Archivierter Artikel vom 01.11.2018, 16:29 Uhr
Koblenz

Koblenzer Symbol der Macht: Dieser Schlüssel schließt nicht und ist doch wichtig

In der Nacht zum 1. Mai, zu seiner Amtsübergabe, hat Oberbürgermeister David Langner den Stadtschlüssel von seinem Vorgänger Joachim Hofmann-Göttig überreicht bekommen. Und auch bei der alljährlichen Eroberung der Stadt durch die karnevalistischen Regenten spielt er eine tragende Rolle: Der Stadtschlüssel ist ein wichtiges Symbol der Macht.

Goldschmiedin Chantal Theisen hält den neuen, von ihr gefertigten Stadtschlüssel in den Händen, sein Vorgänger wandert jetzt ins Musuem: Rund drei Wochen hat die 23-Jährige an dem Stück gearbeitet.
Goldschmiedin Chantal Theisen hält den neuen, von ihr gefertigten Stadtschlüssel in den Händen, sein Vorgänger wandert jetzt ins Musuem: Rund drei Wochen hat die 23-Jährige an dem Stück gearbeitet.
Foto: Sascha Ditscher

Dabei ist er nicht für die Ewigkeit gemacht: Etwa alle zehn Jahre löst ein neuer Schlüssel den alten ab, der dann ins Museum wandert. Goldschmiedin Chantale Theisen hat gerade den neuesten, noch jungfräulichen Schlüssel angefertigt. Das hat Spaß gemacht, sagt die 23-Jährige, die bei Juwelier Hofacker gelernt hat und jetzt als Gesellin dort arbeitet.

Etwa drei Wochen hat sie an dem Schlüssel aus Messing und Bronze gearbeitet, hat gesägt, gefeilt, gelötet und poliert. Im Grunde sind es Tätigkeiten, die eher zur Arbeit von Silberschmieden gehören als von Goldschmieden, erklärt Seniorchef Evert Hofacker. Denn entgegen landläufiger Meinung bezieht sich die Berufsbezeichnung nicht auf den Werkstoff, sondern auf die Tätigkeit: Während die Goldschmiede vor allem Feinschmiede sind, die Schmuck herstellen oder reparieren, fertigen die Silberschmiede vergleichsweise grobe Dinge wie Schüsseln, Platten, Tee- und Kaffeekannen, Besteck oder Ähnliches an, Gegenstände für den Gebrauch in Kirchen und vieles andere mehr.

Oder eben Schlüssel. Schon seit Jahrzehnten lässt die Stadt Koblenz Stadtschlüssel anfertigen – und mindestens schon seit 30 Jahren bei Juwelier Hofacker, berichtet Birgit Hofacker stolz. In diesem Jahr durfte die junge Gesellin Chantale Theisen unter der Leitung von Goldschmiedemeister Guido Stroh die Fertigung übernehmen. Der Fantasie sind dabei zwar ganz enge Grenzen gesetzt, weil es genaue Vorgaben gibt, wie der Schlüssel auszusehen hat – der neue ähnelt dem alten wie ein Ei dem anderen. Aber die Arbeit ist doch etwas Besonderes, sagt die junge Goldschmiedin.

Auch körperlich, denn die Teile sind natürlich erheblich schwerer als ein Ring oder ein Kettenanhänger. Alle Einzelteile des Schlüssels hat die junge Mayenerin an ihrem Arbeitsplatz in der Werkstatt separat bearbeitet. In die sogenannte Reite, das runde Ende des Schlüssels, wird später das Stadtwappen eingelassen, aus einem Kreuz aus Bronze und einer Krone aus Messing, die dien junge Frau anfertigt. Im Schlüsselbart sind Weinlaub und Trauben zu sehen, die in mühsamer Kleinarbeit akribisch hineingesägt, gefeilt und poliert werden. Und dann kommt das Schwierigste: Alle Einzelteile werden mit sehr hohen Temperaturen zusammengelötet. Knifflig, bis alles exakt zusammenpasst. Ein besonderer Lack komplettiert das Ergebnis.

Rund drei Wochen hat die Goldschmiedin an dem Schlüssel gearbeitet, die etwa 2500 Euro, die die Stadt dafür bezahlt, sind in gewisser Weise ein Sonderpreis, sagt Birgit Hofacker und schmunzelt. Denn der Familienbetrieb sieht es durchaus als eine Ehre an, den Schlüssel herstellen zu dürfen. Seine Vorgänger lagern übrigens im Fastnachtsmuseum, die sogenannten Halme sind vollgeschrieben mit den Namen der närrischen Regenten – „die werden übrigens immer länger, es passen also bald weniger drauf“, sagt Birgit Hofacker lachend. Auch die Beschriftung wird immer in der Werkstatt der Hofackers übernommen, mit einer Graviermaschine, die sozusagen die Schrift überträgt von groß auf klein. Welcher Name als erster auf dem neuen Schlüssel stehen wird, wer die Narren in dieser Session regieren wird, ist noch ein Geheimnis: Die Tollitäten werden heute Abend vorgestellt.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider