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    Mainz

    Futura kam mit Apollo 11 auf den Mond

    Sie haben es gut eingepackt, das Buch. Nun pellen Sara Ellinger und Christian Weber ihr Werk vorsichtig aus der Plastikfolie. Auch hier, in einem Café im Schatten des Doms, soll nichts drankommen. Schließlich haben die beiden Designstudenten der Fachhochschule Mainz nur wenige Exemplare hergestellt von "Futura - Die sich die Welt eroberte - 10 Fragen und Antworten".

    Die Designstudenten Christian Weber und Sara Ellinger präsentieren ihr Buch, das sie komplett der Schriftart "Futura" gewidmet haben. 
Foto: Braun
    Die Designstudenten Christian Weber und Sara Ellinger präsentieren ihr Buch, das sie komplett der Schriftart "Futura" gewidmet haben.
    Foto: Braun - Harry Braun

    Ein ganzes Buch über eine Schriftart: Das leuchtet nicht unbedingt jedem ein. "In meinem Bekanntenkreis musste ich öfter erklären, was das soll", erzählt Ellinger, während sie nebenher beim Blättern aufpasst, dass der silbern gebundene Band nicht zu nah an die Kerze auf dem Tisch kommt.

    "Aber für einen Gestalter sind Schriften wichtig", meint Christian Weber. Und gerade die Futura spielt eine gewaltige Rolle. Sie machte schon bald nach ihrer Schöpfung Karriere.

    Der Typograf und Designer Paul Renner entwickelte 1927 diese Schriftart. "Er war jemand, der in seiner Zeit sehr bekannt war", erklärt Weber. "Er kritisierte immer: Die Technik hat sich weiter entwickelt, aber die Schriftgestaltung ist im 17., 18. Jahrhundert stecken geblieben."

    Da sollte seine Futura Abhilfe schaffen. Die Schrift kommt ohne Serifen, als ohne Schnörkel oder schmückendes Beiwerk aus. Sie ist klar und baut auf geometrischen Figuren wie dem Kreis und dem Dreieck auf.

    "Wie grotesk!", meinten viele Zeitgenossen, als ein paar Jahrzehnte zuvor eine erste Schrift in diesem Stil entwickelt wurde. Sie entsprach so gar nicht dem damaligen Geschmack. "Grotesk" wurde daraufhin zum Namen für eine ganze Reihe von Schriften, auch Renners Futura gehört dazu.

    Solche und viele andere Geschichten haben die Studenten gesammelt. Der FH-Kurs "Einfach Grotesk" gab den Anstoß dazu. Als dort die Themen für die Semesterarbeiten vergeben wurden, schlug Professorin Isabel Naegele Futura für die beiden vor.

    "Am Anfang wollten wir das nicht nehmen", erinnert sich Ellinger, "weil es ein so großes Thema ist." - "Außerdem dachten wir, über so eine berühmte Schrift sei schon alles geschrieben", ergänzt Weber. Sie täuschten sich. Auf der Spur von Futura entdeckten sie Kurioses und Erstaunliches.

    In zehn Fragen und zehn Kapiteln haben sie ihre Erkenntnisse zusammengefasst. Wunderschön gestaltet ist das alles - und reich bebildert. "Das ist wirklich vollständig von uns gemacht: die Texte, das Design. Wir haben das Buch selbst gebunden", sagt Weber.

    Das Werk beginnt mit naheliegenden Fragen wie: "Wer war Paul Renner?" Aber wer weiter durchblättert, findet Überraschendes: "Wie kommt die Futura auf den Mond?"

    Ellinger stieß im Internet auf das Foto der Plakette, die nach der Apollo-11-Expedition auf dem Mond zurückblieb. "Here men from the planet earth first set foot upon the moon", steht dort - in Futura. Die Studentin korrespondierte mit der Nasa und fand heraus, dass Jack A. Kinzler, Leiter der Abteilung Technischer Service die Idee zur Plakette hatte. "Die Wahl von Futura war aber wohl eher zufällig", gibt sie zu.

    Anders war das bei den Filmplakaten von Stanley Kubrick. "2001: Odyssee im Weltraum" oder "Eyes Wide Shut" wurden ganz bewusst in Futura beworben. "Kubrick war ein Fan der Schrift", sagt Weber.

    So führt das Buch in verschiedenste Welten. Es erzählt vom Futura-Schöpfer, der vor den Nazis flüchtete, oder vom Siegeszug der grotesken Schriften, den in Deutschland ausgerechnet ein Erlass von Adolf Hitler einläutete.

    "Wer unser Buch liest, wird danach wissen, warum die Schrift so wichtig ist", sagt Weber. Eine Jury vom Deutschen Designer Club hat das schon getan. Beim Wettbewerb "Gute Gestaltung" gewann der Band in der Kategorie "Zukunft" Silber. Nun wollen sich Ellinger und Weber auf die Suche nach einem Verleger machen. Schließlich darf es nicht sein, dass ihre erstaunlichen Erkenntnisse nur so wenigen zugänglich bleiben ... Das Gespräch ist zu Ende. Vorsichtig packt Ellinger das silberne Buch wieder in die Plastikfolie. Schade, es hätte ruhig noch ein Weile dauern dürfen - mit diesem Buch.

    Von unserem Mitarbeiter Gerd Blase

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