Archivierter Artikel vom 02.08.2021, 06:00 Uhr
Andernach/Koblenz

Flut hat viele Tiere von ihren Haltern getrennt – Einrichtungen in Andernach und Koblenz helfen in der Not

Die Flutkatastrophe im Ahrtal ist auch für viele Tiere zur Todesfalle geworden. Darüber hinaus sind auch viele Tiere von ihren Haltern getrennt worden, oder diese haben schlichtweg nicht mehr die Möglichkeit, ihre Schützlinge zu versorgen. „Wir als Tierschutzverein sind für Tiere in Not zuständig“, sagt Kirstin Höfer, „aber angesichts der Katastrophe an der Ahr, von der wir etwa 35 Kilometer entfernt liegen, da wollen wir, egal ob Mensch oder Tier, helfen“, ergänzt die Leiterin des Koblenzer Tierheims.

Von Elvira Bell

Aktuell leben im Koblenzer Tierheim auf ungewisse Zeit fünf Hunde, die aus dem Krisengebiet an der Ahr kommen. Sie seien am Tag nach der schweren Flut in einem kleinen Ort (der Name ist der Redaktion bekannt) abgeholt und in das Tierheim gebracht worden.

Es sei ein schwieriges Unterfangen gewesen, bis dorthin vorzudringen, berichtet Höfer: „Es war wie in einem Science-Fiction-Film. Die Polizei hat meine Kollegen bis zu dem Haus der Hundebesitzer, ein Ehepaar, begleitet. Die Vierbeiner wurden uns von den beiden auf der Straße übergeben. Die Leute hatten kein Wasser und keinen Strom. Sie konnten ihre fünf Vierbeiner nicht versorgen.“

Diese fünf Hunde wurden am Tag nach der Flutkatastrophe aus einem kleinen Ort aus dem Ahrtal im Koblenzer Tierheim aufgenommen. Die Vierbeiner bleiben dort bis auf Weiteres.
Diese fünf Hunde wurden am Tag nach der Flutkatastrophe aus einem kleinen Ort aus dem Ahrtal im Koblenzer Tierheim aufgenommen. Die Vierbeiner bleiben dort bis auf Weiteres.
Foto: privat

Die Hunde – es handelt sich vermutlich um Tierschutzhunde – hätten wohl von der Flut und ihren verheerenden Auswirkungen nicht viel mitbekommen, vermutet Kirstin Höfer. Auch einer Frau, die zehn Katzen besitzt, hat das Koblenzer Tierheim einige Tage nach dem Hochwasser Hilfe angeboten. „Michaela hat durch die verheerende Flut alles verloren. Sie ist am Ende mit ihren Nerven“, sagt Höfer. „Ihre Verzweiflung ist groß. Aber sie möchte ihre Samtpfoten nicht zur Pflege in andere gute Hände geben. Wir haben auf sie eingeredet, aber sie hat es vehement abgelehnt“, erzählt die Leiterin des Koblenzer Tierheims. Die Katzen seien alles, was ihr übrig geblieben ist. „Man darf seine Hilfe nicht aufdrängen. Wir stehen aber natürlich weiterhin mit ihr in Kontakt.“

Inzwischen kamen dank des guten Netzwerks des Koblenzer Tierheims viele Wohnungs- und Hilfsangebote für Michaela, sie möchte wie andere Betroffene ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen, und ihre Katzen. Einen Aufruf, ein paar Euro zu spenden, hat das Tierheim auch für Astrid, eine Freundin Michaelas, für deren Vater und ihren Sohn auf Facebook gestartet. Auch Astrid ist in großer Not. Ihr Sohn Luke ist fast in der Kellerwohnung ertrunken, für ihren kleinen Kater kam die Hilfe zu spät. Auch bei ihr wurde alles zerstört.

Dorothee Schünemann-Diederichs vom Andernacher Tierheim ist überwältigt von der großen Spendenbereitschaft.
Dorothee Schünemann-Diederichs vom Andernacher Tierheim ist überwältigt von der großen Spendenbereitschaft.
Foto: Elvira Bell

Ortswechsel: Keine Anfragen, Tiere aus dem Katastrophengebiet aufzunehmen, haben die Tierheime in Mayen und in Andernach erreicht. „Allerdings hatte das Tierheim Remagen bei uns in Andernach angefragt, ob wir eine Katze aufnehmen könnten“, erklärt Dorothee Schünemann-Diederichs, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. „Leider sind wir – nicht zuletzt durch die fehlende Katzenschutzverordnung der zuständigen Kommunalverwaltungen der Stadt Andernach und der Verbandsgemeinde Pellenz – schon überbelegt. Durch die vielen Katzenmütter mit ihren Jungen ist kein Platz mehr.“

Selbstverständlich unterstützt das Andernacher Tierheim bei Suchanfragen. So vermisst eine Familie aus dem Ahrtal „Pepsi“, einen schlanken, schwarzen, einem Schäferhund ähnelnden Hund, „Sheela“, eine Art Jagdterrier, und „Elvis“, der einem Jack Russel ähnlich sieht. Zwei der drei Hunde sind aus dem Tierheim Andernach. „Vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder, und sie werden lebend gefunden“, heißt es auf der Facebook-Seite des Tierheims.

Sowohl in Koblenz als auch in Andernach sei die Spendenbereitschaft der Menschen groß. „Wir konnten von diesen Spenden inzwischen schon einiges an Gnadenhöfe und Tierheime im Katastrophengebiet übergeben“, betont das Team des Andernacher Tierheims. Deren Lager seien aufgrund der hohen Bereitschaft für Sachspenden inzwischen randvoll.

Von unserer Mitarbeiterin Elvira Bell