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Pro: Brustkrebs-Screening ist sinnvoll

Inzwischen erkranken jährlich 70.000 Frauen in der ganzen Bundesrepublik an Brustkrebs. Mehr als 17.000 Frauen sterben jährlich daran. Von dem Mammografie-Screening als Früherkennungsuntersuchung für die Frauen der Altersgruppe 50 bis 69 Jahre verspricht man sich eine Senkung der Sterblichkeit in dieser Gruppe von 20 bis 25 Prozent.

„Rund 80 Prozent der entdeckten Karzinome sind kleiner als zwei Zentimeter. So kann ein Brustkrebs oft schonender behandelt werden. Das bringt den Betroffenen sehr viel Lebensqualität und spart viel Leid und Kosten.“ Dr. Toni Vomweg, verantwortlicher 
Arzt des Mammografie-Screening-
Programms Mittelrhein.
„Rund 80 Prozent der entdeckten Karzinome sind kleiner als zwei Zentimeter. So kann ein Brustkrebs oft schonender behandelt werden. Das bringt den Betroffenen sehr viel Lebensqualität und spart viel Leid und Kosten.“ Dr. Toni Vomweg, verantwortlicher 
Arzt des Mammografie-Screening-
Programms Mittelrhein.

Von Dr. Toni Vomweg

Inzwischen erkranken jährlich 70.000 Frauen in der ganzen Bundesrepublik an Brustkrebs. Mehr als 17.000 Frauen sterben jährlich daran. Von dem Mammografie-Screening als Früherkennungsuntersuchung für die Frauen der Altersgruppe 50 bis 69 Jahre verspricht man sich eine Senkung der Sterblichkeit in dieser Gruppe von 20 bis 25 Prozent. Das heißt: Eine von fünf Frauen stirbt nicht an den Folgen von Brustkrebs. Da Frauen auch vor oder nach dem Alter, in dem das Screening angeboten wird, erkranken können, ergibt die Hochrechnung, dass etwa 2000 Frauen im Jahr weniger an Brustkrebs sterben könnten, wenn alle am Screening teilnähmen.

Die frühe Erkennung kleiner Tumore bietet auch vielen Frauen Vorteile, welche ohnehin nicht an ihrer Erkrankung sterben würden: Im Mammografie-Screening werden Karzinome sehr viel häufiger in einem frühen Stadium gefunden als vor Einführung des Screenings. Rund 80 Prozent der entdeckten Karzinome sind kleiner als zwei Zentimeter, also in der Regel noch nicht tastbar, und die Lymphknoten sind meist noch nicht befallen. So kann ein Brustkrebs oft schonender behandelt werden, zum Beispiel durch eine kleinere Operation oder durch den Verzicht auf eine Chemotherapie. Das bringt den Betroffenen sehr viel Lebensqualität und spart viel Leid und Kosten.

Durch die Einführung des qualitätsgesicherten Screening-Programmes hat die Diagnostik einen Sprung nach vorn gemacht: Vor Einführung des Mammografie-Screenings wurden in Deutschland jedes Jahr rund vier Millionen Mammografien durchgeführt ohne eine gleichwertige Qualitätskontrolle. Der Bundestag hielt im Jahre 2002 fest: Die damalige Situation führte zu "vielen nicht notwendigen Operationen" und beschloss dann die Einführung des qualitätsgesicherten Mammografie-Screening-Programms.

Zwischenzeitlich hat sich die Situation dadurch deutlich gewandelt. Mammografien werden heute zum großen Teil von denselben Einrichtungen durchgeführt, die auch das Mammografie-Screening anbieten. Hier erstellen dieselben gut geschulten Arzthelferinnen die Screening-Aufnahmen, aber auch alle anderen Mammografien. Die im Screening tätigen Ärzte befunden jedes Jahr weit mehr als 5000 Mammografien. Sie sind meist hoch spezialisiert auf jede Form der Brustdiagnostik. Durch den Einsatz von schonenden Biopsiemethoden können diese Ärzte fast jeden unklaren Befund ohne eine Operation klären. Unnötige Operationen sind zwölf Jahre nach dem Bundestagsbeschluss in den zertifizieren Brustzentren eine Seltenheit geworden. Durch das Screening wurden auch die alten Film-Mammografie-Geräte abgeschafft und durch moderne digitale Mammografien ersetzt. Deren Bilder sind viel besser bei gleichzeitig verringerter Röntgendosis. In dieser "allgemeinen Qualitätsverbesserung" liegt ein unschätzbarer Vorteil für alle anderen Frauen außerhalb des 50. bis 69. Lebensjahres, sollten sie eine Mammografie oder andere Diagnostik benötigen.

Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen verbessert

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit wurde weiter gestärkt: Durch das Screening-Programm wurden wöchentliche Konferenzen zwischen Radiologen, Pathologen und den Operateuren in zertifizierten Brustzentren vorgeschrieben. Dadurch sollen Fehler bei der Interpretation der Biopsien vermieden werden und die Informationen sicher beim behandelnden Krankenhausarzt ankommen. Diese Konferenzen haben sich längst zu einer der wichtigsten Schnittstellen zwischen der ambulanten Medizin und dem weiterbehandelnden Krankenhaus entwickelt. Dadurch wurde die Kommunikation unter den Ärzten für alle Brustpatientinnen verbessert.

Jede medizinische Maßnahme hat gleichzeitig Vor- und Nachteile, egal, ob es die einfache Einnahme eines Medikamentes, oder die Teilnahme an einer Früherkennung ist. Lange Jahre wurden die Vorteile einer Screening-Teilnahme zu positiv kommuniziert. Manche Frauen sind heute noch der Meinung, dass durch eine Teilnahme am Screening-Programm ein Brustkrebs verhindert werden kann. Dies ist selbstverständlich falsch. Das Screening bietet nur die Chance, einen Tumor früher zu erkennen. Die Methode Mammografie ist bei Weitem nicht perfekt. So können Tumore übersehen werden, auch kommt das Screening nicht für jede Frau zum richtigen Zeitpunkt, denn zwei Jahre sind ein langes Intervall.

Für manche Frauen ist die Diagnose eines Brustkrebses gar unnötig, weil sie ohnehin nicht daran gestorben wären, zum Beispiel weil sie einige Jahre danach aus einem anderen Grund sterben. Dies nennt man Überdiagnose oder Übertherapie. Leider können die Ärzte das zum Zeitpunkt der Diagnose nicht wissen. Hierüber wird aktuell besonders häufig negativ berichtet. Wie bei jeder anderen Früherkennungsmaßnahme müssen viele Frauen teilnehmen, damit ein Menschenleben gerettet werden kann. Trotz all dieser berechtigten Kritik funktioniert die Methode unter dem Strich jedoch. Dies erleben alle Beteiligten im Screening und die Operateure in den zertifizierten Brustzentren in der Region Mittelrhein jeden Tag aufs Neue. Wir möchten nicht zu den alten Verhältnissen vor dem Mammografie-Screening zurückkehren.

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