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Koblenz

Die Hallenorgel bricht endlich ihr Schweigen

Sie ist wieder da: Nach vier Jahre dauerndern Sanierung wird die Orgel der Rhein-Mosel-Halle – eine der größten Profanorgeln Deutschlands – wieder in Betrieb genommen. Am Freitag, 17. Oktober, steigt ein großes Orgelfest.

Mit 5676 Pfeifen handelt es sich bei der Orgel der Rhein-Mosel-Halle zum eine der größten Orgeln in Profanbauten in ganz Deutschland. Sie wird nach vier Jahre dauernder Sanierung am Freitag öffentlich vorgestellt. Foto:  Thomas Frey
Mit 5676 Pfeifen handelt es sich bei der Orgel der Rhein-Mosel-Halle zum eine der größten Orgeln in Profanbauten in ganz Deutschland. Sie wird nach vier Jahre dauernder Sanierung am Freitag öffentlich vorgestellt.
Foto: Thomas Frey

Koblenz. Beim zweiten Anrechtskonzert war es schon Pausengesprächsthema: Sie ist wieder da. Sichtbar mit gewaltigen kupferfarbenen Pfeifenprospekten links und rechts der Bühnenempore ist die Orgel der Rhein-Mosel-Halle wieder zu sehen – und nun auch wieder zu hören. Dazu beigetragen haben Menschen wie Michael Müller. Er hat schon viele Orgeln gereinigt. Aus Instrumenten in Kirchen entfernt er regelmäßig jede Menge Rußreste, sagt der Orgelbaumeister. In der Rhein-Mosel-Halle war ein ein bisschen anders: "Da habe ich auch Konfetti rausgeholt." Er arbeitet für die Firma Hugo Mayer Orgelbau aus Heusweiler im Saarland, die in den vergangenen vier Jahren die Orgel in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz renoviert hat – wo viele Karnevalsfeiern über die Bühne gingen.

Für ihn und Geschäftsführer Stephan Mayer ist das etwas Besonderes. "Es ist eine der größten Konzertsaalorgeln in Deutschland", sagt Mayer. Die Orgel umfasst 5676 Pfeifen mit einer Größe von 40 Millimetern bis hin zu vier Metern. 71 Register hat das stattliche Instrument aus dem Jahr 1963. Gebaut wurde es von der Lübecker Orgelbauwerkstatt Kemper.

Dass es die Orgel überhaupt gibt gibt, sei vielen Koblenzern gar nicht bekannt, sagt Raimund Lehmkühler, der bei Koblenz Touristik Leiter der Kongresssparte ist. "Das liegt daran, dass sie lange in einem unbespielbaren Zustand war." Kurz nach dem Einbau seitlich der Bühne im Großen Saal war sie von der Sprinkleranlage geflutet worden, einige Jahre später geschah das Missgeschick ein weiteres Mal. Holzelemente quollen auf, und zahlreiche Lederplättchen, die zur Tonsteuerung dienen, wurden hart und porös. "Sie dichten dann nicht mehr ab", erklärt Orgelbauer Müller. Bestimmte Stimmen und Tonkombinationen seien nicht mehr spielbar gewesen.

Wende kam mit Hallenumbau

Auch der noch über zig Stecker analog an die Orgel angeschlossene Spieltisch habe irgendwann nicht mehr richtig funktioniert, sagt Lehmkühler. Die Wende zum Guten kam 2010, als der Umbau der Halle begann. Ein Teil der Orgel wurde eingehaust, andere Bestandteile kamen nach Heusweiler. Dort reinigten die Fachleute Zinnpfeifen in fettlösender Lauge, Holzpfeifen wurden feucht abgewaschen, wie Mayer erzählt. Speziell bei sogenannten Zungenpfeifen müsse auf kleinste Schmutzpartikel geachtet werden, erklärt Müller. Bei dieser Pfeifenart versetzt ein Luftstrom eine Metallzunge in Schwingung, der dadurch entstehende Klang wird mit einem Resonanzkörper verstärkt. "Da liegen teilweise Sandkörner von wenigen Millimetern Größe drin." Diese blockierten die Zunge, und schon komme kein Ton mehr.

"Man steigt tief in das Instrument ein und entwickelt einen Bezug dazu", sagt Geschäftsführer Mayer. Dass man eine Orgel über Jahre hinweg begleite wie in Koblenz, sei selten. Neben der Reinigung und den Reparaturarbeiten ist der Spieltisch auf digitale Technik umgestellt worden. Er ist nun nur noch über ein Datenkabel mit dem Instrument verbunden. In einem Computer – der neuen elektronischen Setzeranlage – können Organisten jetzt Klangfarbenkombinationen speichern und auf Knopfdruck abrufen. Früher mussten dies Registranten (Assistenten) rasch mit der Hand erledigen. "Damit ist das Instrument auf dem Stand moderner Orgeln", sagt Heinz-Anton Höhnen.

Er kennt das gute Stück wie kein anderer, war über Jahre Kustos für die Orgel, spielte auf ihr, wies andere Musiker ein, organisierte den Auf- und Abbau – kurz: Höhnen war eine Art Mädchen für alles. Auch er erinnert sich, wie schwer sie einst vom Wasser beschädigt war. "Fettiger, haftender Staub traf auf Wasser, das war wie Klebstoff", sagt er. Töne seien teilweise nicht mehr sauber zu spielen gewesen. Nun werde wieder alles bestens gerichtet. Stück für Stück wurde die Orgel wieder eingebaut, auch gestimmt wurde sie in wochenlanger Arbeit.

Aus Dornröschenschlaf erwacht

Ausgegeben werden für die ganzen Arbeiten nach Angaben Lehmkühlers rund 175 000 Euro, die Kosten für eine neue Setzerkombination hat der Mittelrhein-Verlag übernommen, in dem diese Zeitung erscheint. Das alle Mittel gut investiert sind, kann man jetzt endlich mit eigenen Augen und Ohren erleben: Am Freitag, 17. Oktober, steigt in der Rhein-Mosel-Halle ein Orgelfest. Dann wird das mächtige Instrument aus seinem langen Dornröschenschlaf erwachen.

Anlässlich der Rückkehr der Orgel als vollumfänglich einsetzbares Instrument soll ein Einblick gegeben werden in ihre Arbeitsweise. Dabei werden die einzelnen Register vorgestellt und auch erklärt, dazu wird in einem Film die Sanierung der Orgel dokumentiert – und natürlich erklingt Musik. Der Koblenzer Organist Manfred Faig und Münsterorganist Jörg Schwab aus Freiburg werden das Spektrum des Instruments ausreizen – etwa mit Stücken von Johann Sebastian Bach, Improvisationen des Loreley-Liedes und Jazz-Songs. Und gemeinsam mit der Rheinischen Philharmonie wird sich die Orgel in Francis Poulencs Orgelkonzert auch im sinfonischen Kontext vorstellen.

Eintrittskarten zum Preis von 10 Euro (ermäßigt 8 Euro) bei der Koblenz Touristik im Forum Confluentes, bei allen Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen sowie an der Abendkasse.

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