Der designierte SPD-Chef und künftige Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz, am Sonntag in Berlin.
Gabriel demonstrierte Samstag vor einer Woche in Koblenz, anschließend fiel in Montabaur die Entscheidung: Martin Schulz soll sein Nachfolger als Parteichef und Kanzlerkandidat der SPD werden.
Just nach der Demonstration vorvergangenen Samstag hatten sich Gabriel und Schulz in Montabaur getroffen. Wie der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe berichtete, reiste Schulz aus seiner Heimat Würselen bei Aachen in das 90 Autominuten entfernte Montabaur in dem Glauben an, Außenminister zu werden – und fuhr kurz darauf als designierter Parteichef und Kanzlerkandidat zurück. „Ich mache es nicht“, eröffnete laut „Spiegel“ Gabriel auf Schloss Montabaur das Gespräch, „Du bist der Kandidat“, zitiert ihn das Magazin weiter. Zwei Stunden soll das Gespräch gedauert haben. Es wurde Stillschweigen vereinbart, weil zunächst andere SPD-Größen über die Absprache informiert werden sollten. Gabriel fuhr aus Montabaur weiter in seine Heimat nach Goslar, er gab dort am Sonntag dem „Stern“ ein, wie sich herausstellen sollte, denkwürdiges Interview.
Am Dienstag wurde die Personalie schließlich bekannt, als der um einen Tag vorgezogene „Stern“ mit seinem Titel „Der Rücktritt“ und dem Exklusivinterview mit Gabriel an die Kioske kam. „So eine Scheiße“, soll Gabriel laut „Spiegel“ gerufen haben, als die Nachricht über einen Branchendienst vorzeitig verteilt wurde. „So kann man mit den Gremien nicht umgehen“, kritisierte Fraktionschef Thomas Oppermann, wie die Verabredung aus Montabaur in die Öffentlichkeit gelangte.Wortspiel mit „Petry“ während der Demonstration in Koblenz – nicht das einzige, das an diesem Sonntag in Berlin zitiert wurde.
An diesem Sonntag aber präsentierten sich die SPD-Granden in Berlin wieder in Freundschaft vereint. Und einmal mehr zitierte Gabriel, der in Rheinland-Pfalz gelegentlich eine Verwandte besucht, ein Plakat von der Demonstration aus Koblenz: „Petri heil muss Anglergruß bleiben“, sagte er in Berlin unter dem Gelächter der Genossen – eine Anspielung auf AfD-Chefin Frauke Petry, die sich in Koblenz beim Treffen der europäischen Rechten für den Bundestagswahl 2017 positioniert hatte.
Von unserem Redakteur Marcus Schwarze