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    Linz

    Was kümmert es die Sau... : In Linz wird mit Schweinen meditiert

    In die Natur zu gehen, um abzuschalten ist nicht unbedingt ein neues Geheimrezept. Matthias Oppermann in Linz am Rhein setzt einen drauf: Er bietet Meditation mit Schweinen an. Zwei Stunden für 10 Euro, und seine Kurse sind regelmäßig ausgebucht.

    Schwein haben und entspannen: In Linz verdienen die Tiere ihrem Halter mit Nichtstun Geld. 
    Schwein haben und entspannen: In Linz verdienen die Tiere ihrem Halter mit Nichtstun Geld. 
    Foto: picture alliance

    Von Yvonne Stock

    Acht Teilnehmer eines Kurses sitzen gerade mit ihm auf Gartenstühlen in einer Gruppe von sechs Göttinger Minischweinen. Und schauen den Tieren beim Wühlen zu. Schnüffelnd laufen die Schweine über die Wiese, ihre Bäuche schleifen fast über dem Boden, die Schwänze sind permanent in Bewegung.

    Zu den Meditierenden bleiben sie meist auf Abstand. Im Stall blöken unterdessen Schafe, ein Eichelhäher ruft aus der Luft, Wasser plätschert in einem Teich. Doch nicht alle beobachten nur die Schweine, einige schauen einfach ins grüne Drumherum oder schließen die Augen. Schnaubend reibt sich ein Tier an einem Stück Holz, einige Teilnehmer lächeln.

    Die Schweine haben eine "natürliche Kraft in sich", erzählt der Sozialpädagoge und Hypnotherapeut Oppermann. Sie leben immer im Hier und Jetzt. Menschen, denen das auch regelmäßig gelingt, suchen vermutlich nicht seine Kurse auf. Den nächsten gibt es im Frühajhr 2015 wieder, die Schweine haben jetzt Winterpause. 

    Wer kommt, muss sich nicht auf eine "Hardliner-Meditation im Lotussitz" einstellen, er hat Schwein. Besucher erlebten oft eine "beruhigende Wirkung der Tiere", sagt er. Hektische Menschen haben bei den Schweinen keine Chance, dann ergreifen die Tiere die Flucht. Weil die Schweine nicht dressiert sind und die Begegnung auf Freiwilligkeit basiert, warnt Sozialpädagoge Oppermann auch vor: Ein respektvoller und "erwartungsfreier Umgang" mit den Tieren wird vorausgesetzt. Entspannungsgarantie kann keiner geben. 

    Oppermann erzählt, dass den Meditierenden auf der Wiese in Linz oft plötzlich durch den Kopf schießt, was zu Hause noch alles erledigt werden muss. Mit einer Achtsamkeitsübung lenkt er dann ihre Aufmerksamkeit bei geschlossenen Augen erst auf ihre Hände und dann auf die Geräusche. "Das Denken beruhigt sich, und damit beruhigt sich auch ein Teil der inneren Gefühlswelt", sagt er. Dann beobachten die Teilnehmer die Tiere eine Dreiviertelstunde lang.

    Mit seiner Frau Andrea hat Oppermann seit 1993 eine Beratungspraxis. Was Tiere für den Menschen bedeuten, ist bei ihrer Arbeit sehr wichtig. Daraus sind ein Buch und 2011 der Verein Artis entstanden. Wegen der großen Resonanz bietet er die Meditation mit Schweinen einmal im Monat an. Mehr als 70 Teilnehmer konnte er in diesem Jahr schon begrüßen. Kursteilnehmerin Edith Oehms ist nach 45 Minuten mit den Schweinen begeistert: "Wenn man sich darauf einlässt, ist alles andere weg." Sie habe Ruhe gefunden und sei bei sich angekommen. Auch Iris Klesing, eine andere Teilnehmerin, meint: "Man beobachtet sonst nicht in der Tiefe, weil immer noch so viele Gedanken da sind."

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