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    Mainz braucht mehr sozialen Wohnungsbau

    Bezahlbarer Wohnraum ist ein heiß begehrtes Gut in Mainz. Und nach Ansicht von ÖDP-Chef Claudius Moseler vor allem eines, bei dem man zum einen die Landesregierung mehr in die Pflicht nehmen und dem sich die Stadt systematischer annehmen müsste.

    Ein Aushang in der Boppstraße.
    Ein Aushang in der Boppstraße.
    Foto: Michael Reh

    Mainz – Bezahlbarer Wohnraum ist ein heiß begehrtes Gut in Mainz.

    Und nach Ansicht von ÖDP-Chef Claudius Moseler vor allem eines, bei dem man zum einen die Landesregierung mehr in die Pflicht nehmen und dem sich die Stadt systematischer annehmen müsste. "Wir haben das Wohnraumversorgungskonzept, wir bräuchten aber mal einen Strich unter der Rechnung." Soll heißen: eine Bilanz, die zeigt, welche Projekte wo laufen und welcher Bedarf noch besteht.

    "Der Sozialwohnungsbau ist nahezu zum Erliegen gekommen", sagt der ÖDP-Mann. "Das ist nicht allein die Schuld der Stadt, denn es wurden Förderungen Schritt für Schritt zurückgefahren." Dass sich die kommunale Wohnbau – nach eigenen Angaben mit 10 600 Mietwohnungen für 35 000 Menschen der größte Anbieter der Stadt – wieder auf das Kerngeschäft der Wohnungsvermietung konzentriert, findet er gut. Nur eine klare Linie im Zusammenspiel mit Stadtwerken und Mainzer Aufbaugesellschaft vermag er nicht zu erkennen. Das Thema sei jedoch enorm wichtig, da sich die Situation in Mainz – Zuzugsgebiet für Rhein-Main und Studentenstadt – noch verschärfe. "Wir bräuchten eine Art Stabsstelle", meint Moseler. "Qualifiziertes Personal haben wir doch in der Verwaltung."

    Viele Projekte sind in Planung

    Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) macht keinen Hehl daraus, dass Mainz dringend mehr günstige Wohneinheiten braucht. "Wir sind in engen Gesprächen mit dem Liegenschaftsdezernat und dem Sozialdezernat und auf gutem Weg", sagt sie und verweist auf den Landwehrweg in der Oberstadt, wo 38 Wohneinheiten für Familien "mit nicht ganz so dickem Geldbeutel" geschaffen werden sollen. In der Berliner Siedlung werden die ehemaligen Schwesternwohnheime abgerissen und es sollen 380 Appartments mit durchmischtem Ambiente entstehen. "Für mich ist das ein Beispiel gelungener Nachverdichtung", sagt die Dezernentin, die jedoch keine Angaben machen kann, wie viele sozialverträgliche Wohnungen hier entstehen. Für die Konversionsflächen in der GFZ- und der Kurzmainzkaserne gebe es einen Rahmenplan zur wohnbaulichen Entwicklung. Allerdings gibt der Bund die Flächen erst 2019 frei. Weitere, mehr oder weniger konkrete Pläne gibt es etwa auch für das Postareal am Cityport und die Bahnflächen gegenüber des jüdischen Friedhofs.

    Eindeutig besser wird die Lage in Zukunft wohl für Studenten, die derzeit auf der Suche nach vier Wänden nichts zu lachen hatten. Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner 19. Sozialerhebung, die die wirtschaftliche und soziale Lage von Studenten in Deutschland erfasst, ein Städteranking nach der Höhe von Miete und Nebenkosten erstellt. Das kleine Mainz landet hier auf Platz sieben, nach den Großstädten München, Hamburg, Köln, Düsseldorf und Frankfurt. Darmstadt liegt auf Rang sechs. Das Rhein-Main-Gebiet ist für Studenten also ein teures Pflaster. Um genau zu sein: 308 Euro müssen pro Monat in Mainz berappt werden, in Frankfurt sind es sogar 328.

    "Der Markt hier in der Stadt ist eng", sagt Matthias Griem, Geschäftsführer des Mainzer Studentenwerks. Traditionell am billigsten wohnen Studenten in öffentlich geförderten Wohnheimen, allerdings finden nur elf Prozent dort ein Plätzchen. Wenn am 1. Oktober der neue Wohnkomplex auf dem Kisselberg bezugsfertig ist, wird die Lage besser. Am Binger Schlag jedoch hat sich der zweite Bauabschnitt verzögert: "In einem Gebäudeteil sind momentan noch die Kunsthistoriker. Deren neue Räume auf dem Campus sind ein Dreivierteljahr hinter der Planung", berichtet Griem. Sobald die Kunsthistoriker auf dem Unigelände sind, wird am Binger Schlag abgerissen und losgelegt. Griem rechnet damit, dass der Komplex im Wintersemester 2014/15 bezugsfertig ist.

    Private Investoren für Wohnheime?

    Die Anzahl der Plätze ist die eine Sache, die Mieten die andere. "Grundstückspreise in Mainz sind hoch, da ist es schwer, günstigen Wohnraum zu schaffen", sagt Griem. In Hessen sollen private Investoren einspringen: SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel schlägt Mietpreisgarantien des Landes vor, um private Investoren zum Bau von Wohnheimen anzuregen. Denn die Wohnungsnot wird durch doppelte Abiturjahrgänge noch größer – jenseits wie diesseits des Rheins.

    Griem sieht diesen Aufruf etwas zwiespältig. Denn private Investoren hätten es noch schwerer an öffentliche Fördertöpfe zu kommen und seien eher daran interessiert, gehobenes Wohnen für Studenten zu ermöglichen. Dennoch ist er froh um solche Projekte, weil sich manche Studenten komfortableres Wohnen leisten können und damit Plätze in den Wohnheimen des Studentenwerks frei werden, die Benachteiligten und ausländischen Studenten zugute kommen. Ganz so schwarz sieht er die Lage daher nicht: "Irgendwann wird da eine Sättigung eintreten."  Alexandra Schröder

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