Archivierter Artikel vom 24.06.2017, 15:49 Uhr
Koblenz

Musikalisch zum Wahlerfolg

Polit-Hits: Warum Bürgermeisterkandidaten jetzt nicht mehr ohne Lieder auskommen

Von Volker Schmidt
Die Seilbahn hat OB-Kandidat Torsten Schupp zum Wahlkampfthema gemacht. Das beschert ihm nun sogar ein Lied. Foto: Sascha Ditscher
Die Seilbahn hat OB-Kandidat Torsten Schupp zum Wahlkampfthema gemacht. Das beschert ihm nun sogar ein Lied.
Foto: Sascha Ditscher

Musik und Politik? Ob das wirklich zusammenpasst, darüber diskutiert man schon lange. Ich finde, dass sich das super ergänzt. Und ich finde, es ist höchste Zeit, dass Musiker mit ihren Texten nicht nur den Weltfrieden fordern, sondern auch lokalpolitische Themen angehen. Schlagersänger Guido Klöckner hat es jetzt vorgemacht und die Forderung nach einem Seilbahnnetz für Koblenz von OB-Kandidat Torsten Schupp, Freunden der leichten Unterhaltung auch als Torty de Banana bekannt, aufgegriffen. „Torty, bau uns eine Seilbahn!“, singt der Vallendarer. Ich bin mir sicher, das wird ein Erfolgskonzept. Denn so können sich die Wähler jetzt genau einprägen, wofür Schupp steht. Und ich bin mir sicher, dass der ein oder andere am Wahltag in der Kabine steht und unterbewusst „Torty, bau mir eine Seilbahn!“ vor sich hinsingt. Und schwupp ist das Kreuz an der richtigen Stelle – aus Tortys Sicht jedenfalls.

Höchste Zeit also auch für die anderen Kandidaten, sich Gedanken zu machen, wollen sie verhindern, dass ihnen Schupp mit musikalischer Unterstützung ordentlich Stimmen abjagt. Doch dafür benötigt es erst mal einer kernigen Aussage. Wofür steht denn noch mal Bert Flöck? Ach ja, er und sein Spaten ... Kaum ein erster Spatenstich, bei dem er nicht in Aktion tritt. Der Mann kann anpacken. Und wer kann noch anpacken? Klar: Bob, der Baumeister. Und Bob und Bert – das fängt beides mit B an, und beide Namen sind kurz. Warum also nicht auf bestehendes Liedgut zurückgreifen. Die für den Wahlkampf modifizierte Fassung des „Bob, der Baumeister“-Titelsongs könnte also ungefähr so gehen: „Bauarbeiter: Können wir das schaffen? Bert, der Meister: Yo, wir schaffen das!“ Das hat was.

Und David Langner? Hm, der Mann wirkt smart, weltgewandt, ist als Staatssekretär ständig auf Achse ... Vielleicht etwas Englisches? Davids werden in Amerika ja meist Dave genannt, eine andere Kurzform ist aber auch Davy. Und da zucken die Oldie-Fans natürlich schon zusammen und denken an den Manfred-Mann-Klassiker „Davy's on the Road again“. Also: „David ist wieder unterwegs“. Das passt. Um die Ausarbeitung müssen sich aber andere kümmern. Schließlich will man ja auch wissen, wohin er unterwegs ist. Für solche Details habe ich gerade keine Zeit.

Anwenden lässt sich das natürlich nicht nur auf die OB-Wahl. Auch in der Verbandsgemeinde Weißenthurm wird ja in absehbarer Zeit ein neuer Bürgermeister gewählt. Klarer Favorit auf die Nachfolge von Georg Hollmann dürfte dessen hauptamtlicher Beigeordneter Thomas Przybylla sein. Doch damit der offizielle CDU-Kandidat seine Chancen nicht verspielt, muss auch er noch mal ran, befürchte ich. Und da kommt ihm ein anvisiertes Projekt entgegen: der Nachbau von Cäsars Brücke, der als Touristenattraktion am Weißenthurmer Rheinufer entstehen soll, also gar nicht auf die andere Seite führt. Und was liegt da näher, als der Brückensong überhaupt. In Abwandlung des alten Karatklassikers könnte es also lauten: „Über Cäsars Brücke musst du gehn, wirst das andere Ufer niemals sehen, willst Du stets weit, weit vorne sein, dann muss Thomas Bürgermeister sein.“ Ja, ich denke die Wahl ist gelaufen.

E-Mail: volker.schmidt@ rhein-zeitung.net