Archivierter Artikel vom 23.07.2021, 18:51 Uhr
Ahrweiler

DRK beeindruckt von der Hilfsbereitschaft: Rund 3500 Helfer der Organisation sind in der Krisenregion im Einsatz

1000 Helfer aus Rheinland-Pfalz, dazu rund 2500 aus dem gesamten Bundesgebiet: Das Deutsche Rote Kreuz ist mit einem Großaufgebot an überwiegend ehrenamtlichen Helfern in der Krisenregion im Einsatz. „Dies ist eine Notlage, wie es sie seit Ende des Zweiten Weltkriegs noch nicht gegeben hat“, erklärte Gerda Hasselfeldt, Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, bei ihrem Besuch im von der Flutkatastrophe betroffenen Gebiet in Ahrweiler. Hasselfeldt und DRK-Landeschef Rainer Kaul machten dort auch deutlich, dass bei dem Ausmaß der Schäden dauerhafte Hilfe benötigt wird. „Wir richten uns darauf ein, hier mehrere Monate zu bleiben.“

Von Tobias Lui
Foto: Tobias Luz

Beide zeigten sich auch beeindruckt von der riesigen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. „Rund 15 Millionen Euro an Spenden sind allein beim DRK eingegangen“, so Hasselfeldt. „Das ist wirklich beeindruckend.“ Das Deutsche Rote Kreuz, mit rund drei Millionen Mitgliedern eine der größten Hilfsorganisationen im Land, hat verschiedene Aufgaben im Krisengebiet übernommen, kümmert sich unter anderem um die Essensversorgung und Hygieneversorgung, aber auch um Strom- und Wasserbereitstellung. Vor allem aber gehört die ärztliche Versorgung zu den DRK-Kernkompetenzen, zum Beispiel in Form von mobilen Arztpraxen.

Davon gibt es bundesweit nur deren Vier – und allesamt sind sie seit Montag in der Ahr-Region im Einsatz. Zwölf Ärzte aus der Umgebung arbeiten dort im Schichtbetrieb, koordiniert werden sie in den ersten beiden Wochen von Dr. Peter Maas vom Marien-Krankenhaus. Der berichtet aus dem Alltag in diesen Praxen: „Viele Menschen, die uns dort aufsuchen, sind körperlich weitgehend unversehrt. Doch wenn sie bei uns sind und sich erstmals seit Tagen für einen kurzen Moment nicht um sich selbst kümmern müssen, dann brechen emotional die Dämme.“ Diese Momente des Fallenlassens seien extrem wichtig, bei den Belastungen der kommenden Wochen und Monate.

Weitere Praxen dieser Art seien für die Zukunft wichtig, betonte die Präsidentin und warb um politische Unterstützung. Nicht nur hier könne man in Sachen Katastrophenschutz Verbesserungen erzielen: So habe das DRK vor einigen Jahren schon ein Konzept für bundesweit zehn zentrale Lager vorgestellt. In diesen Lagern sollen Dinge wie Feldbetten, Decken und Stromaggregate für Katastrophen vorgehalten werden. „Die Politik hat die Notwendigkeit mittlerweile erkannt, zumindest zwei dieser Zentren sind genehmigt“, betonte die Präsidentin. Eines befinde sich bereits im Aufbau, „Material hieraus kommt auch bei dieser Katastrophe zum Einsatz“. Im Hinblick auf Katastrophen dieser Art, aber auch möglichen Cyberattacken, sei es wichtig und dringend geboten, dass auch die anderen acht Zentren genehmigt würden, forderte die Präsidentin.

Auf deren Programm stand auch ein Besuch des Mobilen Impfteams, das gemeinsam vom Koblenzer Roten Kreuz und dem Impfzentrum der Stadt Koblenz betrieben wird. Nachdem das Impfzentrum in Bad Neuenahr-Ahrweiler nicht mehr weiter betrieben werden konnte, sind das Impfzentrum Koblenz und die Organisatoren beim Koblenzer Roten Kreuz spontan eingesprungen, um die Corona-Schutzimpfungen im Schadensgebiet fortzuführen. Bereits am ersten Tag konnten über 700 Personen geimpft werden. Neben der Impfstation in einem Bus in Bad Neuenahr-Ahrweiler werden in den kommenden Tagen zwei Satellitenfahrzeuge vom Impfbus aus in das Schadensgebiet entsendet, um auch in weiteren betroffenen Gemeinden Impfungen anbieten zu können. Die Zusammenarbeit funktioniere auf allen Ebenen hervorragend, unterstrichen die Verantwortlichen aus ihrer Sicht, wenngleich man vor Fehlern nicht gefeit sei. „Aber in Anbetracht der Umstände dieser Katastrophe arbeiten wir mit den anderen Hilfsorganisationen, den Behörden und der Bundeswehr sehr gut zusammen.“ Es herrsche ein exzellentes Vertrauensverhältnis unter allen Helfern, betonte Landeschef Kaul mehrfach. Und versicherte nochmals allen Opfern der Naturkatastrophe: „Wir bleiben so lange an der Seite der Menschen, wie dies notwendig ist.“ Tobias Lui