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Koblenz

Jetzt geht's los: In 15 Jahren um die Welt

Nächste Woche wird Michael Meyer aus der Tür treten und losgehen. Welchen Weg er nimmt und wo er abends übernachten wird, weiß er noch nicht. So soll das die nächsten 15 Jahre sein: Meyer hat sich vorgenommen, zu Fuß die Welt zu umrunden.

Michael Meyer will einmal um die Erde wandern. 74 Kilogramm wog sein Rucksack ursprünglich. Mittlerweile hat er sich auf 65 Kilogramm heruntergearbeitet. „Es dauert eine dreiviertel Stunde, um den Rucksack ordentlich zu packen“, erklärt der 42-Jährige.
Michael Meyer will einmal um die Erde wandern. 74 Kilogramm wog sein Rucksack ursprünglich. Mittlerweile hat er sich auf 65 Kilogramm heruntergearbeitet. „Es dauert eine dreiviertel Stunde, um den Rucksack ordentlich zu packen“, erklärt der 42-Jährige.
Foto: Sascha Ditscher

Von unserer Reporterin Agatha Mazur

Doch noch sitzt der 2,07 Meter große Hüne mit dem Holzfällerhemd entspannt auf der Couch der Kletterhalle Eifelblock im Koblenzer Industriegebiet und geht in Gedanken seine Route durch – über Skandinavien und Schottland nach Nordamerika. Ursprünglich wollte er nach Osteuropa und von dort aus über Syrien nach Marokko. Diesen Plan hat er aber wegen der politischen Lage geändert.

Null Urlaub in zwölf Jahren: jetzt reicht's!

Wie kommt man auf die Idee, eine Weltumrundung zu starten? Der gebürtige Lübecker hatte sich vor zwölf Jahren mit einer Gartenbaufirma selbstständig gemacht: "Ich hatte eine Siebentagewoche und keinen einzigen Urlaub in zwölf Jahren. Irgendwann hab ich gemerkt: Da muss noch mehr sein." Dann fiel sein Blick auf diese Weltkarte an der Wand. Und da kam dem Abenteurer vor mittlerweile drei Jahren das erste Mal die Idee, sich zu Fuß aufzumachen.

Nach Koblenz hat der 42-Jährige seinen Startpunkt verlegt, um sich in der Kletterhalle auf seine Reise vorzubereiten. "Eigentlich ist die Region hier um Koblenz ein kleiner Kulturschock für mich", gesteht Meyer lachend. Da prallt der offene, herzliche Charakter der Leute an Rhein und Mosel auf sein norddeutsches Temperament.

Der Rucksack ist extralang

Alles, was der Outdoorfan auf seinem Weg benötigt, steckt in dem 65 Kilogramm schweren, olivgrünen Rucksack. "Der musste extra für meinen langen Rücken angefertigt werden", sagt Meyer schmunzelnd. Der Rucksack fasst 214 Liter und ist so schwer, dass er ihn nicht vom Boden auf den Rücken heben kann, sondern diverse Verrenkungen in Kauf nehmen muss. Seit einem Vierteljahr trainiert er mit seiner Ausrüstung.

Das ist wichtig, um in freier Natur zu überleben: Messer, Gabel und Löffel und eine Handnähmaschine, um Schuhe oder Kleidung zu flicken.
Das ist wichtig, um in freier Natur zu überleben: Messer, Gabel und Löffel und eine Handnähmaschine, um Schuhe oder Kleidung zu flicken.
Foto: Sascha Ditscher

Das Wichtigste ist nun dabei: eine Handnähmaschine, um Schuhe oder Kleidung zu flicken, ein Kocher, drei Schlafsäcke, die Temperaturen von minus 70 bis plus 30 Grad aushalten, und diverse Werkzeuge wie Säge, Campingbeil oder Schaufel. Auch Essensrationen nimmt er mit: Vollmilch- und Eipulver und Haferflocken. "Die gehen quasi sofort in die Muskeln." Dennoch muss er sich täglich mit dem versorgen, was ihm die Natur bietet. Dass da auch durchaus Insekten oder Käfer auf dem Speiseplan stehen werden, schreckt ihn nicht ab.

Sorgen um seine Gesundheit macht sich der Norddeutsche nicht: "Natürlich kann ich krank werden oder mir den Fuß umknicken." Er hat eine Auswahl an Medikamenten dabei. Darüber hinaus kann er sich bei schlimmen Verletzungen auf seine Ausbildung zum Rettungssanitäter verlassen. Und: Seine Jahre bei der Bundeswehr als Ausbilder für Überlebenstechnik werden ihm bei seiner Reise sicher helfen. Dort hat er viele Tricks gelernt: "Wenn man einsam ist, soll man mit den Bäumen reden. Das hat aber nicht nur einen psychologischen Effekt, sondern hilft auch, die Stimmbänder zu trainieren."

Teddybär hilft bei Einsamkeit

Mit Einsamkeit hat er keine Probleme: "Ich bin gern allein", sagt er, räumt aber ein: "Das wird eine Zeit lang befreiend sein, aber sicher kommt ein Punkt, wo man sich einsam fühlt." Dafür ist sein Teddybär da, der ihn auf Schritt und Tritt begleitet.

Das ist wichtig, um in freier Natur zu überleben: Messer, Gabel und Löffel und eine Handnähmaschine, um Schuhe oder Kleidung zu flicken.
Das ist wichtig, um in freier Natur zu überleben: Messer, Gabel und Löffel und eine Handnähmaschine, um Schuhe oder Kleidung zu flicken.
Foto: Sascha Ditscher

Rekorde will Michael Meyer unterwegs nicht aufstellen: "Die Reise mache ich nur für mich", stellt er klar. 15 Kilometer am Tag hat er sich vorgenommen – insgesamt rechnet er so mit einer Wanderung von 15 Jahren. Sollte ihm ein Fleck gefallen, wird er da auch gern einige Tage verbringen. Oder er bleibt einfach für immer da.

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