Archivierter Artikel vom 01.02.2017, 18:30 Uhr
Rhens

Rhenser Mineralbrunnen: Amtsgericht eröffnet Insolvenzverfahren

Das Amtsgericht Koblenz hat am Mittwoch um 9 Uhr das Insolvenzverfahren gegen die Firma Rhenser Mineralbrunnen eröffnet.

Der Firmensitz in Remagen.
Der Firmensitz in Remagen.
Foto: Sascha Ditscher

Die Verhandlungen über den Verkauf des Traditionsunternehmens laufen derweil weiter. Geschäftsführer Holger Sieck und der als Sachwalter eingesetzte Anwalt Jens Lieser wurden vom Gläubigerausschuss in ihrem Kurs bestätigt.

Bereits 1577 beschrieb ein Nürnberger Großkaufmann einen „Sauerbrunnen“ in Rhens. 1584 wurde außerdem in einem Buch „New-Wasserschatz“ vom Wormser Arzt und Bäderschriftsteller Jakobus Tabernaemontanus der Brunnen erwähnt.

J. Forg IGL-Bilddatenbank

Bei einem „Jahrtausendhochwasser“ 1784 wurde die Quelle zugeschüttet und ging zunächst verloren. Im „Rheinischen Antiquarius“ war jedoch glücklicherweise die genaue Lage des „Heilborn“ nahe dem Königsstuhl geschildert. Erst im Jahr 1857 erinnerte man sich wieder daran und konnte die Mineralquelle wieder freilegen.

Heinrich Schwarz, Abteilungsbaumeister bei der Rheinischen Eisenbahngesellschaft, kaufte im Jahr 1862 die Quelle und das dazugehörige Gelände – für 275 Taler. Acht Jahre später wurden jährlich 30.000 Tonkrüge in Weidenkörbe verpackt und abgesetzt.

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So sahen Mineralwasserflaschen im 19. Jahrhundert aus. Abgebildet ist das Stadtwappen von Rhens, darunter steht „Rhenser Mineralbrunnen. Rhens a. Rhein. Deutschland. Germany.“ 500.000 Gefäße wurden im Jahr 1880 abgesetzt. Drei Jahre später ging die Firma an den Bergwerksbesitzer Victor Meyer und seine beiden Söhne Fritz und Carl Meyer über.

Der Rhenser Königsstuhl war im späten 18. Jahrhundert ein Wahrzeichen nahe der Quelle. 1902 sorgten die Rhenser mit einem Großmodell des Königsstuhls auf einer Gewerbeausstellung in Düsseldorf für Aufsehen.

Johann Ziegler (1750-1812)

„Rhenser – das führende deutsche Mineralwasser“. So las sich sich Werbung in den 1920er Jahren. Das emaillierte Schild wurde 2009 für 130 Euro zum Kauf angeboten.

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Im Jahr 1922 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft verwandelt. 100 Reichsmark war diese Aktie der Rhenser Mineralbrunnen im Jahr 1928 wert.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Betriebsgebäude, Maschinen und Geschäftsausstattung sowie zwei eigene Rheinschiffe zerstört. Es galt, das Geschäft neu aufzubauen.

Rhenser Mineralbrunnen

Einer der ersten Artikel in unserer Zeitung: Hauptversammlung vom 28. September 1946.

Unter dem Namen „Die blauen Quellen“ wurde nach 1949 für die Mineralwässer des Unternehmens geworben.

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Ein Artikel aus unserer Wirtschaftsbeilage von 1953: Damals verschickte Rhenser Mineralbrunnen innerhalb von 60 Jahren 550 Millionen Flaschen in alle Länder.

1958 war der Rhenser Mineralbrunnen auf der Weltausstellung in Brüssel vertreten – Zeichen einer erfolgreichen Expansion.

1974 wurde die Blaue Quellen AG und damit auch die Rhenser Mineralbrunnen vom Schweizer Konzern Nestlé übernommen. Erst 2006 wurde das Unternehmen wieder eingeständig – durch einen sogenannten Managment Buyout der Nestlé-Vorstände Hans-Achim Daschmann und Egon Heckmann.

Rhenser Unternehmen verzeichnet 1981 beachtliche Zuwächse.

Juni 1986: Die Rhenser Mineralbrunnen AG erweitert ihre Kapazitäten mit einer neuen Produktionsstätte.

Flaschenreinigung im neuen Abfülltrakt im Jahr 1987

1989 stieß Rhenser Mineralbrunnen auf eine neue Quelle. Seit diesem Tag wurde das neugewonnene Mineralwasser aus zwei Quellen gefördert.

Seit März 2006 wurde es durch eine moderne Hochleistungs-Füllanlage möglich, auch PET-Mehrwegflaschen abzufüllen. Eine der angebotenen Getränkesorten: „Silvetta Sport Iso Blutorange“.

Rhenser Mineralbrunnen

Ein aktueller Auszug aus dem Unternehmensregister: Rhenser Mineralbrunnen hat einen Insolvenzantrag gestellt.

„Der Gläubigerausschuss hat die Verhandlungen, die wir führen, positiv bewertet und steht hinter unserer Vorgehensweise“, erklärte Sieck am Mittwochabend nach einem Treffen mit dem Ausschuss. Eine Prognose, wann es zu einem positiven Abschluss kommen könnte, will er zum aktuellen Zeitpunkt nicht geben. Auf das operative Geschäft hat die Eröffnung des Insolvenzverfahrens keine Auswirkungen, betonte Lieser am Dienstag in einem Gespräch mit der RZ. Die Gehälter der 120 Mitarbeiter, die bislang von der Agentur für Arbeit übernommen wurden, werden nun aus der Insolvenzmasse bezahlt. Die wirtschaftlichen Probleme führt das Unternehmen auf die Umgestaltung des Werkes vor circa einem Jahr zurück.

vos

Traditionsreiche Firma

Die Geschichte des Rhenser Mineralbrunnens reicht zurück bis ins Mittelalter. Die älteste Urkunde ist das Tagebuch eines Nürnberger Großkaufmanns aus dem Jahre 1577, der auf einer seiner vielen Studienreisen auch durch Rhens kam und den „Sauerbrunnen“ beschrieb. Eine zweite Urkunde über den Mineralbrunnen hinterließ der bekannte Wormser Arzt und Bäderschriftsteller Jakobus Theodorus Tabernaemontanus. In seinem im Jahre 1584 erschienenen Buch „New-Wasserschatz“ beschrieb er die romantische Lage des Brunnens und seine Wirksamkeit. 1862 begann die industrielle Verwertung

Quelle: www.rhenser.de

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