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Wiesbaden

Wieder mehr Babys in Deutschland – Elterngeld und Krippen sei dank?

dpa

Es gibt wieder mehr Babys in Deutschland. Die Geburtenrate ist 2014 im dritten Jahr in Folge gestiegen und hat den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung erreicht, dies berichtet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden.

Foto: dpa

„Das ist eine spannende Entwicklung, die eine Trendwende ankündigen könnte“, stellen Wissenschaftler des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) fest.

Als Gründe nennen Fachleute das Elterngeld, den Ausbau der Kinderbetreuung und den Bewusstseinswandel bei manchem Arbeitgeber. Karin Jurczyk vom Deutschen Jugendinstitut mahnt jedoch: „Bei allem Jubel schrumpft die Bevölkerung weiter.“

„Vorausberechnungen gehen zudem davon aus, dass sich ab 2020 der Rückgang wieder forciert, wenn es weniger Frauen im gebärfähigen Alter gibt“, sagt Jurczyk. Jürgen Dorbritz vom BiB stellt fest: „Auf die Bevölkerungsentwicklung haben 3000 oder 4000 Geburten mehr keinen Einfluss, schon gar nicht, wenn eine Millionen Flüchtlinge kommen.“ Rund 715 000 Babys erblickten im Jahr 2014 in Deutschland das Licht der Welt, mehr waren es zuletzt vor zwölf Jahren (rund 719 000).

„Der internationale Vergleich zeigt, dass Familienpolitik bei der Geburtenhäufigkeit eine Rolle spielt“, betont Martin Bujard vom BiB. „Überraschend ist, dass dies so schnell wirkt“, ergänzt sein Kollege Dorbritz. Denn: „Familienpolitische Maßnahmen greifen langsam“, sagt Sebastian Klüsener vom Max-Planck-Institut für demographische Forschung in Rostock. „Das braucht Zeit, Eltern müssen erst einmal gute Erfahrungen machen.“

Wichtig für potenzielle Eltern seien verlässliche Rahmenbedingungen, meint auch Jurczyk. „Insofern könnten das Elterngeld und der Ausbau der Kinderbetreuung trotz etlicher Mängel ein Grund für den Anstieg bei den Geburten sein.“ Möglicherweise hätten sich gerade 2014 auch einige Frauen Hoffnung auf das Betreuungsgeld gemacht. Zur staatlichen Familienpolitik kämen aber auch die Arbeitgeber. „In einigen Unternehmen ist es angekommen, dass man etwas dafür tun muss, die Vereinbarkeit vor Ort zu verbessern, wenn man qualifizierte Frauen bekommen will.“

Wie wichtig Unterstützung für Eltern und gute Angebote der Kinderbetreuung seien, zeigten die Nachbarländer Dänemark und Belgien, sagt Klüsener: „Nur 100 Meter hinter der Grenze ist die Geburtenrate deutlich höher.“ In Deutschland zeige sich jetzt wie in anderen Regionen Europas, dass die Geburtenrate in hoch entwickelten Gebieten und Städten steige, während sie in weniger entwickelten zurück falle. „Das war lange Zeit umgekehrt.“

Jurczyk mahnt jedoch, „das massive Vereinbarkeitsproblem von Beruf und Familie bei aller Freude über mehr Geburten im Hinterkopf zu behalten“. Vor allem auf dem Land sei dies wegen der schlechteren Infrastruktur und langen Wegezeiten schwierig; in den Großstädten oft „wahnsinnig teuer“. „Ab dem 3. Kind schnellt das Armutsrisiko massiv nach oben.“ Und: „Die Mittelschicht bleibt höchstens beim zweiten Kind.“

„Bei den Akademikerinnen ist der Anstieg der Kinderlosigkeit gestoppt“, sagt Bujard. Es gebe allerdings Anzeichen dafür, dass die Kinderzahl bei Frauen sinke, die eine Lehre oder Ausbildung gemacht haben, ergänzt sein Kollege Dorbritz. Studien zeigten, dass vor allem verheiratete Paare und niedrig Qualifizierte deutlich mehr Kinder bekämen, sagt Jurczyk. Die Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen habe ein sehr hohes Niveau erreicht. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei gerade in Karriere-Jobs „wegen der Verfügbarkeits-Anforderungen“ noch immer sehr schwierig.

Soziologe Harald Rost vom Bamberger Staatsinstitut für Familienforschung führt den Anstieg der Geburtenrate auch darauf zurück, dass viele Frauen über 30 ihren aufgeschobenen Kinderwunsch doch noch verwirklicht haben. „Das Nest muss gemacht sein. Dann wird an Kinder gedacht.“

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