Archivierter Artikel vom 27.07.2021, 20:30 Uhr
Kreis Ahrweiler

Immer noch Straßensperrungen: Einsatzkräfte arbeiten mit Hochdruck an der Infrastruktur

Knapp zwei Wochen ist die unfassbare Flutkatastrophe an der Ahr her, die zahlreiche Menschenleben gefordert hat. Die Schäden sind so immens, dass sie immer noch sehr gut sichtbar sind – und das, obwohl die vielen Einsatzkräfte von überallher im Dauereinsatz sind. Einige Straßen waren am Dienstag noch gesperrt, was sich aber nach Aufräumarbeiten schnell wieder ändern könnte.

Von Silke Müller

Auch am Dienstag sind noch einige Straßen wie zwischen Hönningen und Altenahr gesperrt.
Auch am Dienstag sind noch einige Straßen wie zwischen Hönningen und Altenahr gesperrt.
Foto: Silke Müller

Wie viele Einsatzkräfte im Krisengebiet mithelfen, wird schon auf dem Weg ins Ahrtal sichtbar. Auf der A 61 und auch auf den intakten Straßen des Brohltals fahren an diesem Dienstag immer wieder Kolonnen von THW, Feuerwehr, DRK, aber auch von der Bundeswehr. Letztere rauscht gleich zweimal mit Lastern vorbei, auf denen sich jede Menge mobile Toiletten befinden.

Ahrquerung in Fuchshofen darf passiert werden

Ankunft in Fuchshofen. Die L 89 in Richtung Antweiler ist noch gesperrt. Überall wird geräumt. Stationen der Einsatzkräfte sind eingerichtet. Das gilt auch für die anderen Orte auf der Route bis Hönningen. Dass die Flut auch in Fuchshofen große Schäden angerichtet hat, wird sofort sichtbar. Natürlich sind auch dort die Einsatzkräfte eifrig bei der Arbeit. Die gute Nachricht: Die Brücke über die Ahr, an deren Mauer einige Steine fehlen, darf passiert werden. Wie aber sieht es in den weiteren Orten an der Ahr rund zwei Wochen nach der Katastrophe aus?

Von der Ahrbrücke von Dümpelfeld nach Liers ist außer einem Trümmerhaufen nichts mehr übrig.
Von der Ahrbrücke von Dümpelfeld nach Liers ist außer einem Trümmerhaufen nichts mehr übrig.
Foto: Silke Müller

Die Route führt weiter in Richtung Schuld. Bei Winnerath an einer kleinen Straße ist plötzlich eine Polizeikontrolle – und nicht jeder darf weiterfahren. Die beiden Beamten, die gar nicht aus dem Kreis Ahrweiler sind, bitten nach Kontrolle des Presseausweises, die Einsatzkräfte nicht bei der Arbeit zu behindern. Und dann geht es auch schon in Richtung Schuld. In dem kleinen Ort wimmelt es nur so von Helfern. Keine Politiker, keine Journalisten, aber immer noch ein immenses Bild der Verwüstung mit Gebäuderuinen. Straßen gibt es in Schuld nicht mehr. Dafür ist aber die L 73 in Richtung Insul frei – allerdings mit einer Bauampel, da die Fahrbahn nicht völlig intakt ist.

Auch an der Behelfsbrücke in Insul ist Hochbetrieb. Immer wieder fahren die Einsatzkräfte von der einen auf die andere Seite der Ahr. Privatleute dürfen die Flussquerung zwar auch nutzen, aber derzeit nur zu Fuß. Ansonsten dient sie aktuell allein den Einsatzkräften. Sobald der TÜV die Brücke freigegeben habe, dürfe sie auch von privaten Pkw befahren werden, berichtet eine Einsatzkraft der Bundeswehr auf RZ-Nachfrage. Derweil sind die Menschen noch mit dem Aufräumen und Reparaturen beschäftigt. Vor einem Haus zum Beispiel türmen sich noch Berge von Müll, während drinnen gearbeitet wird.

Auch die Straße zwischen Antweiler und Fuchshofen ist noch gesperrt.
Auch die Straße zwischen Antweiler und Fuchshofen ist noch gesperrt.
Foto: Silke Müller

In Dümpelfeld blieb von der Brücke nur ein Trümmerhaufen

Von Insul aus ist es kein Problem, nach Dümpelfeld zu kommen. Wer aber von dort über die Ahrstraße in Richtung Liers möchte, muss umdrehen. Von dieser Brücke ist – wie von vielen anderen auch – außer einem Trümmerhaufen in der Mitte des Flusses nichts übrig geblieben. Allerdings ist ein kleiner Teil von Liers über die B 257 doch erreichbar. Von dort aber auf die andere Seite der Ahr zu gelangen, ist im Moment noch nicht möglich. Dort gibt es derzeit noch keine Behelfsbrücke. Sie ist aber in Arbeit. Und sie soll – im Gegensatz zu Insul – eine richtige Fahrbahn erhalten. „Wir versuchen, das bis Donnerstag hinzukriegen“, sagt eine Einsatzkraft der Bundeswehr auf RZ-Nachfrage. In Hönningen endet die Tour, die eigentlich bis Altenahr führen sollte. Denn ab dort ist die B 257 an diesem Dienstag noch gesperrt.

Verbindung zwischen Ahrbrück und Remagen: Schienenersatzverkehr ist eingerichtet

Gute Nachrichten in schlechten Zeiten hat die Deutsche Bahn. Wie eine Sprecherin auf RZ-Anfrage mitteilt, wird die Strecke zwischen Ahrbrück und Remagen aktuell mit Bussen bedient. Die Verbindungen sind zum Beispiel im Internet unter www.bahn.de abrufbar.

Aber das war es auch schon mit den guten Nachrichten. Das Unternehmen kann immer noch keine konkreten Angaben zur Schadenshöhe machen. „Für eine seriöse Einschätzung müssen wir zunächst die Schäden an den Gleisen und Anlagen ermitteln. Dies ist derzeit noch nicht abschließend möglich“, erläutert die Sprecherin am Dienstag. Viele Strecken seien auch jetzt noch nicht wieder frei von Wasser, Schlamm oder Geröll. „Bei den Strecken, die das Hochwasser komplett zerstört hat, müssen wir davon ausgehen, dass der Wiederaufbau mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern wird“, so die Sprecherin der Deutschen Bahn. Sie berichtet, dass sich das Unternehmen mit zahlreichen Mitarbeitern und Fachkräften, aber auch der Führungsriege in die Schadensanalyse und die Unterstützung am Ort eingebracht habe. „Und das werden wir auch weiter tun, denn hier geht es nicht nur um die Anbindung an die Schiene – hier sind unsere Gesellschaft und Solidarität mit den betroffenen Menschen vor Ort gefragt“, so die Sprecherin.

Auskunft und Unterstützung für Betroffene der Hochwasserkatastrophe
Infonummer für Angehörige von Vermissten, Hinweise und Fragen: 0800 65 65 65 1
Kostenlose Hotline zur psychosozialen Unterstützung (9 - 17 Uhr): 0800 001 0218
Hinweisportal der Polizei Rheinland-Pfalz: rlp.hinweisportal.de
Die Polizei bittet, den Notruf 112 beziehungsweise 110 nur in dringenden Fällen anrufen.
Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz
Kreis Ahrweiler
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