Gewinnt der Verband mit bundesweit gut 1000 Moscheegemeinden damit wieder verlorenes Vertrauen zurück? Bund und Länder fordern schon länger vehement eine Loslösung von der Türkei. Die Imame der Ditib werden bislang aus der Türkei entsandt und allesamt von der Religionsbehörde Diyanet in Ankara bezahlt. Von den derzeit 1100 hierzulande tätigen Religionsbeauftragten sprechen laut Ditib gut 110 deutsch. Nun sollen sukzessive die Imame „made in Germany“ hinzukommen. Vor einem Jahr hatte der Verband Reformen versprochen, war aber Belege dafür zunächst schuldig geblieben.
Jetzt also die neue Ausbildung, und der Bund reichte dazu am Donnerstag die ausgestreckte Hand. Staatssekretär Markus Kerber aus dem Bundesinnenministerium lobte: „Damit wird eine Alternative zur Entsendung der Imame aus der Türkei geschaffen.“ Es sei „ein wichtiger, aber nur ein erster Schritt“. Und ob er „historisch“ sei, müsse sich erst noch erweisen. Offen bleibe etwa: Wo werden die Imame eingesetzt? Und werden sie zumindest mittelfristig von den Gemeinden in Deutschland selbst bezahlt – und nicht von Diyanet?
Wie sieht das neue Konzept aus? Erstellt hat es allein die Ditib-Akademie, wie deren Leiterin Seyda Can schilderte. Vor allem praxisorientiert soll es zugehen, also viel Einsatz in einer Moscheegemeinde. In Dahlem absolvieren die zwölf Frauen und zehn Männer ihre Theoriewochen, „überwiegend“ auf Deutsch, sagte Can. Es gebe auch externe Referenten und Dozenten deutscher Hochschulen.
Auf dem Ausbildungsprogramm stehen islamisches Recht, der Koran, deutsches Religionsverfassungsrecht, Redekunst und auch gesellschaftliche Themen wie antimuslimische Ressentiments – alles, was auf die Rolle des Vorbeters, Seelsorgers und Gemeindepädagogen vorbereitet. Die Ausbildung zahlt Ditib. Man sei auch offen für Absolventen der Islamischen Theologie aus deutschen Hochschulen, hieß es. Unter den ersten 22 Neuen haben aber 18 in der Türkei studiert.
