Archivierter Artikel vom 08.06.2011, 12:06 Uhr

Obdachlosenunterkünfte in der Heerstraße 129 werden abgerissen – Stadt sucht Investoren

Bad Neuenahr. Weil die Gebäude des städtischen Grundstücks „Heerstraße 129“, die derzeit Obdachlose beherbergen, nicht mehr sanierungsfähig sind, lässt die Stadt sie abreißen. Mit einem Wettbewerb sucht die Stadt Investoren zum Wiederaufbau und Erhaltung des Hilfsangebots.

Diese drei abgewohnten Häuser an der Heerstraße 129 möchte die Stadt durch neue Gebäude ersetzen

Auch die Gebäude II und III der „Heerstraße 129“ werden ebenso wie das Gebäude I auf absehbare Zeit hin abgerissen

Der Haupt- und Finanzausschuss vergab den Auftrag,das Gebäude I der „Heerstraße 129“ abzureißen, um neues Baufeld schaffen zukönnen.

Bad Neuenahr – Weil die Gebäude des städtischen Grundstücks “Heerstraße 129", die derzeit Obdachlose beherbergen, nicht mehr sanierungsfähig sind, lässt die Stadt sie abreißen. Mit einem Wettbewerb sucht die Stadt Investoren zum Wiederaufbau und Erhaltung des Hilfsangebots.

Komplett umgestaltet werden soll das städtische Grundstück „Heerstraße 129“ in Bad Neuenahr. Auf dem 3.650 Quadratmeter großen Gelände direkt neben dem Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr stehen derzeit noch drei, in den 60er Jahren in Schlichtbauweise errichtete Gebäude mit 28 einfachen Wohnungen. Diese wurden in den vergangenen Jahrzehnten zur Unterbringung von Obdachlosen benutzt.

Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt vergab nun den Auftrag, das direkt an der Heerstraße gelegenen Gebäude I abreißen zu lassen, um neues Baufeld zu schaffen. Den letzten noch im Objekt untergebrachten Personen wurden Ersatzunterkünfte in den Gebäuden II und III zur Verfügung gestellt. Doch ihr Bleiben dort wird ebenfalls nicht von langer Dauer sein, denn auf absehbare Zeit werden auch diese abgerissen. In der Woche nach Pfingsten werden nun die Abrissbagger der Firma Anton Müller aus Schalkenbach anrücken, um vorerst nur das marode Gebäude I für 64 859 Euro abzureißen und den Schutt zu entsorgen.

Zum Hintergrund: Schon lange laufen in Rat und Verwaltung die Planungen, die drei, im Besitz der Stadt befindlichen Flachdachbauten abzureißen, da sie vollkommen verwohnt und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr sanierungsfähig sind. Durch ihre einfache Bauweise haben sie ihre Lebensdauer erreicht und zusätzlich sind auch die Bewohner nicht immer pfleglich mit ihnen umgegangen. Alle Ratsfraktionen zeigten sich darüber einig, dass die Zustände so nicht belassen werden können, denn sie sind wahrlich kein Aushängeschild für Kurstadt und Rotweinmetropole.

„Wir brauchen eine vernünftige Unterkunft für Obdachlose“, so Bürgermeister Guido Orthen. Problem ist nur die Finanzierung eines oder mehrerer Neubauten, denn die Bereitstellung von Obdachlosenunterkünften ist keine städtische Pflichtaufgabe. Deshalb erwartet dazu Bürgermeister Guido Orthen auch keine Zuschüsse von Land und Bund. So müsste ein Neubau trotz leerer Kassen allein von der Stadt finanziert werden oder es findet sich ein Privatinvestor.

Das 3650 Quadratmeter große Grundstück liegt im Herzen der Stadt und ist deshalb für private Investoren durchaus interessant. So soll jetzt das Grundstück in zwei Teilbereiche aufgeteilt werden. Auf der nördlichen Teilfläche von 900 Quadratmetern direkt an der Heerstraße ist geplant, ein neues Gebäude mit Unterkünften für die vorübergehende Unterbringung von 15 bis 20 Obdachlosen zu errichten. Die Stadt bleibt Eigentümerin des Grundstücksbereichs und soll später auch Betreiberin der Einrichtung sein. Ob nun die Stadt das neue Gebäude erstellt oder ein Investor, muss erst noch geklärt werden, wenn feststeht, wer der externe Geldgeber ist. Die südliche Teilfläche von 2750 Quadratmetern soll an den Investor verkauft werden mit der Verpflichtung, die Gebäude II und III abzureißen und zweckgebundene Wohnungen des sozialen Wohnungsbaus neu zu errichten, die im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung Rheinland-Pfalz zuschussfähig wären. Dieser südliche Grundstücksbereich ginge ins Eigentum des Käufers über. Die Stadt möchte lediglich für einen Teil der Sozialwohnungen Vorbelegungsrechte eingeräumt bekommen.

Um nun zahlungskräftige und vertrauenswürdige Investoren zu finden, hat die Stadt ein ausführliches Exposé für einen sogenannten Interessensbekundungswettbewerb entworfen und darin genau ihre Vorstellungen veröffentlicht. Der Wettbewerb ist inzwischen abgeschlossen und die Rückläufe werden nun ausgewertet, um mit den Interessenten unter Beteiligung der städtischen Gremien in die Verhandlungsphase eintreten zu können. Wie viele Angebote abgegeben wurden, darüber macht die Stadt aus Verhandlungsgründen keine Angaben. Verändern wird sich die Situation in der Heerstraße 129 nun bald mit Sicherheit. Welcher Investor jedoch gemeinsam mit der Stadt tätig wird, das hängt vom Ausgang der Verhandlungsphase und letztlich vom Stadtrat ab.

Von unserem Mitarbeiter Jochen Tarrach