Archivierter Artikel vom 30.07.2021, 06:00 Uhr
Sinzig

Kläranlage Sinzig von Flut schwer getroffen: Anlage ist immer noch nicht wieder voll einsatzbereit

Bei einem Besuch der Kläranlage Sinzig übergab Klimaschutzministerin Anne Spiegel jüngst aus dem Sonderförderprogramm Hochwasserschäden einen ersten Zuschuss in Höhe von 500.000 Euro – nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein: Die wichtige Einrichtung ist auch zwei Wochen nach der Flut noch nicht wieder voll einsatzbereit. Der Gesamtschaden an der Anlage bleibt offen – doch es wird fieberhaft daran gearbeitet, sie Stück für Stück wieder zum Laufen zu bekommen.

Von Tobias Lui
Die Kläranlage in Sinzig ist von den Hochwasserkatastrophe kalt erwischt worden.
Die Kläranlage in Sinzig ist von den Hochwasserkatastrophe kalt erwischt worden.
Foto: Christian Koniecki

„Zahlreiche Firmen und Helfer arbeiten wirklich mit Hochdruck“, erklärt Werkleiter Marco Laux auf Nachfrage unserer Zeitung. Laux macht dabei auch deutlich, dass es noch mehrere Monate dauern wird, bis einigermaßen Normalität rund um das Thema Kläranlage einkehrt. Auch in den kommenden Wochen werden Abwässer von Tausenden Menschen wohl – notgedrungen – in die Ahr geleitet.

Die Kläranlage gehört zum Abwasserzweckverband Untere Ahr und ist ausgelegt für 115.000 Bewohner. In den kommenden Jahren sollte sie eigentlich erweitert und saniert werden. Bis zur Katastrophe am 14. Juli versorgte sie unter anderem Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig, Remagen, Bad Breisig und die Grafschaft. Die Wassermassen verursachten große Schäden an der Anlage selbst wie an vielen Zuleitungen. In den ersten Tagen nach der Katastrophe war eine provisorische Zu- und Abfahrt erstellt worden, um überhaupt an die Kläranlage heranzukommen.

Zumindest erste Schäden konnten mittlerweile repariert werden, freut sich der Werkleiter. „Aktuell arbeiten wir an der provisorischen Inbetriebnahme von Sand- und Fettfang.“ Alle Arbeiten würden in enger Abstimmung mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord erfolgen, betont Laux. Zuvor hatten er und sein Team zwei Schnecken wieder zum Laufen bekommen, auch Grob- und Feinrechen arbeiten mittlerweile wieder. „Wenn Sand- und Fettfang wieder funktionieren, ist erst einmal Saubermachen angesagt.“ Im Anschluss könne man elektrische Anlagen und mechanische Teile genauer prüfen, betont der Fachmann. Erst nach dieser Prüfung seien realistische Aussagen über den Gesamtschaden möglich – und die Dauer der Einschränkungen. „Denn auch wenn wir heute schon ein grobes Schadensbild haben, wird sich dieses noch verändern.“ Viele Schäden, zum Beispiel an der Elektronik, könne man derzeit noch gar nicht sehen, betont Laux.

Ein großes Problem stellen weiterhin die vielen kaputten Abwasserkanäle in der Krisenregion dar. Vielerorts gelangen Abwässer erst gar nicht zur Kläranlage – doch auch hier gibt es nach Angaben des Werkleiters Fortschritte: So nimmt die Kläranlage wieder die Abwässer aus Remagen auf, genau wie die der Sinziger Stadtteile Bad Bodendorf und Löhndorf. „Der Rest kommt nicht an, weil die Kanäle entweder zerstört oder nicht mehr vorhanden sind.“

In enger Abstimmung mit dem Technischen Hilfswerk prüfe man derzeit, inwieweit sich provisorische Rohrverbindungen zu den abgehängten Gebieten schaffen lassen. „Aber noch ist unsicher, ob dies technisch überhaupt möglich ist“, erklärt Laux. Sollte sich die Idee aber umsetzen lassen, könnten Sinzig Süd, Bad Breisig und Teile Bad Neuenahr-Ahrweilers provisorisch wieder an die Kläranlage angeschlossen werden. Solange müssen viele Abwässer weiter in die Ahr geleitet werden. Diese ist aktuell zu einer Kloake mit Öl, anderen Treibstoffen, Reinigungsmitteln und Exkrementen geworden.

Zahlreiche Firmen und Helfer arbeiten wirklich mit Hochdruck.

Dennoch weiß Werkleiter Marco Laux, dass die Arbeiten an der Kläranlage noch lange brauchen werden, bis man von Normalität sprechen kann.