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Mayen

Abriss der Löwenbrauerei: Ein letztes Prosit auf die Bierbrauerstadt Mayen

Von Hilko Röttgers

Der Name ist Graessl – Max Graessl. Eng verbunden mit diesem Namen ist die Geschichte der Bierbrauerstadt Mayen. Als Chef zweier Brauereien – zunächst der Kanonenbrauerei, danach der Löwenbrauerei – hat der bayerische Schwabe Graessl (1863–1946) die Stadt Mayen zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt. Noch ist sein Vermächtnis im Stadtbild zu sehen. Noch steht zum Beispiel das Sudhaus an der Neustraße, in dem zuletzt das Mayener Pils gebraut wurde. Doch das wird sich ändern. Die alten Gebäude der Löwenbrauerei werden demnächst abgerissen, um Platz zu schaffen für eine moderne Wohnanlage. Die Stadt Mayen verliert einen sichtbaren Teil ihrer Geschichte. Grund genug, um sich diese Geschichte noch einmal vor Augen zu führen.

Lesezeit: 4 Minuten
Wer von Mayen als Bierbrauerstadt spricht, meint damit vor allem die Zeit nach 1850. Zwar wurde auch zu früheren Zeiten in Mayen Bier hergestellt, allerdings spielte die Braukunst lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle. Die wenigen Bierbrauer der Stadt waren – als Getreide verarbeitendes Gewerbe – in der Bäckerzunft organisiert. ...
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Wie der Marketingtrick eines Bierbrauers der Genovevaburg zu ihrem Namen verhalf

Die Genovevaburg mit ihrem Goloturm ist weit über die Mayener Stadtgrenzen hinaus bekannt. Dass sie ihren Namen dem Marketing eines Bierbrauers im 19. Jahrhundert verdankt, dürfte hingegen auch so manchem Einheimischen neu sein.

Tatsächlich war es der Bierbrauer Johann Jacob Hennerici, dessen Werbemaßnahmen den Namen der Burg nachhaltig prägten, wie Hans Schüller vom Mayener Geschichts- und Altertumsverein in einem Beitrag zur Brauereigeschichte der Stadt ausführt. Um 1850 erwarb Hennerici den oberen Teil der Burg. An der Südseite des oberen Burghofs errichtete er ein Brauhaus samt Wirtschaft, der Braubetrieb ist seit 1852 nachweisbar. Der Bau fiel in eine Zeit, in der in romantische Verklärung die Burg immer mehr mit der Legende der Genoveva von Fraukirch in Verbindung gebracht wurde. Hennerici förderte diese Romantisierung und nutzte die schon ältere Tradition zu eigenen Werbezwecken, erklärt Schüller. „Gästen seiner Bierwirtschaft zeigte er bereitwillig jenen Eisenring im Verlies, an dem angeblich der Bösewicht Golo angekettet war. Seither wird der Bergfried allgemein Goloturm genannt.“ Zudem brachte Hennerici ein riesiges Transparent an, das für die „Bierbrauerei Genovefa-Burg J. J. Hennerici“ warb. „So verdankt die Burg ihren heutigen Namen einer geschickten Marketingmaßnahme aus der Zeit der Brauereinutzung“, erklärt Schüller. Langfristiger Erfolg war Hennerici damit aber nicht beschieden. Letztlich musste er sich dem Konkurrenzdruck beugen. Am 16. März 1880 wurde das Konkursverfahren über seine Brauerei eröffnet. hrö
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