Mayschoß

Jugendliche setzen Zeichen der Hoffnung: Kapelle in Mayschoß wird restauriert

Die kleine Marienkapelle in Mayschoß ist bis heute von der zerstörerischen Kraft der Ahrflut gekennzeichnet. Doch das soll sich jetzt ändern. Und zwar mit jugendlicher Hilfe.

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Die Marienkapelle in Mayschoß hat unter der Flut stark gelitten. Jugendliche kümmern sich jetzt darum.
Foto: Marienkapelle in Mayschoß (Zustand Mai 2023) * Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Haverkamp/Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Haverkamp

„Eigentlich, so dachten wir damals, waren wir gut vorbereitet,“ erinnert sich Jan Hindrik Kwade. Der Verwalter der Fürstlich von Arenbergischen Forstverwaltung blickt auf die nur wenige Meter vom der Ahr entfernte Rentei. „Mit einem leistungsstarken Stromaggregat und Tauchpumpen, mit Sandsäcken, Sperrwänden und Sperrfolien konnten wir die Flut bis zum späten Abend noch bremsen. Doch bei einer Höhe von 1,60 Meter brachen unsere Barrieren. Letztlich standen die Fluten bei uns mit 4,80 Meter im Haus.“

Das herrschaftliche Schieferbruchsteingebäude, die ehemalige Rentei in Mayschoß, heute Sitz der von Arenbergischen Forstverwaltung, trug große Schäden davon. „Die Flut selbst, als auch die Tage danach, waren für uns Betroffene ein schweres Trauma und eine Zäsur zugleich.“ Und noch ein weiteres Gebäude hat die Flut 2021 teilweise schwer zerstört: die kleine Marienkapelle, die direkt an die Rentei anschließt. Das Sandsteinportal fehlt, eine Plane ersetzt das verloren gegangene Dach. Der Schaden ist seither für jedermann gleich ersichtlich.

Frische Farbe, neues Dach

Seit dieser Woche ist es nun laut rund um die kleine Kapelle. Gemeinsam mit Restaurator Dr. Uli Eltgen und Maurermeister Andreas Schael als Fachanleitern werden zehn FSJ-ler dort betriebsam Hand anlegen. Die ehemaligen und aktiven Teilnehmer eines Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) in der Denkmalpflege aus einer der 16 Jugendbauhütten bundesweit werden die historischen Farbschichten der Kapelle untersuchen, das zerstörte Mauerwerk ergänzen und ein neues Dach zimmern.

Die zehn jungen Menschen sind als Helfer nicht allein unterwegs im Ahrtal. Sie gehören zum Fluthilfecamp der Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) in Trägerschaft der internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd), das für zwei Wochen in May-schoß sein Lager aufschlagen wird. Bis zum 24. Juni helfen rund 300 FSJ-ler beim Wiederaufbau von historischen Bauwerken im Ahrtal.

„Das sind junge Menschen, die mit ihrem sozialen Engagement, ihrem persönlichen Interesse und ihrer Leidenschaft aktiv und uneigennützig zur Erhaltung und zum Wiederaufbau unseres kulturellen Erbes beitragen.“

Jan Hindrik Kwade, 
Verwalter der Fürstlich von Arenbergischen Forstverwaltung

„Das sind junge Menschen, die mit ihrem sozialen Engagement, ihrem persönlichen Interesse und ihrer Leidenschaft aktiv und uneigennützig zur Erhaltung und zum Wiederaufbau unseres kulturellen Erbes beitragen,“ freut sich Jan Hindrik Kwade. Kurz entschlossen hatte sich die Fürstlich von Arenbergische Forstverwaltung dazu bereit erklärt, ein Grundstück für die Errichtung der Zeltstadt und einen großzügigen Vorrat an Feuerholz für die abendlichen Lagerfeuer zur Verfügung zu stellen. Mit ihrem Einsatz wollen sich die jungen Leute nicht nur am Wiederaufbau historischer Bausubstanz im Ahrtal beteiligen, sondern bewusst ein Zeichen der Hoffnung setzen, indem sie den Menschen vor Ort tatkräftig zur Seite stehen. Was kann das besser verdeutlichen, als einer kleinen Kapelle zu neuem Glanz zu verhelfen.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hatte bereits kurz nach der Flutkatastrophe mit ihrem Soforthilfeprogramm den Denkmaleigentümern der Region bei der Rettung und beim Erhalt ihrer Gebäude finanziell und beratend Hilfe zukommen lassen. Zur weiteren Unterstützung richtete sie dann ein „Mobiles Team Fluthilfe“ ein, das seit März 2022 tatkräftig Unterstützung bei Wiederaufbaumaßnahmen leistet. Nun folgt mit dem Fluthilfecamp der Jugendbauhütten eine weitere umfangreiche Hilfsaktion für das Ahrtal. red