Archivierter Artikel vom 06.06.2019, 16:06 Uhr
Adenau

Trotz Rock am Ring: Keine Schlange an der Kasse des Adenauer Rewe

Die Wartezeit an der Kasse des Adenauer Rewe-Markts beträgt zweieinhalb Stunden, doch schlecht gelaunt ist keiner an diesem Wochenende in den 1990er-Jahren. Rock am Ring bedeutete einst den Ausnahmezustand für den Supermarkt. Doch diese Zeiten sind lange vorbei.

Nicolaj MeyerLesezeit: 2 Minuten
An die Zeiten, als ihr Supermarkt noch ein Zentrum für die Festivalbesucher war, denkt Geschäftsführerin Melanie Koch gern schmunzelnd zurück.  Foto: Nicolaj Meyer
An die Zeiten, als ihr Supermarkt noch ein Zentrum für die Festivalbesucher war, denkt Geschäftsführerin Melanie Koch gern schmunzelnd zurück.
Foto: Nicolaj Meyer

So war es damals: Seniorchefin Elfriede Koch muss die Eingangstür schließen. Das Geschäft ist schon drückend voll. Immer wenn zehn Kunden fertig und raus sind, können die nächsten rein. „Alles aus der Belegschaft, das Beine hatte, ist dann in die wartenden Schlangen und hat Eis an die Kunden verteilt“, berichtet Melanie Koch. Sie ist seit 2011 Besitzerin und Geschäftsführerin des Adenauer Rewe-Markts.

Heute sieht es während des Festivals etwas anders aus. Denn seit 2017 gibt es bei Rock am Ring von Mittwoch bis Montag den Lidl-Rock-Store. Mehr als 350 Festivalartikel gibt es dort – und das zum günstigen Discounterpreis. Lidl wirbt damit: „Vor dem Festival einkaufen und schleppen? Geht gar nicht!“ Tatsächlich kann man sogar Bollerwagen dort mieten. Bierpaletten und Wasserflaschen türmen sich dort für die Bedürfnisse der Besucher. 2019 geht Lidl noch einen Schritt weiter: Gemeinsam mit BigFM und Energy bringt Lidl „die Bands von Morgen“ als Festival-Headliner auf die Lidl-Rock-Store-Stage.

Mit seinem Konzept hat Lidl scheinbar Erfolg. Menschenmassen trifft man im Adenauer Rewe am Rock-am-Ring-Wochenende nicht mehr an. Keine 1000 Dosen Ravioli, zehn Paletten H-Milch und 1000 Toastbrotpackungen mehr, die früher am Pfingstwochenende hier standen. Von einem Verlust von 5 Prozent Jahresumsatz spricht Koch.

2013 war Koch mit ein paar Mitarbeitern auf dem Rock-am-Ring-Gelände. Dort verkauften sie auf mitgebrachten Bierbänken einige Artikel. Gewinn gemacht habe sie damit nicht, aber es habe unglaublich viel Spaß gemacht, berichtet die 44-Jährige. Doch dann habe der Veranstalter ihr vorgeschrieben, dass sie etwa kein Wasser mehr verkaufen dürfe. Ab da an hätte es für sie keinen Sinn mehr ergeben. Groll hat sie deshalb und wegen der Lidl-Konkurrenz nicht. „Das ist Wettbewerb. Da ist keiner böse.“ Und sie ist wirklich ein großer Fan des seit 1984 stattfindenden Megaevents. Die Adenauerin berichtet, sie sei bestimmt 20-mal auf dem größten Festival Deutschlands gewesen. Dieses Jahr freut sie sich besonders auf die Punkrockband Die Ärzte. „Ich höre schon seit Wochen die alten Songs, damit ich sie dort mitsingen kann“, sagt sie mit großen Augen.

An die Zeiten, als ihr Supermarkt noch ein Zentrum für die Festivalbesucher war, denkt sie gern schmunzelnd zurück: Fast nackt kam damals ein junger Mann – er trug nichts außer einem Damenrock – in den Rewe in Adenau. Denn seine komplette Kleidung hatte er beim Festival verloren. Mit neuen Schuhen, Socken, T-Shirt, Unterhose und Sonnencreme ging er wieder aus dem Geschäft heraus. „Wir sind der Problemlöser vom Dienst“, sagt Melanie Koch, als sie die Anekdote erzählt.

Was sie an ihrem Job und am Festival so liebt, ist der Kontakt mit einem großen Querschnitt der Gesellschaft. Und in ihrem Rewe fühlt sich auch der eine oder andere Promi daheim. Die Ärzte seien noch nicht hier aufgekreuzt, dafür aber eher Stars aus der Rennsportszene, wie Hans-Joachim Stuck oder Klaus Ludwig, wie Koch erzählt.

Von unserem Redakteur
Nicolaj Meyer