Archivierter Artikel vom 07.08.2021, 10:00 Uhr
Bad Neuenahr-Ahrweiler

Bad Neuenahr-Ahrweiler räumt auf: Vergleichsfotos zeigen die Zerstörungskraft der Flut und den Fortschritt der Arbeiten

139 Tote hat die Sintflut an der Ahr gekostet, zahlreiche Menschen machte das Wasser zu Wohnungslosen. Und auch drei Wochen nach der Katastrophe müssen viele Bürger ohne Strom und Leitungswasser auskommen. Aber es gibt auch Fortschritte, es gibt auch Hoffnung.

Von Nicolaj Meyer

Die Kreuzstraße in Bad Neuenahr: Sowohl auf dem Foto vom 21. Juli...

Meyer

... als auch auf dem Bild vom 5. August ist sie unpassierbar.

Meyer

Die Bad Neuenahrer Jesuitenstraße: einmal fotografiert am 21. Juli während der Aufräumarbeiten...

Meyer

... und einmal am 5. August. Fotos: Meyer

Meyer

In der Oberhutstraße ließen sich vor der Flut etwa im Restaurant Ahr Vinum herrliche Abende verbringen. Die Fotos vom 15. Juli...

Koniecki

... und dem 5. August zeigen den Erfolg beim Aufräumen.

Meyer

Platz an der Linde: Er ist so etwas wie das Zentrum der Bad Neuenahrer Kernstadt und wurde von der Sintflut stark mitgenommen. Ein Foto zeigt ihn am 16. Juli...

Koniecki

... das andere am 5. August.

Meyer

Ein Laster hängt auf dem Foto vom 15. Juli noch quer in dieser Einfahrt auf der Schützenstraße, die etwa parallel zur Ahr verläuft...

Koniecki

... Am 5. Juli sieht man davon nicht mehr viel.

Meyer

In der Niederhutstraße in Ahrweiler hat sich vom 15. Juli bis zum 5. August bereits einiges getan...

Koniecki

... Schlamm und Geröll sind weggeräumt, halbwegs sauber sieht die Straße aus, doch die Geschäfte sind leer.

Meyer

Die Martin-Luther-Kirche war nicht nur umgeben von Unrat und Geröll, wie auf dem Bild vom 25. Juli zu sehen ist, sondern auch innen voller Schlamm. Sogar die Bundeswehr beteiligte sich bei der Reinigung. Nun ist die Kirche tagsüber geschlossen. Immerhin die Sitzbänke sind am 5. August wieder sichtbar...

Meyer

... Das Gotteshaus der evangelischen Kirche ist ein geschütztes Kulturdenkmal. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in der Kreisstadt etwa 30 evangelische Christen, die zur evangelischen Gemeinde Remagen gehörten. Durch Spenden wurde der 1872 fertiggestellte Bau der Martin-Luther-Kirche finanziert. Ein Jahr später wurde der Pfarrsitz nach Neuenahr verlegt und der Betsaal in der Niederhutstraße verkauft.

Meyer

Das Schuhgeschäft Rollmann an der Hauptstraße ist auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Bilder sind vom 21. Juli und vom 5. August (unten). Fotos: Meyer

Meyer

Innerhalb weniger Wochen sieht es in manchen Straßen der beiden Stadtteile Bad Neuenahr und Ahrweiler schon anders aus. Die Bilder auf dieser Seite dokumentieren, was war und was ist. Einzelne Aufnahmen wurden nur wenige Stunden nach der Flut aufgenommen, am 15. Juli, andere ein paar Tage später, dem 21. Juli, als der Wiederaufbau schon im vollen Gange war: Als das Technische Hilfswerk (THW), private Freiwillige, Feuerwehren und zahlreiche andere Institutionen in die Region gekommen waren, um die Kurstadt wieder aufzubauen. Im Vergleich dazu gibt es jeweils ein Foto vom 5. August.

Zu diesem Zeitpunkt sind etwas weniger Helfer von außerhalb in der Stadt, aber es gibt sie noch. Julia Klöckner warnte kürzlich in der Rhein-Zeitung vor dem Ahrtal als „verlassenes Tal“, wenn keine Grundversorgung auf die Beine gestellt werde. Tatsächlich sehen derzeit viele Straßen wie die Geisterstädte aus Wild-West-Filmen aus. Etwa die Niederhutstraße in Ahrweiler kennt man tagsüber nicht so menschenleer, ebenso wenig den Platz an der Linde in Bad Neuenahr. Die Kreuzstraße sieht nach wie vor verheerend zerstört aus.

Auch recht aufgeräumte Straßen, wie die Jesuitenstraße, lassen bei näherem hinsehen nur erahnen, wo hier Schaufenster waren, wie gut das Essen schmeckte, wie gut man hier beraten wurde, wie viele Menschen ihren Lebensunterhalt hier verdienten.

Wenn man aber nur einen Fußmarsch weiter ein paar Fleißige bei ihrer Brotzeit genau vor dem Restaurant Ahr Vinum sitzen sieht, und diese sogar fröhlich lachen, dann kann man sich doch fast schon vorstellen, wie es einmal wieder sein könnte. Und auch die noch geschlossene Martin-Luther-Kirche, in der der Schlamm nach dem 14. Juli, und viele Tage danach noch, bis zu den Knien hoch stand, wird vielen Gläubigen bald wieder Hoffnung spenden.