40.000
Aus unserem Archiv

Brillanter Start einer visuellen Zeitreise

Ob in Tupperdosen, Plastiktüten oder mit einem Lächeln direkt abgegeben an unseren Servicepunkten: Mit mehr als 50 Einsendungen übertraf der erste Zuspruch auf unsere Aktion "Filmschätze unserer Heimat" unsere Erwartungen.

Carlheinz Tömmel sichtet einen seiner zahlreichen Super-8-Filme. Der  74-jährige Hobbyfilmer aus Laurenburg hat bis in die 80er-Jahre mit  seiner Kamera Land und Leute auf Film gebannt. 
Carlheinz Tömmel sichtet einen seiner zahlreichen Super-8-Filme. Der 74-jährige Hobbyfilmer aus Laurenburg hat bis in die 80er-Jahre mit seiner Kamera Land und Leute auf Film gebannt.
Foto: Benjamin Stoess

Ob in Tupperdosen, Plastiktüten oder mit einem Lächeln direkt abgegeben an unseren Servicepunkten: Mit mehr als 50 Einsendungen übertraf der erste Zuspruch auf unsere Aktion "Filmschätze unserer Heimat" unsere Erwartungen.

Frank Girmann, Archivar unserer Zeitung, war von so viel Resonanz völlig überrascht: "Wir kommen kaum noch nach", sagt Girmann, der die Einsendungen entgegennimmt, katalogisiert und im Anschluss für die Produktion der DVD nach Hannover schickt. Dort haben Profis bereits damit begonnen, das eingegangene Material zu sichten, auszuwerten und zu digitalisieren. So entsteht bis zum Herbst die bewegte und bewegende heimatgeschichtliche Zeitreise aus privaten Bildern, Erinnerungen von Zeitzeugen und Kommentaren von Experten.

Unter den Ersten nach unserem Aufruf war auch Carlheinz Tömmel, der in der Region alles andere als ein Unbekannter ist. Der 74-jährige Rentner aus Laurenburg im Rhein-Lahn-Kreis hat schon viel gesehen und zählt zu den aktivsten Heimatchronisten. Seit seinem 14. Lebensjahr dokumentiert er Land und Leute der Region mit seiner Kamera. Durch den Apotheker Rainer Laufkötter, einen ambitionierter Hobbyfilmer und -Fotograf aus Bad Ems, erlernte er in dessen Labor die Grundlagen der Fotografie und begann parallel dazu, seine filmischen Ambitionen weiter zu vertiefen.

Jeder Ausflug ein neuer Streifen

Auf seinen Beitritt in den Filmclub Bad Ems im Jahr 1968 folgten schnell die ersten Erfolge, die seine Wissbegierde noch weiter steigerten. Fortan wurde jede noch so kleine Exkursion genau geplant, immer das Endergebnis im Fokus – sehr zum Leidwesen seiner Frau, die ihn auf den meisten Ausflügen begleitete und nicht selten selbst zur Darstellerin wurde. "Mein gesamtes Fachwissen habe ich mir über die Jahre selbst angeeignet. Dabei habe ich sehr viel durch das Schauen von Kurzfilmen im Fernsehen gelernt", erinnert sich Tömmel, während er in seinem Fundus nach weiteren Schätzen sucht. Auf seinen Reisen, die ihn buchstäblich um die halbe Welt führten, brachte er neben unzähligen Bildern und Filmen vor allem einen reichen Schatz an Erfahrungen mit, den er in seine Produktionen mit einfließen ließ.

Bis Anfang der 80er-Jahre drehte Tömmel kurze Filme, von denen uns unter anderem Bilder der 650-Jahr-Feier in Bad Ems und der Wasserspiele in Laurenburg vorliegen. Heute gilt seine Leidenschaft vor allem der Fotografie und deren Nachbearbeitung am Computer. 2009 brachte ihm sein Engagement den bundesweiten Gesamtsieg beim Fotowettbewerb Blende ein. Doch mehr als Preise zählt für ihn der historische Wert, "wenn Jahre vergangen sind, werden Filme oder Fotos am wertvollsten".

Historische Werte verbergen sich auch im Kreis Altenkirchen. In seinem Privatmuseum bewahrt Theo Siemes unzählige Kameras von 1928 bis in die Gegenwart auf – eine Zeitreise durch die Filmtechnik. Ursprünglich aus Dinslaken am Niederrhein, verschlug es den ehemaligen Verkaufsleiter über Umwege nach Rheinland-Pfalz, wo er sich vor rund 20 Jahren niederließ. Auch bei Theo Siemes entflammte die Leidenschaft für den Film in der Jugend: "Auf dem Heimweg von meiner Ausbildungsstelle kam ich immer an einem Fotogeschäft vorbei. In der Auslage lag eine Filmkamera, die mich vom ersten Moment an faszinierte", erinnert er sich, während er eine Kamera nach der anderen aus den Regalen nimmt und von der feinen Mechanik schwärmt, die auch heute noch tadellos funktioniert. Unterstützt durch seine Eltern, konnte er sich mit 15 Jahren die erste Kamera anschaffen und blieb seiner Leidenschaft bis heute treu.

Erinnerungen für die Nachwelt

Doch noch mehr als das Filmen selbst faszinierte Theo Siemes stets die Technik, sodass er sich im Laufe der Jahrzehnte nicht nur eine beträchtliche Sammlung, sondern auch enormes Fachwissen aneignete. Heute beschränkt er sich mit Ausnahme weniger Ereignisse vor allem auf das Digitalisieren seiner alten Filmaufnahmen – Erinnerungen an Zeiten und Menschen. Aufnahmen, mit denen er jenen, die noch leben, eine Freude machen will. Dabei schweift sein Blick wieder ab und bleibt auf den Schätzen in den Regalen haften. Was wohl aus seiner Sammlung werden soll, fragt er sich laut, denn in seinem Umfeld gibt es niemanden, der seine Leidenschaft teilen würde.

Von unserem Reporter Benjamin Stöß

Panorama
Meistgelesene Artikel