Archivierter Artikel vom 20.03.2019, 18:11 Uhr
M Koblenz

Auf Gelände der Koblenzer Brauerei: Neuer Stadtteil im Süden ist zum Greifen nah

Koblenz. Die Pläne, auf einer Industriebrache am Rhein einen neuen Stadtteil zu realisieren, nehmen offenbar schneller Konturen an als erhofft. Und auch die Koblenzer Brauerei selbst soll modernisiert werden. Außerdem kündigt das Unternehmen für das laufende Jahr neue Produkte an. Seine bisherigen Überlegungen präsentierte der neue Eigner Christian Seitz nun im Fachbereichsausschuss IV – in nicht öffentlicher Sitzung. Deswegen gibt es auch eine Art Schweigegelübde. Noch.

Von Reinhard Kallenbach
Das Brauereigelände am Rhein bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Preiswertes Wohnen ist eine davon. Bis alles spruchreif ist, müssen allerdings noch einige Hürden genommen werden.
Das Brauereigelände am Rhein bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Preiswertes Wohnen ist eine davon. Bis alles spruchreif ist, müssen allerdings noch einige Hürden genommen werden.
Foto: Reinhard Kallenbach

Obwohl Details über die Zukunft des Areals noch nicht bekannt sind, lassen drei Buchstaben aufhorchen: AS + P. Für das Kürzel steht das von Albert Speer (junior) gegründete Architekturbüro. Die Frankfurter sind weltweit nicht nur als Architekten, sondern auch als Stadtplaner, Verkehrsplaner und Freiraumplaner gefragt. Sie werden auf dem Areal der ehemaligen Königsbacher Brauerei ihre Expertise genau in diesen Disziplinen einbringen. „Wir planen nach wie vor ergebnisoffen“, betont Christian Seitz. Der Immobilienunternehmer mit einer Schwäche fürs Brauen freut sich über „konstruktive, positive Gespräche“, so wie die bisherigen Gespräche mit Politik und Verwaltung verlaufen sind. Kurzum: Diese gute Stimmung könnte dazu beitragen, dass relativ zügig ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan auf den Weg gebracht wird. Deswegen soll es in den kommenden Wochen Ortstermine mit den Fraktionen geben.

Ist das bislang alles? Nicht ganz. Über wichtige Vorarbeiten wurde bereits gesprochen, denn es ist Sache der Behörden zu sagen, was machbar ist und was nicht. Denn in Sachen Hochwasserschutz und verkehrstechnische Erschließung ist das Gelände eine Herausforderung. Auch liegen die ersten Standortanalysen vor – und die ersten Überlegungen für eine Bebauung des Geländes sind auch schon visualisiert.

„Ich will niemand sein, der nur ankündigt“, antwortet Christian Seitz auf die Frage, warum derzeit die Informationen so spärlich fließen. Umgekehrt spricht er auch von einem Bedürfnis, für die 58 Mitarbeiter der Brauerei ein weiteres Zeichen in Sachen Sicherheit der Arbeitsplätze zu setzen. „Die Brauerei wird das Herzstück des Ganzen sein und bleiben“, betont der Unternehmer, der gemeinsam mit einem Geschäftspartner den Betrieb im September 2018 erworben hat.

Aktuell sieht es so aus, dass in der selbst verordneten Analysephase sehr viel mehr passiert ist als eine reine Bestandsaufnahme. Unter anderem hat es auch Gespräche mit bedeutenden Arbeitgebern in Koblenz gegeben, bei denen man auch über die gravierenden Probleme auf dem Mietwohnungsmarkt gesprochen hat.

„Wir verwirklichen das, was der Markt braucht“, stellt Christian Seitz fest. Und deswegen ist es auch sehr wahrscheinlich, dass auf dem Gelände das Wohnen künftig eine zentrale Rolle spielen wird. Wohl gemerkt im bezahlbaren Segment, zumal Experten davon ausgehen, dass der Bedarf an hochwertigen, entsprechend teuren Einheiten allmählich gedeckt ist. Die Bedürfnisse der Mittelschicht rücken also wieder in den Fokus.

Trotz dieser Fakten soll nicht einfach drauflos entwickelt werden. Christian Seitz richtet den Blick aufs ganze Stadtgebiet und will das neue Areal erst dann genau positionieren, wenn eine sogenannte Soziomilieuanalyse vorliegt, die er jetzt in Auftrag geben wird. Trotz dieser „harten“ Voraussetzungen werden auch die „weichen“ Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Mit Blick auf die Bundesgartenschau 2029 im Mittelrheintal spricht Christian Seitz auch von einem Beitrag zur Weiterentwicklung der Kulturlandschaft. Zu diesem Zweck werden derzeit Netzwerke entwickelt, die auch die andere Rheinseite einbeziehen. Aktuell stehen die Chancen gut, dass sich eine Kooperation mit den Entwicklern anbahnt, die auch für das Lahnsteiner Rheinquartier verantwortlich zeichnen.

Wann es die ersten greifbaren Ergebnisse gibt? „Trinkbare Ergebnisse“, korrigiert Thomas Beer. Der technische Geschäftsführer der Koblenzer Brauerei kündigt für April ein neues Kellerbier an, das quasi die Verwandlung des Traditionsunternehmens in eine Kulturbrauerei symbolisiert. Und zu einer Kulturbrauerei gehört auch ein Hotel. Gerüchte, wonach das Lagerhochhaus entsprechend umgebaut werden soll, bestätigt Christian Seitz nicht. Er verweist darauf, dass zunächst noch Bedarfsanalysen erstellt werden müssen.

Eins dürfte jedoch feststehen: Die Ära, in der aus dem Traditionsunternehmen viel mehr herausgezogen als investiert wurde, ist vorbei. „Unser Ziel ist es, dass die Brauerei wieder an frühere, große Zeiten anknüpft“, sagt Christian Seitz. Das Profil des Betriebs als Spezialitäten- und Kulturbrauerei mit starker Exportorientierung ist klar definiert.

Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach