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    Tag des inhaftierten Schriftstellers: Verfolgung kritischer Blogger

    Um kritische Autoren mundtot machen zu können, gehen autoritäre Staaten nach Ansicht der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland verstärkt gegen Veröffentlichungen im Internet vor.

    Das Internet spielt gerade in den Ländern eine große Rolle, in denen die freie Meinungsäußerung unterdrückt wird. Deshalb geraten laut Autoren-Vereinigung PEN zunehmend Blogger ins Visier. Illustration: Svenja Wolf
    Das Internet spielt gerade in den Ländern eine große Rolle, in denen die freie Meinungsäußerung unterdrückt wird. Deshalb geraten laut Autoren-Vereinigung PEN zunehmend Blogger ins Visier. Illustration: Svenja Wolf
    Foto: olly – Fotolia

    Besonders rigoros seien China und Vietnam, sagt PEN-Präsident Josef Haslinger (58) zum heutigen Tag des inhaftierten Schriftstellers.

    In welchen Ländern werden Autoren am meisten unterdrückt?

    In Syrien ist die Situation in diesem Jahr unüberschaubar geworden. Spitzenreiter ist aber nach wie vor China. Dort sitzt der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo in Haft, des Weiteren mindestens 40 namentlich bekannte Schriftsteller, Journalisten und Blogger, unter ihnen Kunchok Tsephel Gopey Tsang, der eine 15-jährige Haftstrafe verbüßt für das Verbrechen, eine tibetanische Internetseite betrieben zu haben. Von den europäischen Ländern haben Weißrussland und die Türkei den schlechtesten Menschenrechtsstatus. In Weißrussland wurde gerade der bedeutendste Literaturverlag, Lohvinau, geschlossen, und die diesjährige Friedenspreisträgerin Swetlana Alexijewitsch darf dort ihre weltweit übersetzten Bücher noch immer nicht veröffentlichen.

    Wie steht es um die Freiheit von Internetautoren?

    Die Probleme der Blogger nehmen weltweit zu, vor allem auch erneut in China, Vietnam und den arabischen Ländern. In der Türkei wurde beispielsweise Fazil Say wegen Religionsbeleidigung verurteilt, weil er literarische Texte getwittert hat. Und im Iran hoffen die inhaftierten Blogger jetzt auf eine Klimaänderung durch den neuen Präsidenten Hassan Ruhani. Noch sind das aber nur Hoffnungen. Blogs sind eine neue Form der literarischen Kommunikation, aber auch der politischen Meinungsbildung geworden.

    Was sind das für Schriftsteller? Die klassischen Buchautoren?

    Das sind Autoren, die unter Umständen noch nie ein Buch veröffentlicht, womöglich auch noch nie einen Artikel für eine Zeitung geschrieben haben. Sie werden wegen ihrer Meinungsäußerungen im Internet belangt.

    Was macht das Besondere an den Blogs aus?

    Die Sprache ist meist lockerer, näher an der gesprochenen Sprache. Die Publikationshürden sind gering. Blogger versuchen, mit ihren Lesern ins Gespräch zu kommen. Die Foren sind tatsächlich wirkungsmächtig und meinungsbildend geworden. Der Arabische Frühling hat es gezeigt. Und jetzt zeigen arabische Geheimdienste, wie man die Blogger kassiert. Die Repressalien gegen Blogger sind nicht zufällig.

    Wie sehen Unterdrückungen aus?

    Internetseiten werden gehackt und mit Firewalls abgeschirmt. Die Autoren werden attackiert, verhört, inhaftiert. Es werden ihnen die Pässe weggenommen, sie werden unter Hausarrest gestellt – oft auch die Familienangehörigen. Berichte über Folter gibt es aus vielen Staaten, aus Nordkorea, China, Vietnam, auch aus der Türkei. Und bekanntlich lässt sich selbst die CIA immer wieder neue Foltermethoden einfallen.

    Von Joachim Bayer

     

    Verhaftet, aber nicht vergessen: Zum Schweigen gezwungene Autoren hinter Gittern

    2012 wurden weltweit mindestens 44 Autoren ermordet. Mehr als 800 Schriftsteller, Journalisten oder Verleger wurden misshandelt oder eingesperrt – wir nennen einige Beispiele:

    Dieudonné Enoh Meyomesse
    Kamerun: Der Schriftsteller und politische Aktivist kritisierte den autoritären Führungsstil des seit 1982 herrschenden Präsidenten Paul Biya. Ende 2011 wurde er nach seiner Rückkehr von einer Auslandsreise festgenommen. Der Vorwurf: bewaffneter Raubüberfall und illegaler Goldhandel. Im Dezember 2012 wurde der Autor zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt.

    Liu Xiaobo
    China: Der Friedensnobelpreisträger von 2010 war 2009 wegen „Verbreitung von Gerüchten, Anstiftung zur Untergrabung der staatlichen Ordnung und versuchten Umsturzes des sozialistischen Systems“ zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er ist Mitverfasser der „Charta 08“, in der demokratische Reformen gefordert werden. Der Literaturwissenschaftler saß nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking 1989 jahrelang in Gefängnissen und Arbeitslagern.

    Abdullahi-Hussein Darwish
    Somalia: Der Journalist einer Zeitung im Norden des ostafrikanischen Staates landete im April 2012 für unbekannte Dauer hinter Gittern. Begründung: die „Verbreitung falscher Nachrichten“.

    Man Sonando
    Kambodscha: Der Radio-Journalist hatte Landraub und Korruption in dem südostasiatischen Land angeprangert. Im Juni 2012 warf ihm Regierungschef Hun Sen öffentlich vor, hinter einer Separatisten-Bewegung in der Grenzprovinz Kratie zu stecken. Ein Gericht Sonando verurteilte ihn wegen Aufruhr zu 20 Jahren Haft.

    Hilal Mamedov
    Aserbaidschan: Der Chefredakteur der „Talyshi Sado“ (Stimme der Talyschen) vertritt die Interessen der Minderheit der Talyschen im Süden der Kaukasusrepublik. Aserbaidschanische Regierungsvertreter hatten kritisiert, Mamedov untergrabe mit seinen Artikeln die Sicherheit des Landes. Seit Juni 2012 ist der Journalist inhaftiert, unter anderem wegen Hochverrat und Anstiftung zum Rassenhass.

    José Antonio Torres
    Kuba: Der Korrespondent der Regierungszeitung „Granma“ wurde im Februar 2011 eingesperrt, nachdem er über Misswirtschaft in staatlichen Großprojekten berichtet hatte. Im Juli 2012 wurde Torres wegen Spionage zu 14 Jahren Haft verurteilt.

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