Archivierter Artikel vom 16.07.2021, 11:30 Uhr
Kreis MYK/Koblenz

Starkregen und Hochwasser: Koblenz und Region verschont, Mayen kämpft

Das Unwetter hat um Koblenz mehr oder weniger einen Bogen gemacht und im Kreis MYK zumindest nicht die schlimmen Dimensionen wie im Kreis Ahrweiler erreicht, wo es etliche Todesfälle gab. Doch auch in Mayen-Koblenz ist die Lage an vielen Orten angespannt. Auf der Integrierten Leitstelle bei der Koblenzer Berufsfeuerwehr laufen all diese Fäden zusammen – und das waren schreckliche Szenen, die sich da vor allem in der Nacht zu Donnerstag abspielten.

Landwirt Paul Hermann Floeck kann jetzt wieder zu seinem Gehöft gelangen, die Brücke war zeitweise überschwemmt.

Heinz Israel

Die Mosel schwillt an. Die Unterführung und Ortszufahrt nach Kobern-Gondorf unter der B 416 und das Moselvorgelände sind seit Donnerstag überflutet.

Erwin Siebenborn

In Neuendorf ist die Hochwasserschutzwand durch Feuerwehrkräfte aufgebaut worden.

Doris Schneider

In Mayen haben in der Bürresheimer Straße und in der Bachstraße die Aufräumarbeiten begonnen, die Gerberstraße war noch mit Wasser und Schlamm bedeckt.

Brost

In der VG Maifeld setzte die Nette den Reiterhof Trimbser Mühle unter Wasser. 50 Pferde mussten gerettet werden.

Martin Boldt

Denn Tausende von Notrufen gingen hier ein, berichtet Olaf Becker von der Feuerwehr, der wie viele andere seiner Kollegen am Donnerstagmittag schon seit viel mehr als 30 Stunden im Einsatz ist und mit seiner Einheit die letzten Lücken in der Hochwasserschutzwand in Neuendorf schließt. „Die Kollegen in der Leitstelle haben Schreckliches erlebt. Sie haben am Telefon gehört, wie Menschen starben.“ Etliche der Anrufe seien abgebrochen, bevor die Menschen in Not sagen konnten, an welcher Regenrinne sie hängen, auf welchem Dach sie sich in Sicherheit gebracht haben. Dass in weiten Teilen des Unwettergebiets der Strom ausfiel, sorgte auch dafür, dass auch die Kommunikation unter den Helfern schwierig war. Ab Mitternacht sei der Notfallseelsorger bei den Mitarbeitern der Leitstelle gewesen, die durch sechs Kollegen aus Ludwigshafen verstärkt wurden, berichtet Becker. „Aber man steht erst mal so unter Strom, das kommt später, wenn Ruhe ist.“ An Ruhe war aber lange nicht zu denken, weder in der Integrierten Leitstelle selbst noch bei den Feuerwehren in Koblenz, Mayen-Koblenz, Bad Neuenahr-Ahrweiler und Kreis Cochem-Zell, die von der Leitstelle aus gesteuert werden. „Heute Morgen um 6 Uhr hatten wir gleichzeitig 2000 Einsätze.“

In Koblenz ist am Donnerstag das Peter-Altmeier-Ufer für den Verkehr wegen der Hochwassergefahr gesperrt worden. Die Feuerwehr Koblenz befindet sich seit Mittwochmorgen im Hochwasser-Dauereinsatz. Nachdem zunächst mit den vorbereitenden Maßnahmen sowie dem Aufbau der Hochwasserschutzwand in Neuendorf begonnen wurde, sind die Einsatzkräfte seit Mittwochabend auch im vom Starkregen besonders betroffenen Landkreis Ahrweiler mit weiteren Hilfsorganisationen aus Koblenz wie Malteser, DRK und THW vor Ort. „Wir unterstützen mit dem kompletten Portfolio“, erklärte Florian Bischoff von der Berufsfeuerwehr Koblenz am Donnerstag auf RZ-Anfrage. So sind beispielsweise die Wasserrettung sowie verschiedene Bereitschaftszüge im Einsatz. Ein Ende der Koblenzer Unterstützung im Kreis Ahrweiler war am Donnerstag zunächst nicht abzusehen.

Neben der überörtlichen Hilfe gingen am Donnerstag auch die Hochwasser-Vorbereitungen in Koblenz selbst weiter, wie die Feuerwehr auf Anfrage erklärte. So wurde die Aufbaueinheit 2, die sich bis zum Sportplatz am Schartwiesenweg im Stadtteil Neuendorf erstreckt, fertig aufgebaut. Aufgrund des steigenden Moselpegels wurde im Laufe des Donnerstagnachmittags das Peter-Altmeier-Ufer in Teilen für den Durchgangsverkehr gesperrt. Die Feuerwehr rechnet mit einem Wasserhöchststand von 7 Metern am Freitagmorgen am Pegel Koblenz.

Auch Bendorf ist von größeren Schäden verschont geblieben, sagt Stadtsprecherin Theresa Artzdorf. Man schaue allerdings ins nahe Mayen, so Bürgermeister Christoph Mohr, und organisiere Hilfe. Auch die Feuerwehr in Weißenthurm hat gut zu tun. Das Verbandsgemeindegebiet sei verschont geblieben, sagt Sprecherin Katharina Demleitner, die Einsatzkräfte würden aber in den nahen Regionen Hilfe leisten.

Die Verbandsgemeinde Vallendar ist diesmal ebenfalls glimpflich durch die Unwetternacht gekommen. Das sagt Peter Gruschinski, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, in Vertretung des Verbandsgemeindebürgermeisters Fred Pretz. Vor einigen Tagen war es vor allem rund um den Mallendarer Berg nach Starkregen zu heftigen Problemen gekommen (wir berichteten), die sind diesmal ausgeblieben, sagt Gruschinski. Am Donnerstagvormittag hat sich auch der Rhein noch in seinem Bett gehalten, trotzdem sei die VG in Bereitschaft. Vorsorglich sind Parkplätze am Rhein gesperrt worden. Der Vallendarer Blick ist nicht nur auf den Rhein gerichtet, sondern auch auf die Mosel. Es spiele auch eine Rolle, so Gruschinski, wie sie das Wasser in Richtung Verbandsgemeindegebiet drücke.

An der Mosel in Kobern-Gondorf (Verbandsgemeinde Rhein-Mosel) sind die Unterführung und die Ortszufahrt unter der B 416 bereits seit Mittwochabend überflutet. Größere Probleme gibt es in der VG noch nicht, sagt VG-Bürgermeister Bruno Seibeld am Donnerstagnachmittag. Trotzdem stelle man sich auf ein Hochwasser ein, das die Ausmaße von 2003 annehmen könnte. Seibeld: „Wir hoffen aber, dass es darunter bleibt.“

Zwischen Bad Breisig und Remagen wurde die Bundesstraße 9/Ahrbrücke Sinzig gesperrt. Das teilt der Landesbetrieb Mobilität mit. Grund seien Unterspülungen der Unterbauten.

In und um Mayen hat sich ein anderes Bild geboten: Das Nette-Hochwasser hat die Mayener Innenstadt in einen Ausnahmezustand versetzt. Einige Straßen entlang der Nette waren am Donnerstag lange ohne Strom. Zwei Schulen blieben geschlossen. Ursächlich für das plötzliche Hochwasser waren laut Jasmin Alter, der Sprecherin der Stadt, zwei Faktoren: gut 120 Liter Regen, die am Mittwoch fielen, und der Nitzbach, der enorm viel Wasser aus der Eifel transportierte. Der Stadtteil Nitztal war zeitweise nicht erreichbar.

Von einem Rekordhochwasser spricht man in Monreal. Hier hatte sich am Mittwoch die Elz in einen reißenden Strom verwandelt. „Wir haben vermutlich zehn Tonnen Sand verteilt“, schätzt Michael Braun, stellvertretender Wehrführer. Mehrere Häuser sind unbewohnbar. Dramatische Szenen, bei denen eine Person leicht verletzt wird, spielen sich in der Nacht auch in Trimbs ab, wo die Nette den Reiterhof Trimbser Mühle von Rudd Hoex binnen weniger Minuten unter Wasser setzt. „Alles ging ultraschnell“, berichtet Mitarbeiterin Doris Braun. „Rund 50 Pferde, darunter auch zwei Fohlen, mussten wir da rausholen.“ Die Gefahr, der sie sich und die Helfer ausgesetzt haben, wird ihr erst später bewusst. „Und wie in einem schlechten Film fielen dann auch noch der Strom und das Licht aus.“

dos/dsf/bro/mbo