt man sie an die Einsatzorte im engen Ahrtal mit seinen zerstörten Straßen? Die Unternehmer Marc Ullrich und Thomas Pütz (mit Megafon) haben den Helfershuttle im Innovationspark Ringen organisiert.

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Freiwillige Helfer, die anpacken wollen, gibt es genügend. Wie aber bekommt man sie an die Einsatzorte im engen Ahrtal mit seinen zerstörten Straßen? Die Unternehmer Marc Ullrich und Thomas Pütz (mit Megafon) haben den Helfershuttle im Innovationspark Ringen organisiert.

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„Wir sind so eine Art Helfer-Guerilla“, beschreibt Ulrich das Engagement mit einem verschmitzten Lächeln, als sich gegen Mittag die Masse der heranströmenden Menschen zu lichten beginnt. Es sind überwiegend jüngere Leute, die geduldig in der Sonne auf einen der Kleinbusse und Privatwagen warten. Sie haben Schaufeln und Besen dabei, können sich aber bei Bedarf auch hier noch mit Gummistiefeln, Eimern und Schippen ausrüsten. Getränke, Sonnenmilch oder von Haribo gespendete Gummibärchen gibt es ebenfalls kostenlos für die Helfer. Dann klettern sie in nummerierte Kleinbusse, Privatautos oder sogar Anhänger und werden auf oftmals abenteuerlichen Routen zu den zerstörten Orten unten im Ahrtal gebracht.

Aus der anfangs argwöhnisch von den Behörden und offiziellen Stellen beäugten Privatinitiative ist mittlerweile ein ernst genommener Pfeiler der Soforthilfe im Krisengebiet geworden. „Vor ein paar Tagen rief zum ersten Mal die Polizei aus Altenahr an: Was wir denn hier eigentlich machen, und wie viele Autos hier stehen, wollte der Beamte wissen“, berichtet Ulrich. „Als ich antwortete, dass hier etwa 600 Autos stehen, war am anderen Ende erst einmal kurz Stille.“ Inzwischen werden die privaten Helfer von den Behörden nicht nur geduldet, sondern auch tatkräftig unterstützt.

„Ein Wagen zur Piusbrücke“, gibt Thomas Pütz wieder Anweisungen. „Und ihr fahrt in die Kalvarienbergstraße 6, da räumt ihr dann vier Häuser die Straße hoch, und vier Häuser die Straße runter auf – alles klar?“ Es gibt auch eindrückliche Hinweise zu den Gefahren: „Und bitte: Niemals einfach so in die Häuser rein, erst jemanden dort fragen, ob die Gebäude noch standsicher sind. Im Zweifel draußen bleiben!“

Aus der ganzen Bundesrepublik kommen die Helfer, aber auch aus dem benachbarten Ausland. „Es ist verrückt: Vor ein paar Tagen meldete sich hier ein Norweger: Der hatte zu Hause gleich seinen Kleinbagger auf einen Hänger geladen und ist hergekommen“, sagt Ulrich mit einem Lachen im Gesicht. Und überhaupt: Trotz des Stresses und der Anspannung schaut man in viele lächelnde Gesichter. Beinahe hat die Stimmung trotz allen Ernstes der Situation ein wenig Festivalcharakter.

Da kommt Thomas – auf Nachnamen verzichten die Helfer untereinander – noch einmal angelaufen: „Haben wir noch einen Wagen frei? Wir müssen unbedingt nach Mayschoss.“ „Aber da ist doch jetzt die Straße gesperrt“, weiß einer der Fahrer. „Wir kennen da noch eine nicht ganz offizielle Zufahrtsmöglichkeit“, antwortet Thomas mit einem verschmitzten Lachen. „Die Wachposten an den Wegen wissen Bescheid, dass wir kommen. Da sollte bloß ein guter Fahrer am Steuer sitzen – ist etwas eng.“ Und dann berichtet er Marc, dass ein Einwohner aus Mayschoss vorhin vor Glück geweint habe, als am Morgen der Shuttlebus mit den Helfern doch noch in den Ort durchgekommen ist.

Am Einsatzzelt hat man den Überblick über das Gewusel. Dort stehen Tafeln auf denen aufgelistet ist, welcher Bus mit wie vielen Helfern in welchen Ort unterwegs ist. Denn am Nachmittag und Abend müssen die dann erschöpften Aufräumtrupps wieder eingesammelt und zurück in den Innovationspark gebracht werden. Inzwischen hat man grob überschlagen, wie viele Menschen an diesem Freitag, gut eine Woche nach der Katastrophe, in das zerstörte Ahrtal gebracht wurden. Und Thomas fällt einem ungläubigen Marc überglücklich in die Arme: „3000,“ raunt er ihm ins Ohr.

Von unserem Redakteur Christian Koniecki

Unbedingt Shuttlebusse nutzen

Die Aktion Helfer-Shuttle.de fährt Helfer koordiniert mit Bussen, die vom Treffpunkt Innovationspark-Rheinland auf der Grafschaft starten, an die betroffenen Orte der Ahr, setzt sie gezielt ein und holt sie auch wieder ab. Die Shuttlebusse fahren täglich ab 7 Uhr auch am Wochenende in die betroffenen Gebiete. „Keine Voranmeldung nötig – einfach vorbeikommen! Wir fahren durchgehend von 7 bis 12 Uhr hin in die Gebiete, ab 16.30 Uhr zurück. Nicht immer direkt auf Abruf, aber regelmäßig und so gut wir können“, heißt es auf der Internetseite. Es wird darum gebeten, Gummistiefel und Handschuhe mitzubringen und für den Eigenbedarf Essen und Trinken. Auch sei es sinnvoll, noch Besen, Abzieher, Schaufel und Eimer mitzubringen. Es sei auch möglich, zu übernachten. Helfern würden Schlaf- und Duschmöglichkeiten zur Verfügung gestellt.

Auch vom Parkplatz des Rhein-Ahr-Campus in Remagen wird am Samstag ein Shuttleverkehr für Helfer nach Sinzig und Bad Bodendorf eingerichtet. Die Busse fahren ab 7 Uhr. ith

Auskunft und Unterstützung für Betroffene der Hochwasserkatastrophe
Infonummer für Angehörige von Vermissten, Hinweise und Fragen: 0800 65 65 65 1
Kostenlose Hotline zur psychosozialen Unterstützung (9 - 17 Uhr): 0800 001 0218
Hinweisportal der Polizei Rheinland-Pfalz: rlp.hinweisportal.de
Die Polizei bittet, den Notruf 112 beziehungsweise 110 nur in dringenden Fällen anrufen.
Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz
Kreis Ahrweiler
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