Koblenz

Drei Aktionstage in Koblenz: Polizei startet Kampagne gegen Betrüger

Enkeltrick, „falsche Polizisten“, Schockanrufe, angebliche Microsoft-Mitarbeiter: Mit diesen Maschen erbeuten Verbrecher nach wie vor sehr viel Geld – auch bei Opfern in Koblenz und der Region. Die Dunkelziffer ist zudem enorm hoch. Viele Opfer trauen sich aus Scham nicht, sich bei der Polizei zu melden. Das Polizeipräsidium Koblenz will den Verbrechern jetzt mit Aufklärungsarbeit vor Ort am Löhrrondell entgegentreten.

Mit einer mehrtägigen Aktionskampagne in der Stadt sagt die Polizei auch Enkeltrick-Betrügern den Kampf an.  Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Mit einer mehrtägigen Aktionskampagne in der Stadt sagt die Polizei auch Enkeltrick-Betrügern den Kampf an. Symbol
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Aktionsstand wird in Kooperation mit der Stadt Koblenz an drei Tagen aufgebaut: am Mittwoch und Freitag (10 bis 17 Uhr) und Samstag (10 bis 15 Uhr). Experten aus den Fachkommissariaten der Kriminaldirektion, dem Präventionszentrum sowie Seniorensicherheitsberater und Mitarbeiter der Stadt Koblenz stehen den Menschen als Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung. Die Fachleute klären über die vielen Betrugsmaschen auf.

Offenes Ohr für Fragen und Anliegen

Sie haben ein offenes Ohr für Fragen und Anliegen – und einen Appell, der ihnen auf dem Herzen liegt: „Wenn Sie unter einer solchen Legende angerufen werden, geben Sie keine Daten zu Ihren finanziellen oder persönlichen Verhältnissen am Telefon preis. Seien Sie misstrauisch, ob es sich wirklich um einen Verwandten handelt. Im Zweifelsfall legen Sie auf und rufen Sie den Angehörigen proaktiv auf seiner regulären Telefonnummer zurück.“

Und weiter: „Wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt und sich der Anrufer etwa als Polizeibeamter ausgibt: Rufen Sie die echte Polizeidienststelle an oder wählen Sie direkt den Notruf.“ Die „echte“ Polizei sei immer erreichbar. Wenn man bereits Opfer eines solchen Betrugs geworden sei, solle man die Tat unbedingt bei der Polizei anzeigen.

Zielgruppe der Präventionswoche sind nicht nur mögliche Opfer, sondern auch das Umfeld von Senioren: also Kinder, Enkel, Freunde, Bekannte, Bankmitarbeiter, Taxifahrer, Mitarbeiter von Arztpraxen und damit praktisch jeder, der von so einem Betrugsversuch Kenntnis erlangen und mithelfen könnte, um diesen zu unterbinden.

200 vollendete Fälle in Rheinland-Pfalz

Denn: Laut Polizeipräsidium meldete das Landeskriminalamt 2021 allein für Rheinland-Pfalz mehr als 200 vollendete Fälle des Call-Center-Betrugs. 2,5 Millionen Euro erbeuteten allein „falsche Polizeibeamten“. Immer noch gelingt es den Tätern, das Vertrauen ihrer Opfer zu erlangen, in dem sie sich als Polizisten ausgeben. Die bewährte Geschichte der Einbrecherbande, die in der Wohngegend der Geschädigten unterwegs sei, schürt die Angst der Opfer. Aus Verunsicherung werden Geld und Wertgegenstände vermeintlich „in amtliche Verwahrung“ gegeben.

Längst geben sich die Täter nicht mehr nur als Polizeibeamte aus. Immer höhere Anteile laut Polizei nehmen die Enkeltrickbetrugsmasche und Schockanrufe ein. Hier findet ein besonders perfider Mix der Phänomene statt: Es meldet sich meist eine männliche oder weibliche Stimme mit den Worten „Hallo Oma, ich bin’s“ oder „Rate mal, wer hier spricht“. Der Täter gibt sich als Enkel aus, um deren Vertrauen zu gewinnen.

Diese bitten kurzfristig um Bargeld, oft werden teils dramatische Sachverhalte geschildert – etwa ein schwerer Verkehrsunfall oder eine andere Notlage, aus der der Enkel finanziell gerettet werden muss. Die Opfer werden auch durch wiederholte Anrufe letztlich stundenlangem telefonischen Kontakt unter Druck gesetzt, dass sie Bargeld in bis zu sechsstelliger Höhe an Abholer übergeben. Oder durch wechselnde Gesprächspartner, die sich als unterschiedliche Behördenträger ausgeben.

Neben diesen Legenden, die den intimen Lebensbereich der Opfer betreffen, werden andere Maschen wie der falsche Microsoft-Mitarbeiter immer populärer. Hier wird den Geschädigten in meist schlechtem Englisch oder bruchstückhaftem Deutsch vorgegaukelt, dass der Computer mit einem Virus gehackt worden wäre und nun eine Fernwartungssoftware installiert sowie persönliche Bank- und Personalausweisdaten herausgegeben werden müssten, um die PC-Probleme zu lösen. Mit der Software haben die Täter vollständigen Zugriff auf den Computer und können so auch Überweisungen tätigen.

Neues Phänomen des WhatsApp-Betrugs

Noch relativ neu ist laut Polizei das Phänomen des WhatsApp-Betrugs. In dem Fall wird den Opfern unter einer unbekannten Nummer im Messenger-Dienst eine Nachricht hinterlassen, dass der Angehörige eine neue Telefonnummer habe, die der Geschädigte einspeichern soll. Die Aufforderung steht dabei immer im Zusammenhang mit Geldforderungen.

Der psychologische Aspekt des Betrugsphänomens darf laut Polizei nicht außer Acht gelassen werden. Die Geschädigten würden durch geschickte Gesprächsführung und Aufbauen psychischen Drucks in enorme Aufregung und Sorge um die nächsten Angehörigen oder ihr Geld versetzt. Nur um am Ende festzustellen, dass sie um ihre Lebensersparnisse gebracht wurden.

Die Zahl der Anrufe nimmt nicht ab, sondern stetig zu. Der Erfolg bestärkt die Täter in ihrem Tun. Allein in den vergangenen Monaten musste das Polizeipräsidium Koblenz unzählige Male vor Telefonbetrügern warnen, die ihre Opfer meist über das Telefonbuch finden. Erst Anfang Juni überwies eine Geschädigte in Höhr-Grenzhausen den vermeintlichen Microsoft-Mitarbeitern 40.000 Euro, um das Geld angeblich vor russischen Hackern in Sicherheit zu bringen. Längst kein Einzelfall mehr. red