Archivierter Artikel vom 05.08.2021, 06:30 Uhr
Sinzig

Kein warmes Essen mehr in der Regenbogenschule: Flutopfer sind empört

Sie kommen aus der gesamten Bundesrepublik, um im Ahrtal mit anzupacken: Helfer – wie jene aus München, die in einem Wohnwagen leben und in Sinzig im Einsatz sind. Und sie sind damit beschäftigt, ihre Häuser nach der verheerenden Flutkatastrophe wieder herzurichten: die betroffenen Bürger im Krisengebiet der Stadt Sinzig. Normalerweise wurden sie in der Regenbogenschule am Schulzentrum einmal am Tag mit einer warmen Mahlzeit versorgt und hatten dort auch eine Duschgelegenheit. Aber das ist jetzt, zumindest was das Essen angeht, vorbei. Das Land zieht Einsatzkräfte aus Sinzig ab, die Küche bleibt kalt – sehr zum Ärger der Flutopfer und Helfer.

Von Silke Müller

Zu ihnen gehört Marianne Hamer-Pietzsch, die im betroffenen Gebiet wohnt. Sie ist fassungslos, dass die Ausgabe der warmen Mahlzeiten durch das Land eingestellt worden ist. „Wir sind nur mit Abrissarbeiten beschäftigt, da können wir nicht kochen – und schon gar nicht für zehn Leute. Und die Helfer müssen versorgt werden“, sagt sie gegenüber der RZ. Marianne Hamer-Pietzsch weiß: „Eine warme Mahlzeit hilft so viel weiter.“ Man könne nicht immer nur belegte Brötchen essen, ergänzt sie. Zwar hat sie schon wieder Strom, aber eben Notstrom – und das bedeutet Einschränkungen. „Wir haben nur kaltes Wasser“, berichtet die Sinzigerin.

Deshalb bezeichnet sie die Möglichkeit zum Duschen und eine vernünftige Mahlzeit am Tag als Hilfen, die ihr zufolge immer noch „dringend notwendig“ sind. Im Gespräch sei die Nutzung der Küche der evangelischen Kirchengemeinde, „aber es fehlt an Helfern, die kochen“, so Hamer-Pietzsch. Ein Nachbar, so erzählt sie, habe sich an die Stadtverwaltung gewandt, sei aber abgeblitzt mit der Begründung, dass es sich um eine Verordnung des Landes handele und man nichts machen könne. „Das ist schon ein Schlag ins Kontor“, findet Hamer-Pietzsch.

Dem widerspricht Christian Weidenbach, Büroleiter der Sinziger Stadtverwaltung, vehement. „Hier wird niemand abgewiesen. Wer eine Problemlage hat, soll sie kommunizieren, und wir suchen nach Lösungen“, betont Weidenbach im Gespräch mit der RZ. Er berichtet, dass sich bei der Verwaltung mehrere Bürger erkundigt hätten, ob die Verpflegung durch das DRK eingestellt werde. „Nach unseren Erkenntnissen ist das so, wir befinden uns in Gesprächen“, so der Büroleiter am Mittwochnachmittag über die Antwort an fragende Bürger, die die Stadt ihm zufolge gegeben habe.

Duschen in der Regenbogenschule bleiben

Dennoch gibt es auch eine gute Nachricht. Auf Nachfrage unserer Zeitung beim Krisenstab des Landes informiert dieser darüber, dass die Möglichkeit zum Duschen in der Regenbogenschule bestehen bleibt. „Die Duschcontainer werden von einer THW-Einheit mit Strom versorgt. Diese Einheit rückt ab. Die weitere Versorgung wird jedoch durch eine andere Einheit wieder sichergestellt“, so Florian Roth von der Landesfacheinheit Presse- und Medienarbeit.

Er bestätigt indes auf RZ-Nachfrage die Einstellung der Ausgabe von warmen Mahlzeiten durch das Deutsche Rote Kreuz. „Die Versorgung vor Ort mit warmen Mahlzeiten wurde eingestellt, weil die Anzahl der zu versorgenden Personen sich derart reduziert hat, sodass diese anderweitig organisiert werden kann“, so Roth zur Begründung. Und weiter: „Dies erfolgte in Absprache mit allen Verantwortlichen, sowohl von der Kommune als auch den örtlichen Führungskräften.“

Von unserer Redakteurin Silke Müller

Wir sind nur mit Abrissarbeiten beschäftigt, da können wir nicht kochen – und schon gar nicht für zehn Leute.

Flutopfer Marianne Hamer-Pietzsch ist fassungslos, dass die Ausgabe von warmen Mahlzeiten in Sinzig eingestellt wurde.