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    Greifswald

    Interview: Wie die Hilfe koordiniert wird

    Not bekämpfen, Menschen helfen - das ist das Ziel der Hilfsorganisationen in Katastrophenregionen wie Nepal. Doch häufig mangelt es an Koordination. "Machtfragen und politische Interessen sind nicht zu unterschätzen", sagt der Politikwissenschaftler Malte Schönefeld. Er forscht an der Universität Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) unter anderem zum Thema Bevölkerungsschutz.

    Malte Schönefeld: Der Bevölkerungsschutz- Forscher meint, beim Einsatz der Retter in Nepal müssen die Vereinten Nationen steuern, sonst kommen sich Helfer in die Quere.
    Malte Schönefeld: Der Bevölkerungsschutz- Forscher meint, beim Einsatz der Retter in Nepal müssen die Vereinten Nationen steuern, sonst kommen sich Helfer in die Quere.
    Foto: dpa

    Herr Schönefeld, die Lage in Nepal wird immer wieder als chaotisch beschrieben, vor allem beim Transport der Hilfsgüter.

    Die Logistik ist ein Problem. Flughäfen sind ein Nadelöhr mit begrenzten Kapazitäten, gerade in armen Ländern. Teilweise wurden jetzt Teams, die bereits in der Luft waren, nach Indien umgeleitet und sind dort nun geparkt. Mittlerweile akzeptiert Nepal keine eintreffenden Such- und Rettungsteams mehr. Es ist außerdem ganz wichtig, dass die großen Such- und Rettungsteams eine gewisse Zeit autark agieren können. So schreiben es die Vereinten Nationen (UN) vor. Um der Bevölkerung nicht zusätzlich zur Last zu fallen, müssen sie einiges mitbringen: Treibstoff für Fahrzeuge, Aggregatoren und schweres Gerät etwa oder Nahrungsmittel und Wasser für mindestens sieben Tage und etwa 60 Personen. Insbesondere staatliche Teams können dies leisten, zum Beispiel das THW oder aus dem Militär heraus geführte Teams wie in Spanien oder Österreich. Es gibt jedoch auch Vereine, die dies bewerkstelligen, etwa I.S.A.R. Germany.

    Warum können sich die großen Hilfsorganisationen denn häufig untereinander nur so schwer koordinieren?

    Nach einem solchen Erdbeben ist die Situation vollkommen chaotisch. In der Frage der Priorisierung von Hilfsmaßnahmen spielt auch eine Rolle, wer in der Bevölkerung - im übertragenen Sinne - noch am lautesten schreien kann. Das sind dann aber nicht die wirklich Hilfsbedürftigen. Machtfragen und politische Interessen sind nicht zu unterschätzen. Für eine erfolgreiche Hilfe ist aber Koordination notwendig. Sonst gibt es auf der einen Seite Lücken in der Hilfeleistung und auf der anderen Überlappungen.

    Was sind die größten Schwierigkeiten für Helfer?

    Die prekäre humanitäre Lage mit all dem Leid der nepalesischen Bevölkerung ist psychologisch äußerst belastend. Die Helfer sind darauf vorbereitet. Trotzdem muss auf jeden Fall eine Nachsorge stattfinden. Sonst kann es zu posttraumatischen Belastungsstörungen kommen.

    Wer kann da noch den Überblick behalten?

    Die UN und auch die EU unterhalten einen Pool internationaler Experten zur schnellen Lagebeurteilung. Diese Experten haben wirklich das ganze Jahr über einen dicken, gepackten Rucksack zu Hause und können daher innerhalb von 24 Stunden nach Aktivierung am Zielort sein. Sie achten gemäß dem sogenannten Cluster-Ansatz auf Kernsektoren und geben dies in Koordinierungstreffen teils mehrmals täglich an die Hilfsorganisationen weiter. Die Cluster sind unter anderem: Wasser/Sanitär/Hygiene, Lagerbau, Schutz der körperlichen und seelischen Integrität, Ernährung, Logistik, Gesundheit, Telekommunikation, Bildung und so weiter.

    Die Fragen stellte Christof Bock

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