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    Wie Pompejiin Weisenau

    Sensationeller Fund in Weisenau: In Nachbarschaft der bekannten römischen Gräberstraße an der Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße legten die Archäologen jetzt eine weitere frei. Sie förderten teils sehr gut erhaltene Grabbeilagen zu Tage.

    Foto: MRZ

    Mainz -  Wenn Marion Witteyer das für Archäologen so große Wort Pompeji ausspricht und dabei noch in eine Baugrube im Mainzer Erdboden blickt, weiß man: Hier hat ein Grabungsteam Sensationelles zu Tage befördert. "Wir haben eine zweite römische Gräberstraße in Weisenau gefunden", flüstert die Leiterin der Mainzer Außenstelle der Landesarchäologie.

    Denn richtig laut sagen möchte sie es am liebsten gar nicht. Denn als Anfang der 90er-Jahre die inzwischen weit über Mainz hinaus bekannte Gräberstraße an der benachbarten Wilhelm-Theodor-Römheldstraße/Ecke Bettelpfad in Weisenau ans Tageslicht befördert wurde, zog dies zahlreiche Grabräuber an. "Und die haben sehr viel kaputt gemacht." Darum hat Witteyer bislang keinen großen Wind um die aktuelle Baustelle gemacht. Doch jetzt rückt sie raus mit ihren Funden und ersten Schlüssen, die man daraus ziehen kann.

    Römer wollten nicht vergessen werden

    So befindet sich die neu gefundene Gräberstraße am Bettelpfad wie schon die erste direkt an der Achse, die die beiden Militärlager auf dem Kästrich und in Weisenau miteinander verband. Die Bestattung der Toten an verkehrsreichen Straßen erklärt sich aus dem Wunsch der Römer, nicht in Vergessenheit zu geraten. Je größer ein Grab war, desto wohlhabender war der Verstorbene zu Lebzeiten. Und man hat den Toten Beigaben mit ins Grab gelegt - und sie gemeinsam verbrannt. Die Überreste verraten einiges über den Alltag der Römer.

    Bislang haben die Archäologen fünf Grabstätten am neuen Fundort freigelegt. Dabei wurden auch einige Gefäße geborgen, die noch unbeschädigt sind: Öllämpchen, Becher, Töpfchen, Knochenreste von tierischen Grabbeilagen. Die Stücke sind noch "fundfrisch", erläutert Witteyer. Also noch voller Dreck und Erde. "Wir gehen noch tiefer", berichtet sie. "Und erwarten noch weitere Gräber."

    Zwei Varianten hat Grabungstechniker Klaus Sukop gefunden. Entweder hat man die Toten auf einem Scheiterhaufen in einer Grube verbrannt oder auf einem Scheiterhaufen auf ebener Erde. Keramik, Früchte, Getreide, das eine oder andere Stück Fleisch hat man den Toten mitgegeben auf ihrem Weg in die Unterwelt. "Dort haben sie nach römischen Vorstellungen eine neue Seinsweise gefunden", erläutert Witteyer. Oft hat man den Toten auch ein Gläschen Parfüm mitgegeben, mit denen man die Knochen weihte. Diese Fläschchen wurden mit der Öffnung nach unten auf die Scheiterhaufen gelegt. Die Reste der verbrannten Leichen hat man in Urnen beigesetzt, manchmal mit den Resten der Beigaben, manchmal ohne.

    Manchen Toten wurde auch Essgeschirr mitgegeben. Wozu? Dies deutet darauf hin, dass es unter den Römern von Mainz womöglich auch den Glauben an eine Wiedergeburt gegeben hat, mutmaßt Witteyer. Auf jeden Fall sei der neue Fund eine Bereicherung für die schon bestehende römische Gräberstraße.

    Kalkbrennofen von gigantischem Ausmaß

    Und noch eine zweite Geschichte am Bettelpfad ist außergewöhnlich: Die Archäologen haben einen Kalkbrennofen gefunden mit einem Durchmesser von drei Metern. "Gigantisch", schwärmt Witteyer. Die Größe lässt darauf schließen, dass sich hier in der Römerzeit eine Mischgegend befand, in der Gewerbe, Wohnungen und eben auch Grabstätten unmittelbar nebeneinander existierten. "Wie in Pompeji", flüstert Witteyer.

    Bislang ist der Ofen bis in zwei Meter Tiefe frei gelegt worden, deutlich zu erkennen sind die beiden Öffnungen zur Erdoberfläche hin. Die Archäologen sind aber noch nicht am Fuß dieses ungewöhnlich großen Brennofens angelangt. "Wir hoffen, dass wir weiter unten Steine finden, die uns Aufschluss darüber geben, was hier vor sich ging." Vielleicht kann man aus diesen Funden auch schließen, was zuerst da war, das Gewerbe oder die Gräber. Oder ob beides gleichzeitig entstanden ist.

    Noch knapp zwei Monate werden die Archäologen hier arbeiten. Danach entsteht hier Wohnbebauung. Bis dahin hoffen Witteyer & Co. nicht nur auf weitere spannende Funde, sondern auch, dass keine Grabräuber kommen.

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