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Nanu?! Warum ist Mainz die "goldene Stadt"?

In unserer neuen Serie "Nanu?!" gehen wir rheinland-pfälzischen Legenden, Eigenarten und Besonderheiten auf den Grund. Den Auftakt macht unsere Landeshauptstadt Mainz mit ihrem Spitznamen "goldene Stadt".

Rheinland-Pfalz – Warum werden die Menschen in Alf an der Mosel auch Bachspautzer genannt? Wieso hängen im Koblenzer Stadtteil Metternich Eulen an den Häusern? Und wie kommt Mainz zu dem Beinamen „goldene Stadt“? Diesen und anderen rheinland-pfälzischen Kuriositäten wollen wir in unserer neuen Serie „Nanu?!“ auf den Grund gehen. Hier in ihrer Zeitung und mit kurzen Videos im Internet.

Den Auftakt macht unsere Landeshauptstadt. Mainz ist Fastnachtshochburg, Universitätsstadt, Domstadt – Titel, die keiner Erklärung bedürfen. Mainz wird aber auch „goldene Stadt“ genannt, ein Spitzname, den sie sich mit den Metropolen Rom und Prag teilt. Wieso das so ist – wir haben uns auf Spurensuche gemacht:
Es ranken sich viele Geschichten um Mainz' Beinamen „goldene Stadt“. So schreibt zum Beispiel Filmregisseur Ludwig Berger, der seine Kindheit in Mainz verbracht hat, in seinen Erinnerungen, die Sonne habe die Stadt immer in ein wunderschön goldenes Licht getaucht.

Tatsächlich hat der Begriff „goldenes Mainz“ mit der Sonneneinstrahlung aber gar nichts zu tun. Er stammt aus dem Mittelalter. Damals, im 10. und 11. Jahrhundert bekam die Stadt immer wieder Ehrentitel. „Sie wurde auch ‚Diadem des Reiches’ oder ‚goldenes Haupt des Reiches’ genannt“, weiß Wolfgang Dobras, der Direktor des Stadtarchives in Mainz. Auch der Begriff „goldenes Mainz“ ist ein solcher Ehrentitel.

„Goldenes Mainz, auf lateinisch ‚aurea Moguntia’, taucht erstmals um 1150 auf dem Mainzer Stadtsiegel auf“, erklärt Dobras, die Jahrhunderte alte Archivale aus Wachs in den behandschuhten Händen. Darauf zu sehen ist der Patron der Stadt Mainz und der Kirche, der heilige Martin. Er sitzt umgeben von Säulen und Bögen auf einem Thron. „Aurea moguntia romane ecclesie specialis filia“ steht um dieses Siegelbild herum geschrieben. Übersetzt: Goldenes Mainz, der römischen Kirche besondere Tochter. Eine Anspielung auf das goldene Rom.

„Die Mainzer beanspruchten die Stellung, die Rom für das christliche Universum innehatte, für Mainz in Bezug auf Germanien“, sagt Wolfgang Dobras. Schließlich war Mainz Sitz des bedeutendsten Kirchenfürsten im Reich, des Mainzer Erzbischofs. Er hatte die größte Kirchenprovinz Europas und war auf dem Kontinent nach dem Papst der zweithöchste Mann in der Kirche. Gleichzeitig war er auch Reichserzkanzler, krönte und weihte die Könige, und war damit auch der zweitmächtigste Mann im Reich nach dem König.

Die Mainzer Bürger erfüllte das derart mit Stolz, dass sie ihre Heimat genau wie das große Rom „goldene Stadt“ nannten – und den Titel auf das Stadtsiegel druckten.

Von unserer Redakteurin Anna Lampert


Ist Ihnen in ihrer Heimat etwas aufgefallen? Haben Sie etwas gesehen, gelesen oder gehört, dass wir Ihnen in unserer Serie „Nanu?!“ erklären sollen? Schreiben Sie uns Ihre Fragen per Mail an nanu@rhein-zeitung.net

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