Archivierter Artikel vom 06.01.2016, 18:58 Uhr
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Wo Sterbende den Mut zu leben finden

Wenn dieser Bericht erscheint, lebt Christine Bingler vielleicht nicht mehr. Der Knochenkrebs hat sich durch den Körper der 53-jährigen Neuwiederin gefressen. An diesem Morgen, kurz vor Weihnachten, aber sitzt sie in ihrem Rollstuhl und schaut aus dem Fenster des achten Stocks im Evangelischen Stift. Ihr Körper ist aufgedunsen vom Kortison. Die Haare sind nach der letzten Chemo gerade erst zart wieder zurückgekommen. Helfen konnte ihr die Therapie nicht mehr. Die Metastasen haben nicht nur etliche Lendenwirbel zerstört, sondern sich in ihrem ganzen Körper ausgebreitet. Christine Bingler wird sterben. Bald. Sehr bald. „Ich bin ein Freund aktiver Sterbehilfe“, sagt sie. Jeder Mensch sollte das Recht haben, bis zum Schluss Verantwortung über das eigene Leben zu tragen – und zu bestimmen, „wann es genug ist.“ Trotzdem will Christine Bingler ihren Lebensweg bis zum natürlichen Tod zu Ende gehen. „Weil es mithilfe der Palliativmediziner hier im Stift auch jetzt noch ein lebenswertes Leben ist.“

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