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    Mainz

    Kinder in Gefahr? Notaufnahme bietet Obhut

    Die Notaufnahme der Stiftung Juvente in Mainz bietet Kindern und Jugendlichen Obdach. Hier werden Jungen und Mädchen bis zu drei Monaten betreut.

    Martina Rose und die übrigen Mitarbeiter der Notaufnahme kümmern sich liebevoll um ihre Schützlinge, die aufgrund schwerwiegender Vorfälle vom Allgemeinen Sozialen Dienst aus der Familie genommen wurden.
    Martina Rose und die übrigen Mitarbeiter der Notaufnahme kümmern sich liebevoll um ihre Schützlinge, die aufgrund schwerwiegender Vorfälle vom Allgemeinen Sozialen Dienst aus der Familie genommen wurden.
    Foto: Harry Braun

    Mainz - Fröhliches Kinderlachen schallt über den Flur, die Wand ziert eine Collage mit Schnappschüssen vom letzten gemeinsamen Ausflug.

    In einem gemütlich eingerichteten Raum sitzen drei Mädchen, in ein Spiel vertieft, auf dem Teppich. Eine Stück heile Welt, wenn auch nur auf Zeit. Denn die Kinder und Jugendlichen, die in der Notaufnahme der Stiftung Juvente betreut werden, bleiben in der Regel maximal drei Monate in der Obhut von Fachkräften.

    Sie alle teilen ein Schicksal: Aufgrund einer akuten Notsituation, sei es, dass die Mutter plötzlich ins Krankenhaus muss, sie von den Eltern stark vernachlässigt werden, physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt sind, hat der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) der Stadt sie zu ihrem eigenen Schutz aus der Familie genommen. Während die Kinder in der Notaufnahme verweilen, wird geklärt, ob sie zu den Eltern zurückkehren können oder eine andere Betreuungsform gesucht werden muss. "Das kann eine Pflegefamilie sein. Oder für ältere Jungen und Mädchen eine stationäre Heimgruppe", nennt Bereichsleiterin Martina Rose die Alternativen. Zunächst einmal werde aber alles darangesetzt, dass Eltern und Kinder wieder zueinanderkommen. "Das Jugendamt ist da zu sehr vielen Experimenten bereit", erzählt die Sozialarbeiterin.

    Kinder brauchen Halt

    Ein Beispiel: Da hat eine Frau mit den Kindern ihren brutalen Ehemann verlassen, das ältere Kind wurde misshandelt, ist nun selbst gewalttätig, auch die beiden jüngeren Geschwister überschreiten ständig ihre Grenzen. Die Mutter bekommt nichts mehr in den Griff, sitzt auf einem Schuldenberg, das Essen reicht hinten und vorne nicht, An diesem Punkt schreitet der ASD ein, die Geschwister kommen in die Notaufnahme, während die Mutter mit fremder Hilfe versucht, wieder auf die Beine zu kommen. "Die Mitarbeiter des ASD besuchen ,ihre' Kinder regelmäßig, stellen die Weichen für den weiteren Weg der Schützlinge", erzählt Rose und nennt drei Dinge, die die Jungen und Mädchen jetzt am dringendsten benötigen: "Zuwendung, Orientierung und Halt."

    Und wie verkraften die Kinder dieses einschneidende Erlebnis? "Einige klammern sich fest, andere sind wie versteinert, reden nicht mehr, hören auf zu essen", sagt die Sozialarbeiterin. Und diejenigen, die selber beim Jugendamt anrufen, sind entweder erleichtert oder aber fassungslos, dass sie ihre Familie verraten haben. So komme es durchaus vor, dass ein älteres Kind an der Tür der Notaufnahme klingelt und mit den Worten "meine Eltern schlagen mich tot" um Hilfe bittet. In dem Fall prüft das Jugendamt die Verhältnisse, in denen das Kind lebt und entscheidet dann, was passiert. Maximal 15 Kinder finden in der Notaufnahme eine erste Zuflucht. Zurzeit sind es zwei mehr, müssen sich die Mitarbeiter auch noch um "Windelträger" kümmern, für die gerade kein Platz frei war in einer Pflegefamilie, was bei so kleinen Kindern sonst üblich ist.

    Früher waren die Hauptprobleme Gewalt in der Ehe oder Diebstahl, heute sind es Sucht und psychische Erkrankungen der Eltern", resümiert die 46-Jährige. "Es ist nicht schlimmer geworden, sondern anders. Viele Kinder müssen Eltern für ihre Eltern sein." Und das unabhängig vom gesellschaftlichen Status. Für Rose fängt die Vernachlässigung bereits dort an, wo der Nachwuchs finanziell zwar gut ausgestattet ist, aber niemand Zeit hat, um sich um seine Belange zu kümmern. "Und wird er dann verhaltensauffällig ist das ein Notruf, und das Kind der SOS-Sender", sagt Martina Rose. Sabine Jakob

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