Archivierter Artikel vom 04.02.2018, 16:16 Uhr
Ehrenbreitstein

Ärztehaus in Ehrenbreitstein: Hinter geretteter Fassade tut sich schon viel

An prominenter Stelle in Ehrenbreistein wächst ein beeindruckendes Gebäude in die Höhe. Wir haben uns hinter den Baugerüsten umgeschaut – dort tut sich schon einiges.

Die Arbeiten am „Gesundheitszentrum rechts des Rheins“ sind in die Endphase getreten. Bald ist der Weg für die Straßengestaltung frei.
Die Arbeiten am „Gesundheitszentrum rechts des Rheins“ sind in die Endphase getreten. Bald ist der Weg für die Straßengestaltung frei.
Foto: Reinhard Kallenbach

Mit dem Ende des Projektes Gesundheitszentrum am „Dähler Eck“ wird die Stadtteilsanierung Ehrenbreitstein noch in diesem Frühjahr abgeschlossen. Dann ist auch der Weg für die Neugestaltung des letzten Abschnitts der Hofstraße frei. Architekt Guido Fries ist erleichtert. Für ihn geht ein zehnjähriges Auf und Ab zu Ende – und damit auch Monate, die man durchaus als Leidenszeit bezeichnen könnte. Jetzt geht der Blick nach vorn: Die ersten Einheiten im Geschäfts-, Praxis- und Wohnräumen wurden bezogen.

Die Überlegungen, wie man den städtebaulich sensiblen Übergang von der Hofstraße in die Charlottenstraße gestalten könnte, reichen bis in die 90er-Jahre zurück. Immer wieder wurden Vorschläge verworfen – oft mit dem Hinweis, dass historische Sichtbezüge zerstört würden. Und auch Guido Fries, der das Projekt ursprünglich auf eigenes Risiko gestartet hatte, musste seine Ideen immer wieder überarbeiten. Was heute zu sehen ist, ist ein Kompromiss. Ein guter sogar. Denn mit der Wahl der Materialien und der Ausrichtung der Fassade wurden historische Bezüge aufgenommen.

Ganz bewusst macht die Fassade an der Charlottenstraße einen leichten Knick, was es möglich macht, zwei Sichtachsen zu verfolgen. Ergebnis: Der Blick von der Hofstraße zu Marstall und Dikasterialgebäude bleibt frei. Zudem fiel die Entscheidung für eine hell verklinkerte Fassade vor dem Hintergrund, optische Bezüge zur alten Schule (heute Rhein-Museum) herzustellen. Dazu kommt, dass die über Jahre frei stehende Fassade des ehemaligen Exner-Hauses, die in den Gesamtkomplex mit seinen insgesamt sechs Ebenen integriert wurde, ebenfalls eine im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert prägende Ausführung hat. Das jetzt alles rund läuft, begründet Guido Fries vor allem über die gute Zusammenarbeit mit dem Arzt Hans-Günter Kienle und dessen Sohn Jörg A. Kienle. Der Finanzierungsfachmann entwickelte auch das Modell einer Betreiber-GmbH. Diese macht die Investition in das Objekt für Eigentümer und Mieter wirtschaftlich und steuerlich interessant. Das muss es auch sein, immerhin geht es um Gesamtinvestitionen mit einem Volumen von 7 Millionen Euro. Das ist teurer als ursprünglich geplant, weil unter anderem mit Verwaltung und Kommunalpolitik lange um Sinn und Unsinn der Tiefgarage gerungen wurde. Am Ende fiel die Wahl auf eine große Lösung. Das heißt: In der Tiefgarage gibt es Platz für bis zu 29 Pkw. Wenn bei Hochwasserlagen auch das Grundwasser steigt, kann diese geflutet werden. Dagegen bleiben die angrenzenden neuen Keller dank einer Wannenkonstruktion und Spezialtüren trocken. Einfach waren die Arbeiten nicht. So musste auf angrenzende Kellergewölbe Rücksicht genommen werden. Zudem erfolgten bei den Gründungsarbeiten baubegleitend archäologische Untersuchungen.

Auf der anderen Seite eröffnete der flexible Planungs- und Ausführungsprozess neue Einsparpotenziale. So wurde die ursprünglich geplante Realisierung in zwei Bauabschnitten verworfen. Deshalb konnten die Rechtsanwaltsbüros, die hinter der im Inneren durch eine Betonschicht gesicherten historischen Fassade entstanden sind, schon bezogen werden. Auch Karl-Heinz Kienle hat seine Gemeinschaftspraxis bereits Anfang des Jahres eröffnet, aktuell wird eine gynäkologischen Praxis eingerichet. Bis Mai, so Architekt Fries, werden die weiteren Etagen Stock für Stock freigegeben, Anfang Juni werden auch die Gerüste verschwunden sein.

Aktuell sind rund 85 Prozent der Einheiten vermarktet. Wirklich frei sind noch die beiden Geschäftseinheiten im Erdgeschoss. In den großen Laden wird die benachbarte Apotheke umziehen.

Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach