Archivierter Artikel vom 09.08.2021, 08:00 Uhr
Bad Neuenahr-Ahrweiler

Gigantische Aufgabe für das DRK: Täglich 10 000 Mahlzeiten gehen ins Ahrtal

Teile der Stadt sind auch drei Wochen nach der verheerenden Flutnacht weiterhin ohne Strom. Darunter die Ahrweiler Innenstadt. Viele Häuser haben kein Gas. An manchen Stellen ist man noch immer mit dem Säubern und Entschlammen des Gebäudes und des Grundstückes beschäftigt, andernorts wird bereits der Wiederaufbau in Angriff genommen. Aber überall wird schwer und hart gearbeitet. Und alle Betroffenen, seien es geflutete Anwohner, Helfer und Firmenmitarbeiter, sind mittags entsprechend hungrig. Essensausgaben gibt es an vielen Orten in der Stadt.

Von Gabi Geller
Im DRK-Zelt am Ahrweiler Markt gibt es ein warmes Essen und ein Lunchpaket zum Mitnehmen. Es ist eine von zahlreichen solcher DRK-Stationen im Ahrtal. Allein in der Kreisstadt gibt es 12 davon neben den vielen privaten Essensausgabestellen. Foto: Gabi Geller
Im DRK-Zelt am Ahrweiler Markt gibt es ein warmes Essen und ein Lunchpaket zum Mitnehmen. Es ist eine von zahlreichen solcher DRK-Stationen im Ahrtal. Allein in der Kreisstadt gibt es 12 davon neben den vielen privaten Essensausgabestellen.
Foto: Gabi Geller

Über den Krisenstab und seine chaotische Amtsführung wird viel geschimpft, aber auf die privaten Helfer und Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) war und ist Verlass. Sie arbeiten geschmeidig und ohne nennenswerte Reibungsverluste mit anderen Essensanbietern zusammen. Die Aufgabe für das DRK im Ahrtal ist gigantisch. Entsprechend sind hier viele Kreis- und Ortsverbände aus der gesamten Republik im Einsatz. Allein in der der Kreisstadt gibt es an zwölf Stationen jeden Tag ein warmes Mittagessen und zum Mitnehmen ein „Lunchpaket“ mit Lebensmitteln für Frühstück und Abendessen.

In Grafschaft-Ringen haben der Landesverband Hessen und das Bayrische Rote Kreuz ein großes Verpflegungszentrum aufgebaut, das seit Anfang des Monats in Betrieb ist. Hier werden die täglichen warmen Mittagessen zubereitet und anschließend an die Verpflegungsausgaben im ganzen Tal ausgeliefert. Nach eigenen Angaben bringt das DRK von hier aus jeden Tag rund 10.000 warme Mahlzeiten und Lunchpakete zu den hungrigen Menschen im Katastrophengebiet.

Allein im DRK-Zelt am Ahrweiler Marktplatz holen sich jeden Mittag zwischen 12 und 14.30 Uhr etwa 500 Menschen ein Essen. Am Wochenende sind es etwas weniger. „Dann bieten halt besonders viele Initiativen warmes Essen an, und man kann wählen, worauf man Appetit hat. Würstchen vom Grill zum Beispiel,“ berichtet Daniel Schulte. Er ist mit seiner DRK-Mannschaft aus Westfahlen Lippe angerückt. Eine Woche dauert sein Einsatz hier und endet am Sonntag. Dann übernehmen Kräfte vom Kreisverband Rhein-Hunsrück die Essensausgabe am Ahrweiler Markt. Schulte war in den vergangenen Wochen bereits in Hagen und in Euskirchen im Fluteinsatz. Die Ahrweiler Altstadt hat er in der Vergangenheit bereits mehrfach besucht und erinnert sich an schöne Stunden bei einem Glas Wein im romantischen Ambiente. Jetzt erblickt er eine überquellende Mülltonne und sorgt schnell für einen neuen blauen Plastiksack ...

Es ist 13 Uhr am Samstag, und auf den Stufen am Markt und auf Bierbänken sitzen Menschen in verdreckten Arbeitsklamotten und löffeln ihre Kartoffelsuppe. Je nach Gusto mit oder ohne Fleisch. Auch Brot und etwas zu trinken gehört zur DRK-Mahlzeit. Die Stimmung während der Mittagspause ist gut, viele Jugendgruppen sind hier und gehen nach dem Essen voller Elan wieder an die Arbeit, während sich neue hungrige Gäste h im Zelt ihr Mittagessen holen. Das wird in Einwegschüsseln aus kompostierbarem Material ausgegeben und schmeckt offenbar sehr gut, denn Behälter mit Suppenresten sieht man keine.

Die auf der Webseite des DRK und auf den Flyern ausgewiesenen Verpflegungsstationen laufen nicht alle unter der DRK-Flagge. Kirchliche Versorgungsstationen zum Beispiel werden bei Bedarf vom DRK beliefert und übernehmen selbst die Verteilung. An manchen Stationen hält sich das DRK ganz raus, weil diese Privatinitiativen bereits seit langem funktionieren. Der Standort wird auf der Liste des DRK angegeben. Ein Beispiel ist die Station am Ahrweiler Südufer an der Ecke Goethestraße – Ramersbacher Straße. Hier steht die Godesberger Familie Wirfs seit fast vier Wochen mit ihrer modernen Gulaschkanone. Der Kölner Caterer Michael Steppuhn verteilt zudem täglich rund 200 warme Essen. Finanziert werden sie aus privaten Spenden.

Im DRK-Zelt auf dem Ahrweiler Markt werden die Lunchpakete individuell zusammengestellt. „Jeder soll sich aussuchen, was er möchte, Und alles ist in kleinen Mengen abgepackt, weil es ja sonst verdirbt“, erklärt Schulte. Denn in der Altstadt gibt es noch immer keinen Strom und damit keine Kühlmöglichkeit.

Ein DRK-Mitarbeiter packt am Zeltausgang die Papiertüte für eine Mutter mit Kind. Brot, Butter, Marmelade, Streichkäse. Das kleine Mädchen kann sich nicht entscheiden, ob Schokoriegel oder Kaubonbons. Der Zweimetermann steckt beides in die Tüte. Dann zaubert er plötzlich aus jeder Hosentasche kleine, süße Überraschungen hervor und blickt in ein rundum glückliches Kindergesicht. Solch kleine Momente sind große Motivation für die oft ehrenamtlichen DRK-Helfer im Flutgebiet. „Wir bleiben vor Ort, solang die Menschen unsere Hilfe brauchen“, verspricht übrigens DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt

Von unserer Mitarbeiterin Gabi Geller

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