Andernach

Nach der Flutkatastrophe: Andernacher Rhein-Mosel-Fachklinik nimmt Patienten aus dem Ahrtal auf

Seit rund eineinhalb Jahren sorgt die Corona-Pandemie dafür, dass die Krankenhäuser der Region ihre Abläufe anders als gewohnt gestalten müssen, jetzt stellt die Flutkatastrophe im Ahrtal die Kliniken vor neue Herausforderungen.

Von Martina Koch
Die Mitarbeiter der Andernacher RMF kümmern sich derzeit um Patienten einer psychiatrischen Fachklinik in Ahrweiler, die von den Fluten schwer beschädigt wurde.
Die Mitarbeiter der Andernacher RMF kümmern sich derzeit um Patienten einer psychiatrischen Fachklinik in Ahrweiler, die von den Fluten schwer beschädigt wurde.
Foto: picture alliance/dpa

Da die Dr.-von-Ehrenwall'sche Klinik in Ahrweiler – einprivates Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie – durch das Hochwasser schwer beschädigt worden ist, hat die Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF) in Andernach seit Freitag fast 80 Patientinnen und Patienten behandelt, die teilweise schon vor der Katastrophe in Ahrweiler versorgt worden waren, teilt die RMF auf Anfrage der Rhein-Zeitung mit.

Etwa ein Drittel der Patienten stammt aus dem Bereich Ahrweiler. In Absprache mit dem Gesundheitsministerium hat die RMF vorübergehend die Versorgung der erwachsenen psychiatrischen Patienten aus dem Kreis Ahrweiler übernommen. Die zusätzlichen Patienten werden auf allen Akut-Aufnahmestationen der fünf Fachabteilungen versorgt, teilt die Andernacher Klinik mit.

Der logistische Aufwand, den die RMF-Mitarbeiter für die Betreuung der zusätzlichen Patienten aus dem Katastrophengebiet betreiben müssen, ist enorm. Unter Wahrung der Hygieneregeln nutze man alle räumlichen Kapazitäten in den vier psychiatrischen und der neurologischen Abteilung, teilt die Klinik mit. Für die Ärzteschaft und das Pflegepersonal ergibt sich ein zusätzlicher Arbeitsaufwand auf den Stationen, außerdem hielt das RMF am Wochenende rund um die Uhr eine ambulante Krisentherapie durch die psychologischen Therapeutinnen und Therapeuten vor. Die ärztlichen und therapeutischen Bereitschaftsdienste habe man hierzu mit zusätzlichen Rufbereitschaften am Wochenende verstärkt – um rund ein Drittel des normalen Bedarfs.

Den zusätzlichen Personalbedarf stemme man auch mithilfe der Schüler der Examensklasse der eigenen Krankenpflegeschule. Diese hätten sich trotz anstehender Prüfungen bereit erklärt, auf den Akutstationen einzuspringen, teilt die RMF mit. Auch die Mitarbeiter der medizinisch-technischen Bereiche wie Radiologie, EKG und Labordiagnostik, sind an diesen Tagen umfangreich im Einsatz, insbesondere für die neurologische Abteilung des Hauses.

Die Hilfeleistung für die Patienten aus dem Kreis Ahrweiler macht es erforderlich, dass die Klinik bei den geplanten stationären Aufnahmen Einschnitte vornimmt. Soweit dies medizinisch vertretbar ist, werden diese abgesagt oder in die ambulante Krisenversorgung der Tageskliniken überführt.

Während man in der Andernacher RMF mit vereinten Kräften daran arbeitet, das Leid psychisch Erkrankter aus dem Katastrophengebiet zu lindern, gibt es zugleich auch im eigenen Mitarbeiterkreis Menschen, die unmittelbar von der Flut und ihren Auswirkungen betroffen sind: Rund 1600 Menschen arbeiten in der Andernacher Klinik, einige von ihnen sind im Kreis Ahrweiler heimisch. „Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik sind betroffen von der Katastrophe – entweder, weil sie direkt ihr Hab und Gut verloren haben, oder weil sie mit und um ihre Angehörigen in den betroffenen Gebieten bangen“, beschreibt die RMF auf Anfrage.

Des Weiteren gibt es Klinikmitarbeiter, die sich neben ihrem Beruf als Ersthelfer im THW, in der Feuerwehr und im DRK engagieren und in den vergangenen Tagen im Ahrtal im Einsatz waren. Diesen dankt die RMF-Leitung ausdrücklich für ihr wichtiges Engagement: „Wir sind sehr stolz auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die entweder im Katastrophengebiet oder auf den Stationen unserer Klinik sofort zur Verfügung standen und stehen.“