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    Ingelheim

    Uralte Gebeine fordern Wissenschaft heraus

    Für den Laien ist es ein gruseliger Anblick, für den Fachmann eine Freude: In Ingelheim sind 19 Skelette entdeckt worden. Nun sind die Wissenschaftler gefragt.

    Bis zu zwei Meter tief haben sich Archäologen vorgearbeitet, um die Skelettfunde zu dokumentieren und Grabbeigaben zu bergen.
    Bis zu zwei Meter tief haben sich Archäologen vorgearbeitet, um die Skelettfunde zu dokumentieren und Grabbeigaben zu bergen.

    Ingelheim - 19 unvollständige Skelette, Grabbeigaben, die mindestens 1200 Jahre alt sind, und unbekanntes Mauerwerk aus dem Mittelalter: Das ist das großartige Ergebnis einer kleinen Ausgrabung an der St. Remigiuskirche, dem ältesten Gotteshaus Ingelheims.

    "Solch eine Untersuchung war wirklich überfällig", sagt Holger Grewe, Leiter der Kaiserpfalz-Ingelheim-Forschungsstätte. "Dies ist die erste wissenschaftliche Grabung auf dem Areal der Kirche, davor ist jede Gelegenheit, hier nachzusehen, versäumt worden."

    Dabei ist schon lange bekannt, dass St. Remigius über Jahrhunderte eine wichtige Rolle spielte. Wo heute der Barockbau aus dem Jahr 1739 aufragt, stand einst eine mächtigere Kirche, die 741 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Möglicherweise war sie Teil eines Königshofs, dem Vorgänger der benachbarten Kaiserpfalz. Und 948 war nicht etwa die Pfalz Karls des Großen Ort einer wichtigen Reichssynode, nein, die päpstlichen Legaten und König Ludwig aus dem westfränkischen Reich trafen sich in St. Remigius.

    Jetzt sollte das Pflaster vor der Kirche erneuert werden, und das nahmen die Archäologen die Kaiserpfalz zum Anlass, eine Grabung durchzuführen. Sie versprechen sich von den Ergebnissen nicht nur Aufschluss über die Geschichte des Gotteshauses, sie hoffen auch, Beziehungen zur Kaiserpfalz aufzudecken.

    Die Archäologen Matylda Gierszewska und Piotr Noszczynski hoben am Fuß des alten Kirchturms aus dem Jahr 1155 eine zweieinhalb mal dreieinhalb Meter messende Grube aus. Erst stießen sie dort auf Skelette aus der Neuzeit, dann folgten in gut zwei Meter Tiefe Knochenreste, die zumindest aus dem Frühmittelalter, wenn nicht aus der Antike stammen.

    "Sind sie tatsächlich aus der Antike, wäre das eine Riesenüberraschung", sagt der Ingelheimer Oberbürgermeister Joachim Gerhard (CDU), "denn bisher gibt es keine Befunde für eine Siedlung aus dieser Zeit."

    Vieles bleibt noch unklar. Die Grabbeigaben, darunter wahrscheinlich eine Gewandspange und ein Gürtelbeschlag, werden gerade erst in der Mainzer Landesarchäologie gereinigt. Auch ist zweifelhaft, ob die Grundmauern, die in der Grube gefunden wurden, zum alten Kirchenbau oder zum vermuteten Königshof gehören.

    "Fest steht allerdings, dass die Skelette schon mal in ihrer Grabruhe gestört wurden", sagt Noszczynski. Zudem glaubt er, am Grund der Grube einen Steinsarg entdeckt zu haben. Doch aus statischen Gründen konnte er leider die Grabungs nicht fortsetzen.

    Inzwischen ist die Grube wieder verschlossen. Doch im kommenden Jahr werden die Wissenschaftler hier nochmals genauer nachschauen und zusätzlich zwei weitere Grabungen rund um St. Remigius vornehmen.

    Doch bis dahin müssen die Bürger nicht auf neue Erkenntnisse warten. Grewe wird am Donnerstag, 25. November, um 20 Uhr einen öffentlichen Vortrag in der Kirche halten. Eventuell sind die Grabbeigaben bis dahin schon gesäubert, dann könnte der Archäologe ein wenig mehr Licht in die Vergangenheit von St. Remigius bringen

    Gerd Blase

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