Kreis Ahrweiler

Kommentar zur TV-Berichterstattung: Das Fernsehen vermittelt ein falsches Bild

Nein, es gibt kein „Was ist schlimmer?“. Leid gegeneinander aufzuwiegen, wäre in dieser schwierigen Zeit eine weitere Katastrophe. Schuld an der Oberahr hat es ganz übel getroffen, den Menschen gilt unser aufrichtiges Beileid für diesen Schicksalsschlag. Und deshalb ist es auch wichtig, dass über die 700-Seelen-Gemeinde berichtet wird und wir erfahren, wie die Menschen die Krise bewältigen.

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Doch mittlerweile verzerren die Bilder, die Fernsehsender aus aller Welt in ihren Nachrichtensendungen zeigen, den Eindruck von dieser Unwetterkatastrophe. Kein Fernsehbeitrag, der nicht mit dem Panoramabild auf das verwüstete Dorf beginnt. Die Moderatoren haben sich mit ihren Übertragungswagen dort oben eingerichtet, als würden sie die Präsidentenwahl der USA vor dem Weißen Haus übertragen. Schuld wird zum Synonym für das Ahrtal. Das ist es aber nicht. Schuld ist nicht d a s, sondern ein Epizentrum der Sintflut im Ahrtal.

Weiter unten im Tal, von Altenahr bis Sinzig, haben mehr als 100 Menschen ihr Leben verloren. Die Ortschaften von Altenahr bis Ahrweiler waren über Tage von der Außenwelt abgeschnitten. Ganze Dörfer sind zerstört, das mittlere und untere Ahrtal und seine Kreisstadt liegen in Schutt und Asche. Kaum eine Familie, die keine Opfer zu beklagen hat. Kein Strom, kein Trinkwasser, keine Kommunikationsmöglichkeiten. Doch die Fernsehkameras vor allem des für die ARD federführenden Südwestrundfunks passieren diese 30 Kilometer lange Schneise der Verwüstung fast beiläufig. Das ist eine mediale Katastrophe. Wohlgemerkt: Es geht nicht um noch mehr schreckliche Bilder, es geht um eine richtige Wahrnehmung über das Ausmaß der Naturkatastrophe.

Bundeskanzlerin Merkel und das halbe Kabinett von Ministerpräsidentin Malu Dreyer sind am Sonntag wieder in die Eifel gepilgert und haben noch einen Tross von Politikern und Funktionsträgern aus dem Kreis hinter sich hergezogen, der sicher an anderer Stelle besser gebraucht worden wäre. So trägt man zu diesem verfälschten Bild von einer Katastrophe bei, die sich keiner ausmalen konnte. Das Ahrtal ist nicht Schuld, aber Schuld gehört zum Ahrtal.