Archivierter Artikel vom 08.06.2019, 19:51 Uhr
Nürburgring

Arbeiten, wo andere feiern: Lisa Hermanns managt einen Bierstand auf dem Festivalgelände

Lisa schafft sieben, acht Bier in einer Minute. Nicht, sie zu trinken. Sie zu zapfen. Im Akkord lässt die 24-Jährige den Gerstensaft in die Plastikbecher fließen, während der Bierstand von durstigen Ringrockern belagert wird.

Anke MersmannLesezeit: 3 Minuten

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Um die kleine Frau mit dem blonden Zopf herum wuseln ihre Kollegen. „Machst du mir noch vier?“, heißt es kurz, Lisa zapft, reicht rüber, ist die Ruhe selbst – und hat nebenbei noch Zeit, mit der Presse zu sprechen. Über ihren Job an einem der Orte bei Rock am Ring, an denen so gut wie jeder der 85 000 durstigen Festivalgänger früher oder später stoppt: dem Doppelbierstand vor der Crater Stage.

Lisa Hermanns hat hier das Sagen. Sie ist Tresenchefin und leitet mit einem Kollegen ein 14-köpfiges Team. In Spitzenzeiten arbeiten sogar 18 Leute zeitgleich rund um die beiden Zapfanlagen. Ihre Mission: Getränke verkaufen. Vorrangig Bier. Und „AFG“, wie Lisa sagt. Alkoholfreie Getränke.

Dafür zu sorgen, dass beides aus den Leitungen perlt und möglichst effektiv an durstende Musikfans ausgeschenkt wird, ist Lisa Hermanns Aufgabe. Sie plant das Personal, organisiert die Abläufe im Stand, hat die Ware im Blick und ein Auge auf das Geld. Und wenn nötig, sprich wenn der Ansturm am größten ist, steht sie selbst am Zapfhahn. „Von da aus kann ich immer noch alles im Stand überblicken“, erzählt sie. Ihre Aussicht: zwei Zapfstationen mit diversen Hähnen, etliche Bierfässer auf dem Boden, volle wie leere, Türme voller Plastikbecher. Und jenseits des Tresens Dutzende Ring-Rocker, die darauf warten, mit dem frischen Pils anzustoßen. Hinter ihnen Massen von Fans, die in Richtung Crater Stage schieben, von der gerade harter Metal rüberschallt. Später am Abend wird der Andrang noch größer werden – vor der Bühne wie auch vor dem Bierstand. „Vor den Hauptacts ist es am heftigsten – während sie spielen, können wir quasi Pause machen“, erzählt die junge Frau.

Seit sechs Jahren arbeitet sie im Ausschank der Firma Schnakenberg Veranstaltungen aus Hannover, erst als Kassiererin, seit drei Jahren als Tresenchefin. Stadtfeste, Festivals, eben all jene Veranstaltungen, bei denen Getränkestände gefragt sind, ist Lisa Hermanns im Einsatz. Das Hannoveraner Unternehmen ist mit acht Bierständen auf dem Rock-am-Ring-Gelände vertreten, der von Lisa Hermanns gemanagte war im vergangenen Jahr der umsatzstärkste. Der Andrang war riesig, das warme Wetter machte Lust auf Kühles im Becher. 70 Fässer – jedes fasst 50 Liter – wurden damals an einem Tag getrunken. „Das ist schon einiges“, sagt Hermanns.

Zeit zum Däumchendrehen ist auch bei diesem Festival nicht, – sowieso ist der größte Trubel Lisa Hermanns am liebsten. „Wenn es voll ist, macht mir das am meisten Spaß. Wir sind ein tolles Team, haben eine entspannte Arbeitsatmosphäre – und die Gäste sind nett. Überwiegend jedenfalls“, sagt sie und lacht. Wirklich ausfällig werde selten einer, mag das ein oder andere Bier noch so sehr zu Kopf gestiegen sein. „Und wenn mal einer schlechte Laune rauslässt, dann ist das so“, sagt sie. Ihr Schulterzucken verrät ihre Erfahrung und Gelassenheit gleichermaßen. Kein Grund zur Aufregung.

Lisa Hermanns schaut lieber auf den Spaß, den ihre Arbeit bringt. „Der Umgang mit Menschen, Planung, Organisation – das liegt mir einfach.“ Ihre Nerven strapazieren kann eigentlich nur das Wetter. Regen ist noch nicht einmal so schlimm, der Bierstand ist überdacht. Starker Wind aber, so wie er bei diesem Rock am Ring lange heftig weht, fordert Lisa und ihre Kollegen. „Durch den Stand pfeift es kräftig“, sagt sie. Was hilft? Warme Klamotten – und Trubel.