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Mainz bändigt das Hochwasser

Mainz – Es bedarf nur einiger weniger Handgrifft, dann wird die Mauer immer kleiner. Nach einigen Stunden ist sie komplett verschwunden. Und genau so flott ist sie wieder aufgebaut.

Wenn der Rhein bedrohlich nahe rückt, kann die mobile Hochwasserschutzmauer am Winterhafen in wenigen Stunden aufgebaut werden.
Wenn der Rhein bedrohlich nahe rückt, kann die mobile Hochwasserschutzmauer am Winterhafen in wenigen Stunden aufgebaut werden.
Foto: Harry Braun

Mainz – Es bedarf nur einiger weniger Handgriffe, dann wird die Mauer immer kleiner. Nach einigen Stunden ist sie komplett verschwunden. Und genau so flott ist sie wieder aufgebaut.

Doch das, so hoffen die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne), der Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) und die Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne), soll möglichst nicht passieren.

Denn die neue Wand, die am Mittwoch zwischen Ruderverein und Dagobertstraße zur öffentlichen Präsentation aufgebaut wurde, dient dem Hochwasserschutz.

7,95 Meter im Jahr 1882

Von Überflutungen, wie sie die Anwohner des Mittelrheins oder der Mosel alljährlich erdulden müssen, bleiben die Mainzer zwar weitgehend verschont. Aber schlimmes Hochwasser hat es in der Gutenbergstadt durchaus schon gegeben. Jeanette Wetterling, Vorstand des Mainzer Wirtschaftsbetriebes, hat in den Archiven genau nachgeschaut: 1882 erreichte der Rhein eine Pegelhöhe von 7,95 Meter. Mehr als 100 Jahre später, 1988, stand der Fluss fast genauso hoch: 7,70 Meter im Jahr 1980.

"Wir müssen also erneut damit rechnen, dass das Wasser in diese kritische Höhe kommt, sagt die Vorstandsfrau der Wirtschaftsbetriebe. Das stadtnahe Unternehmen hat den Bau der neuen Schutzmauer geplant und gesteuert.

Die 630 Meter lange mobile Mauer ist der zweite Abschnitt eines Hochwasserschutzprogrammes für Mainz. In Weisenau gibt es bereits eine Spundbohlenwand. Im Gegensatz zu ihr ist der neue Wall am Winterhafen im Normalfall überhaupt nicht da. Er wird nur aufgebaut, wenn akutes Hochwasser droht. Und das geht ganz schnell. Einen halben Tag haben die Arbeiter des Wirtschaftsbetriebes gebraucht. Wer heute die Wand begutachten will, hat kein Glück. Sie ist schon wieder weg.

Nur ein Stahlbetonbalken im Boden deutet den Verlauf der Mauer zwischen Ruderverein und Malakoffpark an. Im Abstand von drei Metern sind Verankerungselemente mehr als einen Meter tief in die Erde eingelassen.

Wenn der Rhein bedrohlich nahe rückt, werden Leichtmetallpfosten mit U-förmigen Halterungen auf die Ankerplatten gesetzt. Zwischen die kommen Dammbalken mit Dichtungsprofilen. Die vollständig wasserdichte Schutzwand ist am Ende 1,30 Meter hoch.

Während der gesamten Bauzeit konnte die Straße "Am Winterhafen" von Anliegern und Lieferanten genutzt werden.

Wand kostet 1,2 Millionen Euro

Zehn Jahre hat es gedauert vom Einreichen der Genehmigungsunterlagen im Juli 2002 bis zur Vollendung am Mittwoch. 1,2 Millionen Euro hat der Hochwasserschutz gekostet. 90 Prozent davon trägt das Land Rheinland-Pfalz.

Vor allem das künftige Wohngebiet am Winterhafen soll so vor Überflutungen geschützt werden. Auch das Bootshaus des Rudervereins gehört nun zur hochwasserfreien Zone. Schrittweise wollen Land und Stadt auch das weitere Rheinufer vor den ausufernden Fluten des Rheines sichern. Thomas K. Slotwinski

Mainz
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