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Husten gegen Herzinfarkt? Kettenbrief reist auch durch Mainz

Das Internet ist voller Informationen – und manchmal eben auch voll falscher Informationen. Wir haben mal einen aktuellen Kettenbrief mit Profis auf seinen Wahrheitsgehalt überprüft.

Foto: dpa (Archiv)

Mainz. Zurzeit läuft ein Kettenbrief auch über Mainzer Rechner, der mit den Worten "endlich mal ein sinnvoller Kettenbrief" kommentiert wird.

Es geht um Erste Hilfe-Maßnahmen bei Schlaganfall und Herzinfarkt. Aber sind die Tipps, die angeblich Leben retten können, wirklich sinnvoll? Die MRZ befragte Experten der Universitätsmedizin Mainz. Ihre Einschätzung: Nicht ganz verkehrt, aber auch nicht ganz richtig und deshalb eigentlich nicht hilfreich. Was bestätigt: Aussagen in Kettenbriefen sollte man kritisch betrachten – und sie nicht weiterleiten, ohne ihren Inhalt überprüft zu haben.

Im vorliegenden Fall beginnt der aus den USA herüber geschwappte Kettenbrief mit einer Geschichte von Ingrid, die beim Grillen plötzlich umkippt und spät abends am Schlaganfall stirbt. Weiter werden vier Tipps für das vermeintlich sichere Erkennen eines Schlaganfalls aufgezählt: Der Betroffene kann nicht lächeln, keinen einfachen Satz sprechen, nicht mehr beide Arme hoch heben, oder die heraus gestreckte Zunge ist gekrümmt. Aber: Es gibt noch mehr Symptome, die ebenfalls auf einen Schlaganfall hindeuten können.

"Die Quelle scheint nicht allzu kompetent zu sein", meint dazu Professor Frank Birklein, Oberarzt an der Neurologischen Klinik der Universitätsmedizin. Wichtig ist: Bei neurologischen Ausfällen sofort den Notarzt rufen und die nächste "Stroke Unit" (Schlaganfall-Station) aufsuchen.

Auch der Anhang zum Herzinfarkt findet nicht die volle Zustimmung des Experten. In einer bunten Präsentation wird hier erklärt, dass es mittels einer speziellen Hustentechnik möglich ist, bei einem Herzinfarkt hinterm Steuer noch die rettende Klinik zu erreichen. "Diese Hustentechnik gibt es zwar, aber sie kann nur bei gutartigen Herzrhythmusstörungen helfen. Bei einem Herzinfarkt kann sie schädlich sein", sagt Dr. Felix Post, Kardiologe und Intensivmediziner der der II. Medizin der Universitätsmedizin Mainz. Das einzig Richtige bei drohendem Herzinfarkt im Auto: Sofort stehen bleiben und den Notarzt anrufen. Prinzipiell hat der Oberarzt nichts gegen Internet-Information. "Aufklärung in jeder Form ist gut, sie muss aber Hand und Fuß haben."

Merke: Das Internet kann ein wunderbares Informationsmedium sein – aber man darf nicht alles glauben, was man liest. Und ob ein Kettenbrief ein geeignetes Mittel ist, um seriöse Hilferufe und andere wichtige Dinge zu verbreiten, darf bezweifelt werden, denn viele Kettenbriefe werden als (schlechte) Scherze ins weltweite Netz gesetzt oder sind Träger von Computerviren. Und auch eine ernst anmutende Ketten-E-Mail kann ein Hoax, so der internationale Name für die verbreitete Falschmeldung, sein – und auch wenn Teile davon richtig sind, sind es oft die falschen Anteile, die beim Leser hängen bleiben. Außerdem neigen Kettenbriefe zur Mutation: Sie verändern sich im Laufe der Weiterleitungen, der Inhalt wird erweitert, gekürzt, geändert – und das manchmal bis zur Unkenntlichkeit.

Irmela Heß

Mehr Information: http://hoax-info.tubit.tu-berlin.de und www.schlaganfall-hilfe.de

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