Sinzig

Farbeimer und Lackdosen verschwunden: Waren in Sinziger Fachmarkt Plünderer am Werk?

Seit viele Häuser von dem Hochwasser geflutet wurden, hört man immer wieder von Plünderern, die durch die Straßen streifen und darauf hoffen, in kaputten Häusern fündig zu werden. Die Polizei kann solche Meldungen und Gerüchte vor allem in den sozialen Medien nicht bestätigen, spricht aber davon, dass es „in den letzten Tagen vereinzelt zu strafbaren Handlungen im Zusammenhang mit Eigentumsdelikten“ gekommen sei. Hier ein Fall aus Sinzig, der nachdenklich macht ...

Von Annika Wilhelm
Der PE-Markt in Sinzig, wo ungewöhnlich viele Farbeimer und -dosen weggekommen sind. Foto: Annika Wilhelm
Der PE-Markt in Sinzig, wo ungewöhnlich viele Farbeimer und -dosen weggekommen sind.
Foto: Annika Wilhelm

Nicht nur Privatpersonen, auch einige Firmen und Geschäfte sind von den massiven Schäden des Hochwassers an der Ahr betroffen – und können somit ebenfalls zum leichten Ziel für zwielichtige Menschen werden, die sich bereichern wollen. Eines dieser Geschäfte ist PE in Sinzig, ein Fachmarkt für Innenausstattung.

Fast der gesamte Bestand des Fachmarkts, also Tapeten, Bodenbeläge und vieles mehr, ist durch die Fluten des Hochwassers zerstört worden. Lediglich die Farbe in Eimern und Dosen hat überlebt. In dem Zustand, in dem sie sich allerdings befanden, konnte der PE-Fachmarkt sie auch nicht mehr verkaufen. Darum entschloss sich Geschäftsführer Marcel Müller dazu, die Wandfarben an Menschen zu spenden, die ebenfalls von dem Hochwasser betroffen sind.

Dazu kam es aber gar nicht mehr. Denn die meiste Farbe verschwand unbeobachtet über Nacht aus dem Geschäft. Müller erzählt: „Von Tag zu Tag wurden die Farben auffällig weniger.“ Zwar habe er ein paar Leuten Bescheid gesagt, dass sie sich gern etwas abholen kommen können, aber die Menge, die über Nacht verschwindet, sei auffallend. Beate Ebert, die Inhaberin des Geschäfts, wurde zudem erzählt, dass in der Nachbarschaft auch schon eingebrochen worden sei. Sie sagt: „Teilweise kamen fremde Leute hier auch einfach rein und haben sich bei den Farben bedient, obwohl die Arbeiter noch da waren.“

Dass die Farben zum Teil geklaut wurden, ist zwar ärgerlich, aber auch Plünderer können nichts an dem positiven Geist der Geschäftsinhaberin ändern. Sie erklärt: „Wir haben schon so viel überstanden, das hier schaffen wir jetzt auch.“ Die Mitarbeiter des Fachgeschäfts helfen alle fleißig und packen mit an. Darüber ist Beate Ebert mehr als nur froh: „Das schweißt unsere familiäre Firma nur noch enger zusammen.“ Doch nicht nur die Arbeitskollegen sind vor Ort. Hilfe bekommen sie auch von Freunden, aus der Familie, von Fremden, der Feuerwehr aus Erfurt, einer Firma aus Leipzig und Verwandten aus Berlin, die extra zum Anpacken nach Sinzig angereist sind. Die Solidarität und die Hilfsbereitschaft, die derzeit nicht nur aus der Nachbarschaft kommt, sorgen dafür, dass die Inhaberin und der Geschäftsführer des Familienbetriebs mutig nach vorn blicken können.

Die Polizei erklärt derweil, dass jedem Hinweis und jeder Meldung in Sachen Eigentumsdelikten durch die nach wie vor mit starker Präsenz im Einsatzraum befindlichen Kräfte nachgegangen werde. Eingehende Meldungen über verdächtige Personen im Krisengebiet hätten sich jedoch oftmals vor Ort nicht bestätigt. Im O-Ton heißt es in einer Pressemeldung: „Die Polizei setzt alles daran, dass die Hilflosigkeit der Betroffenen vor Ort, die oft alles verloren haben, nicht von Kriminellen ausgenutzt wird. Wir sind weiter mit starker Präsenz im Krisengebiet. Eine Reduzierung der Kräfte erfolgt ausdrücklich nicht.“

Von unserer Reporterin Annika Wilhelm