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Mainz

Menschen haben immer noch Angst vor dem Thema Organspende

Beim Thema Organspende wird vielen Menschen mulmig. Der "Qualitätszirkel Organspende" der Mainzer Unimedizin will bei einer Infoveranstaltung aufklären.

Mainz – Schockiert, verzweifelt und traurig stehen die Eltern am Bett ihres toten Kindes, das immer noch an Geräte angeschlossen ist.

Dann kommt ein Arzt ins Krankenzimmer und fragt, ob Sie sich vorstellen können, die Organe ihres Kindes zu spenden. Was Realität im Klinikalltag ist, hält Prof. Norbert W. Paul für eine "eigentlich unzumutbare" Situation – und zwar sowohl für die Angehörigen als auch die Ärzte. Unter anderem deshalb engagiert sich der Vorsitzende des Ethikkomitees der Universitätsmedizin Mainz dafür, dass mehr Menschen klare und umfassende Patientenverfügungen verfassen, in denen sie unter anderem auch einer Organspende zustimmen oder sie ablehnen können. Das wäre eine Entlastung für Angehörige und für Ärzte.

Um darüber aufzuklären, welche Verfügungen für den Notfall sinnvoll und vor allem eindeutig sind, bietet der "Qualitätszirkel Organspende" der Universitätsmedizin eine kostenlose Infoveranstaltung an: Am Samstag, 14. April, gibt es ab 13 Uhr Vorträge zu bestimmten Problemfeldern und Fragen, von 15.45 Uhr bis 19 Uhr finden dann Einzelberatungen statt, für die man sich bis 11. April anmelden kann.

Es gibt viele Patientenverfügungen, bei denen rechtliche, ethische oder medizinische Fragen nicht so beantwortet werden, dass Angehörige und Ärzte eine sichere Grundlage für ihre Entscheidungen über die weitere Behandlung haben. Schwierig zu interpretieren ist zum Beispiel ein Satz wie "Sollte es noch Hoffnung geben, möchte ich weiter behandelt werden". Denn es wird nicht klar, worauf sich die "Hoffnung" bezieht: auf das reine Überleben (vielleicht als Pflegefall), auf selbstständiges Leben, Leben im Rollstuhl, Heilung?

Hausarzt als Ansprechpartner

Wer eine Patientenverfügung verfassen will, sollte sich deshalb nicht an einen Juristen wenden, sondern eher ein ausführliches Gespräch mit seinem Hausarzt führen. "Der kann viele Fragen besser beantworten. Außerdem halte ich es für falsch, dass Menschen mit dem Erstellen von Patientenverfügungen Geld verdienen", kritisiert Prof. Paul die diversen auch im Internet kursierenden Angebote.

Deshalb haben er und andere Experten aus den Bereichen Medizin, Medizinethik und Seelsorge der Universitätsmedizin gemeinsam eine eigene kostenlose Vorlage für eine Patientenverfügung entwickelt, und sie regen immer wieder an, über eventuelle schwere Krankheitssituationen nachzudenken – auch über die Möglichkeit einer Organspende.

Prof. Paul, der auch Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universitätsmedizin Mainz ist, hat da eine klare Wunschvorstellung: Er plädiert für die sogenannte Widerspruchslösung (das heißt: Jeder ist automatisch Organspender, wenn er dem nicht ausdrücklich widersprochen hat).

Doch nach vielen Diskussionen hat die Bundesregierung mit dem neuen Transplantationsgesetz einen anderen Weg eingeschlagen: Demnächst müssen die Bürger regelmäßig über Organspendemöglichkeiten informiert und gefragt werden, ob sie Organspender werden. Denn nach wie vor warten rund 12.000 Kranke auf ein Spenderorgan. Und auch wenn wohl die meisten Menschen im Krankheitsfall ohne Zögern ein Spenderorgan nehmen würden: Wenn es darum geht, seine eigenen Organe zur Verfügung zu stellen, sind zwar viele prinzipiell bereit, zögern aber dennoch, dies in einem Organspenderausweis festzulegen. Wem allerdings ein fremdes Organ schon einmal das Leben gerettet hat, stellt sich häufig auch als Organspender zur Verfügung. Irmela Heß

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