Archivierter Artikel vom 05.08.2021, 20:03 Uhr
Kreis Ahrweiler

Große Solidarität unter den Feuerwehren: Brandschutz an der Ahr ist weiterhin sichergestellt

Schwer getroffen sind sie, aber dank der Hilfe auswärtiger Kameraden haben die Feuerwehren der Kreisstadt sowie der Verbandsgemeinde Altenahr die Flutwelle einigermaßen überstanden. Die positive Nachricht ist, dass im Notfall in beiden Bereichen die Einsatzbereitschaft weiterhin gewährleistet ist. Schwierig ist das allerdings in der Verbandsgemeinde Altenahr, da zahlreiche Blauröcke privat selbst von der Katastrophe getroffen sind und zudem die Gerätehäuser entweder nur noch schwer zu erreichen oder ganz in den Fluten versunken sind.

Von Jochen Tarrach

Gut ausgerüstet ist die neue Feuerwache Bachem an der Alten Schule mit Gerätschaften aus Mensheim, Sarstedt und Virges.
Gut ausgerüstet ist die neue Feuerwache Bachem an der Alten Schule mit Gerätschaften aus Mensheim, Sarstedt und Virges.
Foto: Jochen Tarrach

Besonders Schlimmes berichtet Wehrleiter Frank Linnarz aus Altenahr: Zwei Feuerwehrleute aus Dernau haben in den Wassermassen ihr Leben verloren. Das allerdings, was nicht weniger schlimm ist, außerhalb eines direkten Einsatzgeschehens. Angesichts dessen verlieren die großen materiellen Schäden der Menschen nahezu ihre Bedeutung. Trotzdem: Die Feuerwehren werden weiter gebraucht.

Die Feuerwehrgerätehäuser in Mayschoß, Rech und Kreuzberg sind vollständig zerstört. Das Gerätehaus in Altenahr nahe dem großen Tunnel steht zwar noch, aber es führt keine Straße mehr hin, und es muss auch erst geprüft werden, ob es noch ausreichende Standfestigkeit besitzt. Neue Behelfsfeuerwehrhäuser sind erst in der Planungsphase. Neben diversen wertvollen Ausrüstungsgegenständen für Spezialeinsätze sind in Altenahr drei komplette Fahrzeuge verloren gegangen: ein großes Hilfeleistungsfahrzeug (HLF), die Drehleiter (DL) sowie ein ABC-Erkundungsfahrzeug. Die Wehr in Kreuzberg konnte ihr Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) ebenfalls nicht vor den Fluten retten.

Angesichts der allgemeinen Notsituation der Menschen im Ahrtal ist die Einsatzbereitschaft der Wehren in der Verbandsgemeinde Altenahr nicht überall gesichert. Deshalb haben sogenannte Grundschutzeinheiten aus Rheinland-Pfalz zur Entlastung und zum Ersatz die Absicherung übernommen. Zu erreichen sind auch sie im Notfall über die bekannte Rufnummer 112. Aber die in Altenahr oft alarmierte Rettung von abgestürzten Wanderern im steilen Gebirge dürfte im Augenblick noch schwieriger sein als sonst. Deshalb sollte derzeit lieber auf solche Touren verzichtet werden.

Schwer getroffen von der Flutwelle wurde das Feuerwehrgerätehaus am Ahrtor in Ahrweiler.
Schwer getroffen von der Flutwelle wurde das Feuerwehrgerätehaus am Ahrtor in Ahrweiler.
Foto: Jochen Tarrach

Wehrleiter Linnarz berichtet, dass die Grundschutzeinheiten bereits zu Unfällen und Bränden ausrücken mussten. Bei größeren Bränden ist mit erheblichen Problemen bei der Löschwasserversorgung zu rechnen. Wie lang dieser Zustand noch anhält? Das weiß auch der Wehrleiter nicht. In der Kreisstadt sieht die Lage punktuell etwas anders aus. Alle 22 Fahrzeuge der Stadtfeuerwehr haben die Katastrophe überstanden, berichtet Stadtwehrleiter Marcus Mandt. Lediglich ein ABC-Erkundungsfahrzeug aus Bundesbeständen ist nicht mehr einsatzbereit.

„Der Grundschutz ist in der gesamten Stadt gewährleistet“, ist sich Mandt sicher. Und das, obwohl zahlreiche Kameraden ihr Zuhause verloren haben und jetzt irgendwo in der Umgebung wohnen, also zum Einsatz kaum geholt werden können. In Bad Neuenahr hat deshalb die Feuerwehr aus Suhl in Thüringen mit ihren Fahrzeugen die Einsatzwache übernommen. Probleme könnte es lediglich mit der Löschwasserversorgung geben, da das Hydrantennetz noch nicht stabil ist. Aus diesem Grund sind derzeit in der Stadt auch Fahrzeuge mit großem Wasservolumen stationiert. In Bad Neuenahr werden 9000 Liter Löschwasser vorgehalten, davon allein 7000 Liter von der Feuerwehr aus Selters, in der neuen provisorischen Feuerwache Bachem unter Mithilfe der Feuerwehr Suhl/Thüringen sind es sogar 14.000 Liter.

Trotzdem konnten in der Stadt 22 Feuerwehrfahrzeuge unversehrt gerettet werden. Von der Flutwelle nicht erreicht wurde das Gerätehaus der Feuerwehr Bad Neuenahr an der Heerstraße.
Trotzdem konnten in der Stadt 22 Feuerwehrfahrzeuge unversehrt gerettet werden. Von der Flutwelle nicht erreicht wurde das Gerätehaus der Feuerwehr Bad Neuenahr an der Heerstraße.
Foto: Jochen Tarrach

Ein Problem ist die Zweiteilung der Stadt wegen fehlender Brücken. Deshalb wurde im Süden eine provisorische, aber gut ausgerüstete Feuerwache in der Alten Schule in Bachem eingerichtet. Dort stehen Feuerwehrmänner aus Mensheim, Sarstedt und Virges zum Hilfseinsatz bereit. Die Sarstedter haben sogar ihre Drehleiter mitgebracht, sodass jetzt im Nord- und Südteil der Stadt je eine Drehleiter bereit steht.

Mehr oder weniger geringe Schäden haben die Feuerwehrgerätehäuser. Im neuen, zweistöckigen Haus in Heimersheim stand die untere Etage mitsamt der Haustechnik unter Wasser. Das Gerätehaus in Ahrweiler, direkt am Ahrtor neben der Ahr gelegen, wurde bereits teilweise wegen Unterspülung der Fundamente abgerissen. „Einige Fahrzeugboxen können wir trotzdem noch als Garage nutzen“, so der stellvertretende Wehrleiter Rolf Seeliger. Rechnet man noch die Feuerfahrzeuge der Wehren hinzu, die mit dem reinen Hochwasserhilfseinsatz beschäftigt sind, drängeln sich die Feuerwehren augenblicklich in der Stadt.

„Wir sind guten Mutes, die Bürger müssen sich in Sachen Brandschutz und Hilfeleistung bei Unfällen keine Sorgen machen“, so Stadtwehrleiter Marcus Mandt.

Wir sind guten Mutes, die Bürger müssen sich in Sachen Brandschutz und Hilfeleistung bei Unfällen auch jetzt keine Sorgen machen.

Stadtwehrleiter Marcus Mandt