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Wiesbaden

Immer mehr Kinder brauchen Hilfe

Immer häufiger müssen Sozialarbeiter einschreiten, wenn Jungen oder Mädchen genau dort gefährdet sind, wo sie eigentlich Schutz finden sollten: bei den eigenen Eltern.

Die hessischen Jugendämter haben im Vorjahr deutlich mehr Jungen und Mädchen in ihre Aufsicht genommen als zuvor. Im Jahr 2010 erhielten fast 3000 Kinder und Jugendliche den Schutz der Behörden. 
Foto: Rainer Jensen
Die hessischen Jugendämter haben im Vorjahr deutlich mehr Jungen und Mädchen in ihre Aufsicht genommen als zuvor. Im Jahr 2010 erhielten fast 3000 Kinder und Jugendliche den Schutz der Behörden.
Foto: Rainer Jensen – dpa

Wiesbaden – Die Aktenberge in den hessischen Jugendämtern dürften sich weiter stapeln.

Denn immer häufiger müssen die Sozialarbeiter einschreiten, wenn die Jungen oder Mädchen genau dort gefährdet sind, wo sie eigentlich Schutz finden sollten: bei den eigenen Eltern.

Verwahrlost, missbraucht oder einfach nur von den Eltern vergessen: Im Jahr 2010 erhielten fast 3000 Kinder und Jugendliche den Schutz der Behörden, im Jahr zuvor waren es rund 2700 oder zehn Prozent weniger. Auch bundesweit hatten die Jugendämter mehr zu tun: Sie registrierten rund 36 300 Kinder und Jugendliche, etwa 2600 oder acht Prozent mehr als 2009 – und sogar 42 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren, so das Statistische Bundesamt.

Auf Amtsdeutsch: Inobhutnahme

Bei einer sogenannten Inobhutnahme schützt ein Jugendamt kurzfristig Kinder und Jugendliche und bringt sie zum Beispiel in einem Heim oder anderen Familien unter. Hinweise und Anregungen kommen von den Betroffenen oder anderen Stellen wie Polizei, Erziehern oder Nachbarn.

Deutlich zeichnen sich nach Einschätzung der Statistiker zwei Trends auch in Hessen ab: Erstens suchte im vergangenen Jahr mehr als jedes vierte Kind (28,7 Prozent oder 857) freiwillig die Hilfe der Experten auf, darunter vor allem Mädchen. Weitere 2077 Kinder und Jugendliche wurden in Obhut genommen, weil sie nach der Einschätzung der Experten gefährdet waren.

Ohne Eltern nach Deutschland

Außerdem hat auch die Zahl der ausländischen Jungen und Mädchen deutlich zugenommen, die unter anderem von ihren Eltern ins Flugzeug gesetzt und nach Deutschland geschickt wurden. Im vergangenen Jahr kamen 389 Kinder und Jugendliche (13 Prozent) auf diese Weise nach Deutschland – das sind fast doppelt so viele wie im Jahr 2009 (187 oder 6,9 Prozent). Wegen des größten deutschen Flughafens in Frankfurt liegen die Zahlen in Hessen nach Einschätzung des Bundesamtes deutlich über den Ergebnissen der anderen Bundesländer.

Bundesweit kamen 2008 noch 1100 Jugendliche auf diese Weise ohne Begleitung an. Im Jahr 2009 stieg die Zahl schon auf 1950 Jugendliche. Vergangenes Jahr waren es dann 2800 Jugendliche – das war ein Anstieg gegenüber 2008 um 157 Prozent.

Grund Nummer Eins für das Einschreiten der hessischen Jugendämter: Die Eltern der Jungen und Mädchen sind überfordert (43,7 Prozent der Fälle). Das wurde auch vor zwei Jahren als häufigster Anlass genannt. Oft werden auch Beziehungsprobleme genannt, in 12,2 Prozent der Fälle in Hessen wird Misshandlung angeführt (2009: 10,3), in weiteren 2,2 Prozent gehen die Experten unter anderem von sexuellem Missbrauch aus (2009: 1,6). Immerhin in jedem zehnten Fall wird ein Kind nach Ansicht des Jugendamtes vernachlässigt. Die Behörden konnten für die Statistik bis zu zwei Anlässe angeben.

Schreitet ein Jugendamt zwischen Kassel und dem Odenwald ein, so nimmt es in drei von vier Fällen den Jungen oder das Mädchen fünf Tage oder länger in Schutz. Nur in etwas mehr als 1200 Fällen (40,6 Prozent) kehrten die Kinder und Jugendlichen in ihre Familie zurück.

Nicht alle gehen wieder heim

Von den Kindern und Jugendlichen, um die sich das Jugendamt im vergangenen Jahr neu kümmern musste, lebte der größte Teil (27 100) zuvor bei den Eltern oder einem Elternteil. Fast jedes zweite Sorgenkind (15 300) kehrte nach einiger Zeit zurück zu seiner Familie. Allerdings mussten auch 4600 Jungen und Mädchen in einem Krankenhaus oder sogar in der Psychiatrie behandelt werden. dpa

Mainzer Rhein-Zeitung
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