Archivierter Artikel vom 30.04.2014, 09:51 Uhr
Mayen

Mayener Großbrand: Brandermittler nehmen die Arbeit auf

Spurensuche in Schutt und Asche: In der niedergebrannten Lagerhalle im Industriegebiet „Mayener Tal“ haben Brandermittler der Kriminalpolizei und ein Team einer Fachfirma aus Bochum damit begonnen, nach der Brandursache zu suchen.

Anja und Ernst Bornefeld haben Glück gehabt. So muss man es wohl ausdrücken, wenn man sich vor Augen führt, was ihnen hätte passieren können. „Wir haben eine Explosion gehört“, erzählt Ernst Bornefeld. „Deswegen sind wir raus aus unserer Wohnung.“

Andreas Walz

Seit acht Jahren wohnen die Bornefelds in einer Wohnung über den Büroräumen der Metallbau-Firma Giel im Industriegebiet „Mayener Tal“.

Andreas Walz

Wohnung und Büro sind Teil einer rund 120 Meter langen Halle, von der die Firma Giel eine Hälfte als Lager nutzt. In der anderen Hälfte produziert die Firma Argala, bei der Ernst Bornefeld seit einem Jahr arbeitet, monatlich rund 80 Tonnen Grill-, Ofen- und Kaminanzünder.

Andreas Walz

Dort bricht am Samstag, 26. April, gegen 21 Uhr ein verheerendes Feuer aus, das diese Hälfte der Halle buchstäblich in Schutt und Asche legt. Kilometerweit sind die Flammen zu sehen, mehr als 140 Helfer von Feuerwehren, Rettungsdiensten und der Polizei sind im Einsatz, der erst am Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr beendet ist (die RZ berichtete).

Andreas Walz

Knapp 24 Stunden später liegt selbst unter freiem Himmel noch der Gestank von Rauch in der Luft. In der Wohnung der Bornefelds muss er nahezu unerträglich sein. „Der Geruch steckt in den Möbeln, in den Polstern“, erzählt Ernst Bornefeld.

Hilko Röttgers

Vor einem Jahr hat sich das Paar eine neue Couchgarnitur zugelegt. Die ist jetzt wohl ein Fall für den Sperrmüll. Außerdem hat die starke Hitzeentwicklung Schäden verursacht. Im Badezimmer sind Fliesen gesprungen. Und: „Die ganze Wohnung ist verrußt“, sagt Bornefeld. „Sie ist unbewohnbar.“ Vorerst sind seine Frau und er in der Wohnung eines Freundes untergekommen.

Andreas Walz

Der Ruß macht auch Hans-Werner Giel zu schaffen. Der Seniorchef der Metallbau-Firma steht am Montagmittag in der Lagerhalle seines Betriebs und schaut sich um. Zwar haben die Flammen nicht auf diesen Teil der Halle übergegriffen. Eine Brandschutzmauer und der Einsatz der Feuerwehr konnten das verhindern. Aber einen Schaden im sechsstelligen Euro-Bereich hat Giel trotzdem erlitten.

Andreas Walz

Tür- und Fensterrahmen, die er in der Halle gelagert hatte, sind von Ruß überzogen, ebenso wie der Boden und die Wände. „Die ganze Halle muss jetzt erst einmal aufwendig gereinigt werden“, sagt Giel.

Andreas Walz

Wie es für die Bornefelds weitergeht, ist hingegen nicht ganz so klar. Da Ernst Bornefeld bei der Firma Argala arbeitet, deren Produktionsstätte in Mayen nun abgebrannt ist, steht der 54-Jährige vorerst ohne Job da. Die Argala GmbH mit Sitz in Essen war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Andreas Walz

Was den Brand ausgelöst hat, ist derweil noch offen. Polizei und Gutachter werden den Brandort voraussichtlich heute in Augenschein nehmen. Bei Bränden in dieser Größenordnung könne es aber mehrere Wochen dauern, bis ein Ergebnis feststeht, teilte die Polizei gestern auf Anfrage mit.

Andreas Walz

So mancher Mayener wird an den Sommer 2006 gedacht haben, als er jetzt vom Großbrand im Industriegebiet „Mayener Tal“ hörte. Vor acht Jahren war es ein Feuer an der Recyclingfabrik der Nordwestdeutschen Papierrohstoff GmbH im Lavafeld, das die Wehren der Stadt und des Umlandes fast sechs Tage am Stück in Atem hielt.

Hilko Röttgers

Der Brand, bei dem bis zu 5000 Tonnen Papier, verteilt auf gepresste, kompakte Ballen, in Flammen aufgingen, brach in der Mittagszeit des 9. Juni 2006 aus.

Hilko Röttgers

Um das Feuer einzudämmen und anschließend etliche Glutnester in den Papierballen zu löschen, waren die Wehrleute ununterbrochen bis in die Nacht zum 14. Juni 2006 gefordert.

Hilko Röttgers

Hilko Röttgers

Hilko Röttgers

Hilko Röttgers

Hilko Röttgers

Hilko Röttgers

Auch ein speziell ausgebildeter Hund kam dabei zum Einsatz. Bis Ergebnisse der Ermittlungen vorliegen, könne es nach einem Feuer dieser Größenordnung aber zwei bis drei Wochen dauern, teilte die Polizei mit. hrö