Archivierter Artikel vom 13.05.2021, 12:44 Uhr
Koblenz

Diskussionsrunde zur Uni Koblenz: Wirtschaft fordert verbindliche Aussagen

Noch in diesem Jahr werden die Universitätsstandorte Koblenz und Landau einen Trennungsvertrag aushandeln und damit auch eine vernünftige Aufteilung der Ressourcen vornehmen. Das gab Wissenschaftsstaatssekretär Denis Alt bei einer Podiumsrunde bekannt, zu der die RZ und TV Mittelrhein eingeladen hatten. Bei der live übertragenen Diskussion im Actionlight-Studio in Urmitz wurde deutlich, dass die Repräsentanten der Wirtschaft mit dieser Nachricht allein nicht glücklich sind. Sie wollen, dass für den Norden des Landes endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Von Reinhard Kallenbach

In der Live-Runde disktuierten (von links): Peter Burger, Denis Alt, Thomas Brahm, Matthias Nester, David Langner und Christian Opitz
In der Live-Runde disktuierten (von links): Peter Burger, Denis Alt, Thomas Brahm, Matthias Nester, David Langner und Christian Opitz
Foto: Sascha Ditscher

Die Runde zeigte: Der Gesprächsbedarf ist nach wie vor groß, die Zeit bis zur Verselbstständigung des Universitätsstandortes Koblenz zum Stichtag 1. Januar 2023 wird allmählich knapp. Dennoch fehlen immer noch finale Aussagen zur Struktur und Finanzierung. Doch genau diese brauchen nicht nur die großen Arbeitgeber, sondern auch die Gründer, die vor allem im Bereich der Informationstechnologie erfolgreich sind. Nicht umsonst drängten Thomas Brahm (Debeka) und Matthias Nester (Sparkasse) auf lang- und mittelfristige Planbarkeit.

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Die Zukunft des Hochschulstandortes Koblenz steht im Mittelpunkt unserer Podiumsdiskussion.

Die beiden Vorstandschefs waren nicht nur in eigener Sache unterwegs, sondern auch als Repräsentanten der Regionalmarketinggesellschaft Region56+ sowie der Wirtschafts- und Wissenschaft Koblenz. Trotz ihrer Freundlichkeit war auch Ungeduld zu spüren. Ob es Misstöne zwischen Wirtschaft und Wissenschaftsministerium gibt? Denis Alt verneinte dies, er würdigte das besonders starke Engagement der Öffentlichkeit für die Hochschulregion sogar als Alleinstellungsmerkmal. Dennoch stellte er klar, dass es trotz aller Begehrlichkeiten in Bereichen wie Informatik, Naturwissenschaften und Gesundheit in Koblenz weiterhin einen starken Schwerpunkt für die Lehrerausbildung geben muss.

Das Problem ist nur, dass zur künftigen Struktur der Universität Koblenz keine klaren Aussagen im Koalitionsvertrag existieren. RZ-Chefredakteur Peter Burger, der gemeinsam mit Christian Opitz (TV Mittelrhein) die Moderation übernommen hatte, erinnerte daran, dass offenbar mehrere Versionen des neuen Koalitionsvertrages im Umlauf sind. In einer älteren Version heißt es: „Die Schwerpunkte liegen dabei in Koblenz auf den Bereichen Informatik/Data Intelligence, Wasser und Bildungswissenschaften.“ Diese klare Positionierung fehlt in einer jüngeren, aufgeweichten Fassung, während Mainz ganz klar als Standort für Biotechnologie und Kaiserslautern als Zentrum für Informationstechnologie genannt werden. Das erweckt in Koblenz Misstrauen, zumal die Studentenzahlen an Uni und Hochschule schneller gestiegen sind als andernorts, sich dieser Trend aber nicht in der personellen Ausstattung widerspiegelt.

Matthias Nester rechnete vor, dass das Betreuungsverhältnis an der Uni bei 1:114 liegt, während Mainz mit 1:62 deutlich besser da steht. Auf Bundesebene gibt es sogar Unis mit einem Schlüssel von sagenhaften 1:21. Dieses Missverhältnis konnte auch dem Oberbürgermeister David Langner nicht gefallen. Für ihn sind die örtlichen Hochschulen für die Entwicklung von Bevölkerung und Wirtschaft in der Stadt wichtig. Es zeigt sich übrigens immer wieder, dass Studenten, für die Koblenz ursprünglich nur die zweite Wahl war, geblieben sind, wenn sie attraktive Arbeitsplätze gefunden haben. Diese können jedoch nur geschaffen werden, wenn hohe Ausbildungskapazitäten bestehen.

Thomas Brahm betonte, dass die Debeka bis 2030 allein 1000 Absolventen mit Schwerpunkt Informationstechnik einstellen will. Und die sollen am besten aus der Region kommen. Und wenn das nicht möglich ist, werden die neuen Jobs an anderen Standorten entstehen. In der Stadt gibt es bereits große Unternehmen, die gezwungen waren, diesen Schritt zu gehen.

Damit ist klar: Das Wenigste, was die Wirtschaft in der Region gebrauchen kann, sind irritierende Signale aus den Hochschulen. Zumindest in einem Punkt konnte sie Denis Alt beruhigen: Der Fachbereich mit seinen 28 Professuren soll einer der deutschlandweit größten bleiben und nicht nur über die Grundfinanzierung und Mittel aus dem Zukunftspakt, in dessen Rahmen Geld aus Berlin fließt, sondern auch über Projekte finanziert werden. So gingen im Rahmen eines Corona-Forschungsprojektes rund 750.000 Euro an die Informatiker. Und so könnte es auch für andere Fachbereiche weitergehen, wobei Matthias Nester als weiteren Schwerpunkt die Gewässerforschung hervorhob. Sie ist für ihn eines der wichtigsten Themen für die Region mit europaweiter Strahlkraft.

Die Runde zeigte aber auch, dass man trotz allen Engagements unangenehme Entwicklungen nicht verhindern kann. Über das für viele überraschende Aus der Pflegewissenschaften in Vallendar ist auch das Land nicht begeistert. Jetzt werden Wege gesucht, zumindest die Ausbildung von Pflege-Berufsschullehrern in der Region zu retten. Reinhard Kallenbach

Zu sehen ist die Diskussion unter www.ku-rz.de/stream