Archivierter Artikel vom 08.06.2019, 21:14 Uhr
Nürburgring.

Technik trifft Trinkspiel: Selbstgebaute Maschine sorgt bei Festivalgruppe für große Begeisterung

Es ist der Traum eines jeden Festivalbesuchers, die Erfindung, die das Trinkspiel auf eine neue Stufe hebt: In nur vier Tagen haben Chris und Robert, Dauergäste bei Rock am Ring, eine Maschine kreiert, die einen alkoholgetränkten Abend in eine kleine Unterhaltungsshow verwandelt.

Stefan SchallesLesezeit: 3 Minuten

Keine Frage, die Erfindung zieht alle Blicke auf sich.
Keine Frage, die Erfindung zieht alle Blicke auf sich.
Foto: Stefan Schalles

Auf den ersten Blick wirkt die Apparatur der beiden Ingenieure wie eine schlichte Holzkiste, doch der Schein trügt. Als die Maschine am Samstag vorerst verstummt, liegen bereits zwei Tage nahezu pausenloser Einsatz hinter ihr. „Die Mofabatterie, die wir verbaut haben, ist leer. Wir dachten eigentlich, dass sie ein bisschen länger hält“, erklärt Chris (34) und lacht. Wie Robert (31) gehört auch er zu einer Gruppe aus Frankfurt, die bei Rock am Ring bereits das 14. Jahr in Folge ihr Lager aufschlägt.

Dass sich über einen solch langen Zeitraum gewisse Traditionen einstellen, ist verständlich. Wenn die Festivalfans aus der Mainmetropole zum Ring pilgern, haben sie für gewöhnlich eine Überraschung für die anderen Gruppenmitglieder im Gepäck. Der Brauch an sich klingt dabei noch harmlos, spätestens bei der Ausführung wird es jedoch kurios.

„In einem Jahr hatten wir eine Riesenspatzenschleuder dabei, mit der Wasserballons verschossen wurden, in einem anderen haben wir uns gegenseitig Gesichter und Arme eingegipst“, berichtet Chris und leitet gleich zur Trinkspielmaschine über, der neuesten Errungenschaft im Kabinett der Eigenarten. „Wir haben dieses Gerät komplett in Eigenarbeit zusammengebaut auf der Grundlage unserer Kenntnisse aus dem Studium. Vieles haben wir uns zudem in Foren angelesen“, sagt der 34-Jährige und verweist auf einen etwa 60 mal 40 Zentimeter großen Kasten.

Dessen Gehäuse besteht aus Holzplatten, die die beiden Ingenieure zurechtgeschnitten, verschraubt und anschließend mit einer Vielzahl von Stickern beklebt haben. Auf der Oberfläche befinden sich drei große und mehrere kleinere Knöpfe. Eindruck hinterlässt jedoch vor allem ein Blick ins Innenleben des Apparats: „Darin befinden sich ein Verstärker und Boxen, die wir aus einem alten Lederkoffer ausgebaut haben“, erklärt Chris. Hinzu kommt ein Bluetoothempfänger, über den man die Maschine mit einem Handy verbinden kann, beispielsweise um Musik zu hören.

Das Herzstück bildet derweil ein Minicomputer, der über eine eingelegte SD-Karte bis zu 60 Gigabyte Speicher bietet. „Bei dem PC handelt es sich um einen ,Raspberry Pi‘, über dessen Schnittstelle alle Knöpfe bedient werden können“, erklärt Chris. Das Programm, das die elektronische Ausgabe ermöglicht, haben Chris und Robert selbst geschrieben.

Stolzer Erfinder: Chris präsentiert die von ihm und einem Freund entworfene Maschine, die Trinkspielen jeglicher Art zusätzlichen Schwung verleiht.
Stolzer Erfinder: Chris präsentiert die von ihm und einem Freund entworfene Maschine, die Trinkspielen jeglicher Art zusätzlichen Schwung verleiht.
Foto: Stefan Schalles

„Betätigt man die Knöpfe, erklingt ein zugewiesener Ton: Bei Grün kommt ein Name, bei Gelb eine Aufgabe, bei Rot eine Beleidigung“, sagt der 34-Jährige. Ein denkbares Szenario wäre somit, dass einer der Freunde von dem Apparat aufgefordert wird, 30 Liegestütze zu absolvieren. Gelingt es ihm, müssen die anderen Mitspieler trinken – bevorzugt Jägermeister.

Dabei werden die großen Knöpfe in der Praxis allerdings so gut wie nie benutzt. Ganz im Gegensatz zu den kleineren, die nach der Aktivierung unter anderem in zufälliger Reihenfolge rund 200 Ärztesongs wiedergeben oder Filmzitate rezitieren – zur Unterhaltung, wie Chris erklärt.

Die wichtigste Funktion ist indes der Alles-oder-nichts-Knopf, dessen Beliebtheit in engem Zusammenhang mit dem Hauptzeitvertreib der Jungs aus Frankfurt steht: Denn die Festivalgruppe spielt – mehr oder weniger rund um die Uhr – Nageln. Heißt: Die Teilnehmer versuchen nacheinander, mit der dünnen Seite eines Hammers einen Nagel in einen Holzklotz zu schlagen.

Wer das Metall im Holz versenkt, bestraft seinen Vorgänger mit einem Glas Schnaps. „Doppelt oder nichts“ ist in diesem Zusammenhang natürlich die folgerichtige Frage. Und wer sie stellt, erhält von der Maschine prompt eine Antwort – in den meisten Fällen selbstverständlich jene, die die Steigerung des Alkoholkonsums begünstigt.

Doch ob nun doppelt oder nicht, nahezu jede Ausgabe der Maschine wird von der Gruppe euphorisch bejubelt, die ohnehin schon ausgelassene Stimmung durch deren Einsatz stetig erhellt.

Zwar wird auch nach dem Ausfall der Apparatur weiter genagelt, doch man wird den Eindruck nicht los, dass irgendetwas fehlt. „Wir müssen schauen, ob wir die Batterie vielleicht an einem der Aggregate wieder aufladen können“, sagt Chris. Der Dank seiner Mitstreiter wäre ihm in diesem Fall gewiss, denn bei der Festivalgruppe ist man sich einig: „Wir lieben diese Maschine.“